Am Hühnerstein in Ober-Erlenbach entstehen derzeit viele Häuser und einige Wohnungen. Dennoch: Die Nachfrage ist wesentlich höher als das Angebot, die Preise steigen.
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Am Hühnerstein in Ober-Erlenbach entstehen derzeit viele Häuser und einige Wohnungen. Dennoch: Die Nachfrage ist wesentlich höher als das Angebot, die Preise steigen.

Immobilien im Hochtaunuskreis

Trotz Krise und vielen Neubauten – Wohnen wird immer teurer

  • vonFlorian Neuroth
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Es wird viel gebaut im Hochtaunuskreis und trotzdem ist die Nachfrage immer noch höher als das Angebot. Dadurch wird wohnen immer teuerer.

Bad Homburg – Die deutsche Wirtschaft ächzt unter der Corona-Pandemie. Ob Gastronomen, Einzelhändler, Dienstleister oder Kulturschaffende, die aufgrund des Shutdowns mit massiven Umsatzeinbußen zu kämpfen haben, oder Millionen von Kurzarbeit und betriebsbedingten Kündigungen betroffene Arbeitnehmer - vielerorts muss derzeit der Gürtel enger geschnallt werden.

Während die Wirtschaft schrumpft, zeigt sich auf dem Immobilienmarkt hingegen ein gänzlich anderer Trend. Wie bereits in den Vorjahren steigen die Preise für Wohnimmobilien unbeeindruckt von der Krise weiter an, lagen laut Statistischem Bundesamt im dritten Quartal 2020 durchschnittlich um 7,8 Prozent höher als im entsprechenden Vorjahresquartal.

Immobilien im Hochtaunuskreis: Innerhalb kürzester Zeit vom Markt

Das ist auch im Hochtaunuskreis nicht anders. Wer auf großen Immobilienplattformen nach Objekten sucht, findet Eigentumswohnungen zum "Festpreis" (ohne angesetzte Zwangsversteigerungen) ab 150 000 Euro. Dafür gibt's 40 bis 50 Quadratmeter. Häuser stehen für 690 000 Euro aufwärts zum Verkauf - zumindest, wenn man Zeit hat, auf die Fertigstellung zu warten. Die preiswerteste Bestandsimmobilie ist derzeit für 775 000 Euro zu haben.

"Die Preise sind deutlich gestiegen. Jede halbwegs vernünftige Immobilie ist innerhalb kürzester Zeit weg", sagt Thomas Schaumlöffel, Geschäftsführer des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Vereins Hochtaunus. Gefühlt liege der Zuwachs in den vergangenen zwölf Monaten zwischen 10 und 15 Prozent. "Das Angebot ist zu dünn", begründet Schaumlöffel die Entwicklung. In der Krise gäben insbesondere Erbengemeinschaften ihr Geld lieber aus, anstatt es zur Bank zu tragen. Geschuldet sei dies der Erwartung einer allgemeinen Erhöhung des Preisniveaus. "Die Inflation wird kommen, auch wenn wir nicht wissen wann. In einer solchen Situation sind Sachwerte gefragt und keine Barbestände", erklärt er.

Ähnlich sieht der Immobilien-Sachverständige Stephan Schlocker die Angelegenheit. "Die Kapitalmärkte sind geflutet, alle erwarten eine inflationäre Entwicklung", sagt er. Zudem sei der Zinsmarkt so niedrig, dass Käufer die Preissteigerungen über eine geringere Monatsbelastung meist problemlos tragen könnten. "Die Leute sagen sich: Das Objekt ist zwar schweineteuer, wir können es uns aber trotzdem leisten. Das beflügelt den Markt natürlich." Parallel werde weniger gebaut und das Angebot sei dadurch geringer als sonst. "Diese Mechanismen sorgen dafür, dass der Wohnimmobilienmarkt durch die Pandemie nicht gehemmt wurde, sondern vielmehr eine positive Zukunftsperspektive hat."

Das gelte allerdings nur für Ballungsräume wie das Rhein-Main-Gebiet. In ländlichen Gebieten, in denen die Infrastruktur nicht stimme, erwarte er eine Wertreduktion. Generell sei festzustellen, dass sich durch das Aufkommen des Homeoffice die Flächennachfrage verändert habe. "Viele wünschen sich einen Extra-Raum als Arbeitszimmer. Im Homeoffice braucht man Ruhe. Den PC ab und zu ins Wohnzimmer stellen ist notdürftig mal möglich, aber keine dauerhafte Lösung."

Immobilien im Hochtaunuskreis: Wandel bei Gewerbeflächen

Während Eigentümer von Wohnimmobilien die "Gewinner" der Krise seien, stünden Einzelhandels- und Büroflächen eindeutig auf der Verliererseite. So jedenfalls schätze der Sachverständigenrat des Immobilienverbandes - derzeit konferiert Schlocker alle zwei Wochen per Video-Konferenz mit den Kollegen - die Situation ein. "Wir werden auch nach dem Ende des Shutdowns nicht in alte Zeiten zurückkehren. Ein Teil der Unternehmen wird in die Insolvenz gehen, andere werden Arbeitsplätze abbauen oder doppelt belegen. Zusätzlich werden wohl viele Arbeitnehmer im Homeoffice bleiben. Büro- und Verwaltungsflächen werden dann weniger gebraucht", prognostiziert Schlocker. Zudem habe sich das Einkaufsverhalten geändert. "Durch die Pandemie-Bestimmungen wurde auch der Letzte gezwungen, im Internet zu bestellen. Viele haben gemerkt, wie einfach das ist und werden das weiterhin tun", sieht der Experte schwere Zeiten für den Einzelhandel vor Ort und folgerichtig sinkende Mieten. Das gelte auch für 1A-Lagen wie in der Homburger Louisenstraße, wo die Miete ohnehin sehr hoch ist.

Dass manch Unternehmer im Hochtaunuskreis sich die Miete derzeit offenbar nicht mehr leisten kann oder will, diese Erfahrung machten laut Schaumlöffel in den vergangenen Wochen gleich mehrere Vereinsmitglieder. "Wir haben einige Fälle, in denen Unternehmen, vor allem Filialunternehmen, die Mietzahlungen eingestellt haben. Begründet wird dies damit, dass aufgrund der Pandemie-Beschränkungen keine vertragsgemäße Nutzung möglich sei", erklärt er.

Für die Vermieter seien solch "juristische Winkelzüge" der Unternehmen, die so versuchen würden, trotz staatlicher Hilfsleistungen um die Mietzahlungen herumzukommen, natürlich "eine Katastrophe". "Viele haben ihre Altersvorsorge darauf aufgebaut." Mitgliedern, die anfragen würden, ob sie Stundungsangebote von Unternehmen annehmen sollten, rate er daher auch: "Nehmt mit was geht. Das ist auch im Sinne der Solidargemeinschaft."

Zu nennenswerten Mietausfällen im privaten Bereich sei es bislang jedoch noch nicht gekommen, sagt Schaumlöffel. Man gehe davon aus, dass dies auch so bleibe. (Florian Neuroth)

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