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Für die Motorradfahrer waren einige Strecken im Feldberggebiet neun Tage lang gesperrt. Der Kreistag griff das Thema am Montag in seiner Sitzung auf.

Versuch beendet

Feldberg für Biker gesperrt: "Jeder Tote ist einer zu viel"

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Vor dem Frühjahr kann kaum über die Zukunft des Feldbergs als Biker-Paradies beraten werden. So lange dauert die Analyse der Ergebnisse der Probesperrungen.

Hochtaunus - Kaum ist die zweite Feldberg-Sperrung für Motorräder aufgehoben, diskutiert der Kreistag bereits über die Konsequenzen. Ein Antrag der AfD, mit dem der Landrat aufgefordert werden sollte, die Sperrung von Straßen rund um das Feldberggebiet für Motorräder aufzuheben beziehungsweise sich für die Aufhebung einzusetzen, kam einen Tag zu spät - die Sperrung endete bereits am Wochenende. Der Antrag wurde insofern umgedeutet, dass die AfD generell keine Sperrung will, worüber - auf Antrag der FDP - im Verkehrsausschuss beraten werden sollte. Die Mehrheit des Kreistags votierte dagegen.

Ein Antrag der Liberalen, wonach der Kreisausschuss die zuständigen Gremien in einer der nächsten Sitzungen über das Ergebnis der ersten Probesperrung unterrichten soll und später über das der zweiten, fand nur bedingt Zustimmung. Grundsätzlich würden die gewonnenen Erkenntnisse natürlich kommuniziert, aber erst wenn beide Versuche ausgewertet seien, sagte Norbert Fischer (CDU), der einmal mehr betonte, dass ergebnisoffen analysiert werde. Bis zum Frühjahr 2020 werde man sich aber noch gedulden müssen.

Feldberg für Biker gesperrt: Sinn und Unsinn der Versuchssperrung

Debattiert wurde über Sinn und Unsinn der Versuchssperrungen trotzdem schon einmal. Peter Lutz (AfD) verwahrte sich dagegen, dass der weit überwiegende Teil der Biker für einige wenige Ausreißer kollektiv bestraft werden soll, die einige wenige zugezogene Schmittener in ihrem Ruhebedürfnis beeinträchtigten. Weder der Test noch eine dauerhafte Sperrung seien sinnvoll, vielmehr müsse mehr Kontrollpersonal an die Strecke. Von einer dauerhaften Sperrung gehe er, Lutz, nicht aus. Selbst wenn sie das Ergebnis der Tests sein sollte, werde sie sicher beklagt, nach aller Erfahrung mit ähnlichen Fällen auch erfolgreich.

Mehr Personal wäre viel besser in Schulen und Kindergärten aufgehoben, statt sich am Feldberg auf die Lauer nach Motorradrasern zu legen, entgegnete Walter Breinl (SPD) auf den AfD-Vorstoß. Er sah in den jetzt schon geltenden Tempolimits auf der Kanonenstraße auch keine Kollektivbestrafung für Autofahrer, die gerne schneller unterwegs wären. Es gelte, die Ergebnisse der Sperrungen genau zu analysieren, sie mit der Straßenverkehrsordnung zu spiegeln und zunächst abzuwarten. Insofern sei gegen den Antrag der FDP nichts zu sagen.

Sperrung des Feldbergs: Keine Kollektivhaftung für Motorradfahrer

Gegen eine Sperrung ist auch die FWG. Renzo Sechi sagte, die wenigsten Biker benähmen sich am Feldberg daneben. Ihretwegen dürfe man nicht allen anderen den Spaß nehmen und sie mit in Haft nehmen. Wer mit der Häufigkeit von Bikerunfällen argumentiere, müsse sich auch fragen lassen, warum das Frankfurter Kreuz, das Unfallschwerpunkt für Autos sei, nicht gesperrt werde. Zudem sei die Zahl der tödlichen Zweiradunfälle zurückgegangen. Unfälle vermeide man nicht durch Verbote, sondern dadurch, dass man die Sicherheit der Straßen erhöhe. Sechi sagte, in anderen Ländern seien längst Messgeräte im Einsatz, mit denen zu laute Biker zur Ordnung gerufen werden.

Das sei auch am Feldberg möglich. Bevor etwas entschieden werde, müsse jedoch die Auswertung der beiden Tests abgewartet werden, meinte auch Sechi.

Ganz anderer Meinung war Werner Frey (Die Linke). Er sagte, er sei selbst Motorradfahrer und auch oft am Feldberg unterwegs. Dabei mache er, anders als Lutz von der AfD, aber die Beobachtung, dass die wenigsten Biker vernünftig führen, "die meisten brauchen den Kick, immer mehr Blumengestecke am Straßenrand belegen das", sagte Frey, der schon jetzt für eine dauerhafte Sperrung des Feldbergs für Biker plädierte, denn jeder Motorradtote sei einer zu viel.

Info: Rund 200 Verstöße

Bei der zweiten neuntägigen Sperrung wurden laut Polizei 197 Motorradfahrer erwischt, die gegen das Fahrverbot verstoßen hatten. Im Mai waren es rund 250 gewesen. Allerdings war das erste September-Wochenende vergleichsweise bescheidenes Mot orradwetter. hko

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