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Die fünf Musiker der ?Jazz Classics? überzeugten das Publikum in der Schlosskirche mit stimmungsvollen Klängen und virtuosem Spiel. Foto: Sajak

Musik der 20er Jahre

Ein Hochgenuss für Jazz-Freunde in der Schlosskirche

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Die „Jazz Classics“, fünf Meister ihres Fachs, begeisterten das Publikum am Sonntag beim Eröffnungskonzert von „Swinging Castle“ in der Schlosskirche Bad Homburg. Der Ohrenschmaus stand unter dem Motto „Red Hot Music of the Twenties“.

Das fünfte Bad Homburger Jazz-Festival eröffnete die Konzertreihe 2018 mit einer Formation, die es in dieser Form nur selten geben kann. Denn jeder der fünf Musiker ist selbst Band-Leader mit vielen Verpflichtungen. Herbert Christ mit Kornett und Trompete, Reimer von Essen an der Klarinette und Horst Schwarz mit Washboard-Percussion gründeten die „Jazz Classics“ vor mehr als 30 Jahren als Ableger der „Barrelhouse Jazzband“. Eberhard Hertin am Piano und Achim Hamacher mit dem Basssaxofon erweitern nun das Ensemble.

Mit bekannten Titeln sowie mit von alten Schelllackplatten selbst entdeckten und bearbeiteten Raritäten boten die fünf Musiker in der Schlosskirche nun mehr als zwei Stunden Genuss vom Feinsten. Schon der Einstand eines jeden stellte das meisterhafte Können unter Beweis und wurde von den Zuhörern mit Jubel quittiert.

Als Leitstern des Konzertes stellte Reimer von Essen den 1893 in Louisiana mit indianisch-kreolischer Herkunft geborenen Clarence Williams vor, der bereits als Zwölfjähriger mit einer Gruppe als Sänger umherzog und es in seiner Karriere rührig und über viele Stationen zum Jazzpianisten, Komponisten, Plattenproduzenten und Musikverleger brachte. Der mit Zeitgenossen wie Sidney Bechet, Spencer Williams oder Jack Palmer zusammenarbeitete und auch junge Talente wie Louis Armstrong entdeckte.

Titel wie „Blue Blood Blues“, „Cake Walk Babies“, „Mean Blues“, „Bimbo“, „Perdido Street Blues“ oder „Cushion Foot Stomp“ stammen von Clarence Williams selbst oder von seinen Kollegen. Jedenfalls beschworen die „Jazz Classics“ damit ein lebendiges, beschwingtes Bild und Klangerleben der goldenen 1920er Jahre herauf, und Reimer von Essen wusste stets Anekdoten und Informatives dazu.

Virtuos, voll Leidenschaft und Hingabe spielten sie ihre Instrumente. Ob als Solisten, im Duo oder ganzen Ensemble, sie glänzten mit ihren Interpretationen. Immer konnte man die flinken Finger an den Tasten, die schmelzenden Töne von Kornett und Klarinette bewundern.

Das Basssaxofon – größer und tiefer gelegen sind nur noch das Kontra- und Subkontrabasssaxofon – ersetzte wie in den 1920er Jahren im New-Orleans-Jazz den Bass und ist heute nur selten zu hören. Es ist äußerst anstrengend zu spielen und schweißtreibend, die Atemluft 2,70 Meter weit durch das Schallrohr zu blasen. Das Waschbrett schließlich, als Rhythmusinstrument auf einem kleinen Tisch montiert wie zur Zeit des Classic-Jazz und Swing, mit „Fingerhut-Handschuhen“ souverän bedient von Horst Schwarz, der ansonsten bei Barrelhouse die Trompete spielt.

Ein Publikum von Kennern der Szene sparte an keiner Stelle mit engagiertem Applaus für die großartigen Leistungen dieser Vollblut-Musiker. Nach vielen anderen Songs ging das großartige Konzert zu Ende mit Titeln wie „Wait till you see my Baby doin’ the Charleston Dance“, „Sweet Emmalina“ und als Zugabe „Travelling Blues“.

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