Englischen Kirche

Als Hölderlin in Homburg verzweifelte

  • schließen

Die unerfüllte Liebe Friedrich Hölderlins (1770–1843) stand im Mittelpunkt der Inszenierung „Hölderlin und Diotima“. 18 Szenen sollten den Dichter dem Publikum in der Englischen Kirche näher bringen.

Spätestens seit der ersten Verleihung des Friedrich-Hölderlin-Preises 1983 ist das Band zwischen der Kurstadt und dem Lyriker, der hier einige Jahre verbrachte, wieder enger geworden – auch wenn bereits 1883 das Hölderlin-Denkmal im Kurpark enthüllt wurde. Von 1796 an war Friedrich Hölderlin im Haus des Frankfurter Bankiers Jakob Gontard als Hauslehrer angestellt und verliebte sich in dessen Ehefrau Susette, die im zweiten Teil seines Romans „Hyperion“ als Diotima verewigt wurde.

Als der Bankier von dieser heimlichen Beziehung erfuhr, musste Hölderlin das Haus Gontard verlassen und suchte in Homburg Zuflucht bei seinem Studienfreund Isaac von Sinclair, der zu diesem Zeitpunkt in Diensten des Homburger Landgrafen tätig war.

Von September 1798 bis Anfang Juni 1800 lebte Hölderlin in der Dorotheenstraße 34 – in diesem Zeitraum spielt das Theaterstück „Hölderlin und Diotima. Ein Schauspiel über die Liebe eines Dichters in Homburg“, das Regisseur Thomas Staller und das fünf Personen umfassende Ensemble der „Academy of Stage Arts“ aus Oberursel auf der Bühne der Englischen Kirche aufführten.

„Mein Ziel war, einen anderen Hölderlin zu zeigen. Bei Schriftsteller Peter Weiss kam mir Hölderlin eindeutig zu schlecht weg“, so Staller, der nicht nur für das Buch, sondern auch für das Bühnenbild zuständig war und das Stück seiner Lebensgefährtin gewidmet hat. 15 Proben benötigte das Ensemble, um das Schauspiel einzustudieren. „Das ist eine relativ kurze Probenzeit“, verriet Thomas Staller unmittelbar vor Beginn der Inszenierung.

In der Rolle von Friedrich Hölderlin überzeugte Jan Westphal, der den großen Schmerz und die nicht enden wollende Verzweiflung des Dichters bravourös darstellte. Wie in Träumen – hierfür wurde das Licht auf der Bühne abgedunkelt, blaue und rote Scheinwerfer erstrahlten – begegneten sich Hölderlin und seine große Liebe Susette Gontard (gespielt von Rebecca Glockner). In der Realität blieb dem Paar ein gemeinsames Leben verwehrt.

Außer Isaac von Sinclair (Jascha Schütz) tauchte mit Ludwig Neuffer (Fabian Brucker) noch ein weiterer Studienfreund des Lyrikers auf – wie er sollte Hölderlin nach dem Wunsch seiner Mutter ursprünglich Pfarrer werden. Die drei Freunde, die zunächst von den Ideen der Französischen Revolution begeistert sind, haben mittlerweile „den Rausch von der Revolution ausgeschlafen“, wie es im Stück heißt. Sozusagen als Gegenstück erscheint daher die Frauenrechtlerin und Revolutionärin Olympe de Gouges (Dorothea Rinck), deren kämpferisches Engagement eine Herausforderung für den ausweichenden Hölderlin ist.

Der Applaus war groß, nachdem sich der Vorhang geschlossen hatte – obwohl einige der Sitzplätze im Publikum leer geblieben waren. Ob das an der Aufführung am Sonntagabend lag oder daran, dass um 20.15 Uhr der allseits beliebte Tatort viele Zuschauer vor den Fernseher lockt? „Selbst die bekannte Theaterregisseurin Karin Beier hat bei der Premiere ihrer Inszenierung der Nibelungenfestspiele Worms den Tatort parallel auf einem Fernseher verfolgt“, erklärte Regisseur Thomas Staller. Doch seine Sache sei das nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare