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1,5 Meter Abstand sollten Autofahrer beim Überholen von Radfahrern einhalten. Der ADFC machte das plastisch mit Pool-Nudeln auf der Schleußnerstraße deutlich. 

Drei Millionen Euro sollen in den Haushalt

Noch nicht genug: Fahrrad-Lobby stellt Forderungen an Verwaltung und Politik

Die Stadt Bad Homburg rühmt sich, derzeit viel für Fahrradfahrer zu machen. Dem ADFC geht das nicht weit genug. Er hat Politik und Verwaltung nun einen vierseitigen Forderungskatalog übermittelt.

Bad Homburg - Radfahrer haben derzeit Oberwasser. Auf lokaler Ebene hat das Thema Dank des Stadtentwicklungskonzepts Priorität, die globale Diskussion um Klimawandel & Co. gibt ihm zusätzlichen Auftrieb. Der ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf hat nun einen Forderungskatalog aufgestellt und der Politik und Verwaltung übermittelt. Drei Millionen Euro wollen die Interessensvertreter in den städtischen Doppelhaushalt eingestellt sehen - mit dem Hinweis, dass gute Verkehrsanlagen vom Land mit bis zu 70 Prozent gefördert werden, die drei Millionen Euro also eher eine Vorfinanzierung seien. Das Rechenspiel zugrunde gelegt, blieben an der Stadt jedoch 900 000 Euro Investitionskosten hängen.

Auch sieht der ADFC personellen Mehrbedarf im Rathaus. Außer einer Vollzeitstelle im Büro der Radverkehrsbeauftragen solle eine zusätzliche Stelle in der Straßenverkehrsbehörde und eine in der Straßenbaubehörde geschaffen werden. Zwei neue Stellen sind in den Augen der Radfahr-Lobbyisten im Fachbereich Stadt- und Verkehrsplanung nötig.

Bad Homburg: ADFC stellt Forderungen an Stadt - "Konzept reicht nicht aus"

Mit dem Geld sollen sechs Kernforderungen erfüllt werden, die das Radfahren sicherer und attraktiver machen sollen. "Das Radverkehrskonzept ist sicher ein lobenswerter Anfang, reicht für eine fahrradfreundliche Stadt jedoch bei weitem nicht aus", heißt es zur Begründung in dem Forderungskatalog. Unter dem Motto "Den Straßenraum fair aufteilen" steht dabei die Schaffung von neuen Radwegen an erster Stelle. "Die Stadt wird kontinuierlich an allen Straßen in ihrer Baulast mit einer Regelgeschwindigkeit von mehr als 30 Kilometer pro Stunde neue Radverkehrsanlagen schaffen, beziehungsweise alte umbauen - und zwar mindestens zwei Kilometer pro Jahr", heißt es in dem Forderungskatalog. Dazu sollen bei Bedarf auch Fahrspuren für den Kraftverkehr wegfallen oder Einbahnstraßen eingerichtet werden. Radwege sollen mindestens 2,3 Meter breit sein.

Nebenstraßen sollen - vor allem in der Nähe von Kitas und Schulen fahrradfreundlicher werden, indem sie als Fahrradstraßen ohne Kfz-Durchgangsverkehr ausgestaltet oder mit Aufpflasterung von Einmündungen umgestaltet werden. "Gerade für Schüler führt die Schaffung von Sackgassen oder die Sperrung von Straßen für den Durchgangsverkehr zu einer deutlichen Erhöhung der Sicherheit", sagt Nadja Vomhof, Mitglied in der Arbeitsgruppe Radinfrastruktur des ADFC. Damit verbunden ist die Forderung, durchgehende innerstädtische Fahrradtrassen, unter anderem von den Stadtteilen in die Innenstadt und zum Bahnhof, aber auch mit Anschluss an umgebende Kommunen und an die geplanten Radschnellwege, zu schaffen.

Bad Homburg: Radfahrer fordern mehr Abstellplätze und Kampagne

"Unsere Forderungen sind nicht gegen den Autoverkehr gerichtet", stellt Thorsten Fogelberg vom ADFC klar, "aber wir müssen den vorhandenen Straßenraum fair zwischen allen Verkehrsteilnehmern aufteilen. Die Verkehrspolitik der letzten 70 Jahre hat einseitig das Auto bevorzugt, das muss jetzt korrigiert werden."

Auch mindestens eine Kreuzung soll pro Jahr nach niederländischem Vorbild umgebaut werden. Dadurch soll das Abbiegen des Kraftverkehrs im rechten Winkel erreicht werden.

Pro Jahr sollen 100 zusätzliche Fahrrad-Abstellplätze geschaffen werden - außer Fahrradbügeln sollen auch überdachte Abstellanlagen, Doppelstockparker, Fahrradboxen an ÖPNV-Haltestellen und Fahrradgaragen in Wohnquartieren gebaut werden.

Zu guter Letzt soll es eine Kampagne für eine fahrradfreundliche Stadt geben und einen regelmäßigen "Runder Tisch Radverkehr", an dem außer Stadt und ADFC auch Institutionen, Schulen und - je nach Themenlage - auch Sportvereine, Polizei und weitere Interessensgruppen sitzen.

Mit den Forderungen will der ADFC nach eigenen Angaben dazu beitragen, das Ziel zu erreichen, "den Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen signifikant zu steigern." "Wir haben uns bei unserer Arbeit sehr stark an dem orientiert, was Darmstadt und Frankfurt mit den Initiatoren der Radentscheide vereinbart haben.", sagt Ralf Gandenberger, Sprecher des Arbeitskreises Radverkehr. Die Forderungen des ADFC können auf www.adfc-bad-homburg.de abgerufen werden.

Radfahrer machen im Taunus mit Pool-Nudeln auf sich Aufmerksam

Getreu der aktuellen Initiative des ADFC fordern auch im Taunus Radfahrer "mehr Platz fürs Rad". Dafür fuhren sie jüngst mit Pool-Nudeln, die eigentlich im Schwimmbad zum Einsatz kommen, auf den Gepäckträgern in der Frölingstraße sowie Thomas- und Schleußnerstraße. "Das Gebiet ,Rund um das Vickers-Areal' wird gerade neu geplant und der ADFC will deutlich machen, welchen Platz Radfahrer tatsächlich benötigen", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung. 

"Man sieht deutlich, dass mit der vorhandenen und auch der geplanten Radverkehrsinfrastruktur der künftig auch in der Straßenverkehrsordnung geforderte Sicherheitsabstand beim Überholen von mindestens 1,5 Metern kaum einhalten werden kann", sagt Nadja Vomhof vom ADFC. Für den erfolgreichen Umstieg auf das Rad sei das subjektiv gute Gefühl beim Radeln entscheidend. 

Dicht überholende Kraftfahrzeuge seien da kontraproduktiv. "Gerade wenn Radfahrstreifen oder Schutzstreifen vorhanden seien, überholen fast alle Autofahrer zu knapp, weiß Thorsten Fogelberg aus eigener Erfahrung. Denn dort suggeriere die Markierung, dass der Autofahrer an dieser entlang fahren dürfe. Daher fordert der ADFC Radverkehrsanlagen mit einer Breite von mindestens 2,3 Meter, die vom motorisierten Verkehr möglichst abgetrennt sind. Diese erlaubten auch das Überholen der Radfahrer untereinander und das bequeme Fahren mit Lastenrädern und Fahrradanhängern. Mehr zur Aktion "#MehrPlatzFürsRad" gibt's im Internet unter https://www.mehrplatzfürsrad.de. 

red

Kommentar: "Verkehrsteilnehmern dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden"

Harald Konopatzki

Es ist richtig und wichtig, dass der ADFC die günstige Gelegenheit nutzt, um offensiv auf die Situation der Radfahrer aufmerksam zu machen und auf weitreichende Verbesserungen zu drängen. Zu vieles in der kurstädtischen Verkehrsplanung ist Flickschusterei. Jedoch gibt es auch die andere Seite der Medaille. Während die Radfahrer vom Kraftverkehr zu Recht die Einhaltung der Regeln fordern, scheinen für manche Radler Beschilderungen eher Empfehlungen denn verbindliche Vorgaben zu sein.

Insofern wäre es ein interessantes Experiment, wenn eine Zeitlang alle Radfahrer mit Pool-Nudeln durch die Gegend führen. Für viele Kraftfahrer wäre es lehrreich, auf diese Weise den (Mindest-)Abstand beim Überholen einzuüben. Doch die Vermutung liegt nahe, dass auch etliche Radfahrer feststellen würden, dass sie es mit dem Abstand zu Fußgängern oder Autos nicht ganz so genau nehmen, wenn sie die Überholenden sind.

Keine Frage: Die verschiedenen Gruppen von Verkehrsteilnehmern sollen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Doch wenn es für Radfahrer Verbesserungen gibt, dürfen die anderen Verkehrsteilnehmer erwarten, dass sich alle Radler etwas bewusster an die geltenden Regeln halten.

Bei allen planerischen Ansätzen: Echte gegenseitige Rücksichtnahme aller Teilnehmer im Straßenverkehr ist die entscheidende Grundvoraussetzung dafür, dass die Nutzung des gemeinsamen Verkehrsraums stressfrei funktioniert.

Von Harald Konopatzki

Er ist einer der größten Arbeitgeber im Taunus, nun meldet Thomas Cook Insolvenz an. Ebenso betroffen ist die Tochterfirma Condor. Kunden stehen vor massiven Problemen. 

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