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Daniel Kehlmann

Auszeichung

Hölderlin-Preis für Daniel Kehlmann

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Ein Schriftsteller mit hohem Renommee und großem Bekanntheitsgrad ist der Hölderlin-Preisträger 2018: Daniel Kehlmann. Der 43-Jährige erhält die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung am 10. Juni in der Schlosskirche. Der Förderpreis geht an die Autorin Alina Herbing (34) aus Berlin.

Generationen von Schülern haben die Gaußsche Kurve kennengelernt, als die Wahrscheinlichkeitsrechnung auf dem Lehrplan stand; und Alexander von Humboldt ist aus einem Unterricht, der Neugierde auf die Vielfalt dieser Welt wecken will, ohnehin nicht wegzudenken. Wirklich nähergekommen sind viele Wissbegierige den beiden berühmten Wissenschaftlern aber nicht im Unterricht – das hat Daniel Kehlmann übernommen. Sein Roman „Die Vermessung der Welt“, in dem er den Mathematiker Carl Friedrich Gauß mit dem Naturforscher Humboldt munter korrespondieren lässt, ist bis heute das erfolgreichste Buch des Schriftstellers. Der Bestseller wurde in 40 Sprachen übersetzt, millionenfach verkauft und gilt als einer der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur.

Das Werk Kehlmanns ist damit aber nur ansatzweise erzählt. Es umfasst zahlreiche weitere Romane, Essays, Dramen und Übersetzungen. Das umfassende Oeuvre hat auch die Jury des Hölderlinpreises begeistert, die den bekannten Autoren nun zum Preisträger des Jahres 2018 kürte. „Seine Texte verfolgen eine komplexe literarische Poetik und haben dennoch Qualitäten, die von einem großen Publikum geschätzt werden“, heißt es in der Begründung.

Zuletzt hatte Kehlmann mit seinem Roman „Tyll“ für Aufmerksamkeit bei Publikum und Literaturkritikern gesorgt. Darin wird der Gaukler Eulenspiegel zum Zeitzeugen des Dreißigjährigen Krieges. Die Jury des Hölderlinpreises würdigt den „abgründig komischen Künstlerroman“ als ein „sprachmächtiges, ernstes und leichtfüßiges Meisterwerk, das der Historie neue bis in die Gegenwart weisende Erkenntnisse abliest“.

Daniel Kehlmann, der in München zur Welt kam, in Wien aufwuchs und heute in New York und Berlin lebt, ist aber nicht nur als Schriftsteller gefragt. Er war Gastdozent für Poetik an den Universitäten in Mainz, Göttingen, Tübingen und Köln und hat in Frankfurt 2014 die Poetikvorlesungen gehalten. Zurzeit unterrichtet er an der New York University Deutsche Literaturgeschichte. Außerdem ist er Fellow am Cullman Center for Writers and Scholars der New York Public Library.

Traditionell wird außer dem Friedrich-Hölderlin-Preis auch ein Förderpreis verliehen, der in diesem Jahr an eine junge Schriftstellerin aus Berlin geht. Die mit 7500 Euro dotierte Auszeichnung erhält Alina Herbing, deren Debütroman „Niemand ist bei den Kälbern“ im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. In dem Buch geht es um eine Frau, die auf dem Lande lebt und von einem Leben voller Abwechslung und Glamour träumt. „Alina Herbing erzählt mit kraftvoller Stimme und in eindringlichen Bildern von den Sehnsüchten und der Einsamkeit einer jungen Frau, für die die Lebensentwürfe ihrer Altersgenossinnen in der Großstadt unerreichbar sind“, lobt die Jury die 34-Jährige.

Alina Herbing wurde in Lübeck geboren, ist in Schlagsülsdorf, einem Dorf mit 30 Einwohnern in Mecklenburg-Vorpommern, aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Sie hat Geschichte und Germanistik an der Universität Greifswald studiert sowie Literarisches Schreiben in Hildesheim. „Ihren Lebensunterhalt hat sie vor der Veröffentlichung ihres ersten Romans unter anderem mit Deutschunterricht für Flüchtlinge bestritten“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt zur Preisverleihung.

Der Hölderlin-Preis ist eine bundesweit beachtete Literaturauszeichnung, die es bereits seit 1983 gibt. In der langen Liste der Preisträger finden sich so berühmte Namen wie Sarah Kirsch, Peter Härtling, Wolf Biermann, Ernst Jandl, Martin Walser, Marcel Reich-Ranicki, Dieter Wellershoff, Monika Maron, Johannes Kühn, Durs Grünbein und Georg Kreisler. Im vergangenen Jahr hatte Eva Menasse den Hölderlin-Preis erhalten, die nun die Laudation auf Daniel Kehlmann halten wird.

Der offizielle Festakt findet traditionell Anfang Juni rund um den Todestag von Friedrich Hölderlin (7. Juni 1843) statt. In diesem Jahr werden die Preise am Sonntag, 10. Juni, überreicht. Die Veranstaltung beginnt um 11 Uhr in der Schlosskirche und ist für Besucher offen. Die Eintrittskarten kosten zwischen 5 und 12 Euro und sind bei Tourist Info + Service im Bad Homburger Kurhaus, Telefon (0 61 72) 1 78-37 10, und bei Palm-Tickets in den Louisen-Arkaden, Telefon (0 61 72) 92 17 36, erhältlich.

(mak)

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