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Beeindruckende Kühlerhauben und eine edle Innenausstattung sind bei den rund 20 Wagen der britischen Edelmarke Alvis in der "Central Garage" zu bestaunen. Baujahre der gezeigten Wagen sind zwischen 1928 und 1967.

Automobile Raritäten

Bad Homburg: Britisches Oberklassenflair im Automuseum

Die "Central Garage" in Bad Homburg hat wieder offen und zeigt eine neue Alvis-Schau. Zu sehen sind Modelle, die einzigartig sind.

Im Frühling besteht für Oldtimer-Freunde gleich doppelt Grund zur Freude. Einerseits können die schnieken Geschosse bei den wärmeren Temperaturen endlich wieder standesgemäß ausgeführt werden. Andererseits eröffnet das Automobilmuseum "Central Garage" für gewöhnlich mit einer neuen Ausstellung und bietet die Möglichkeit, einen exklusiven Blick auf Sternstunden der Automobilgeschichte zu werfen.

In diesem Jahr mussten Autofreunde sich allerdings etwas gedulden. Die für den 14. März geplante Eröffnung der neuen "Alvis"-Schau fiel wegen Corona ins Wasser. "Wir waren gerade mit dem Aufbau fertig, da kam der Shutdown", erinnert sich Museumschef Dieter Dressel. Zumindest konnte man seit Mitte April die historischen englischen Oberklassen-Fahrzeuge per 3-D-Rundgang im Netz bestaunen.

Eine Reise in die englische Upperclass

Mit knapp zweimonatiger Verspätung kann die "Central Garage" ihre Besucher seit Mittwoch auch in der Realität begrüßen. Punkt 12 Uhr öffnete Museumsmitarbeiter Wolfgang Spiller die Tore und verwies erst einmal auf die neuen Hygieneregeln. Ohne Maske kein Einlass, Abstand halten, nicht mehr als zehn Personen gleichzeitig im Museum, keine Führungen, Hände desinfizieren - im Museum will man nichts dem Zufall überlassen. "Die Gesundheit steht an erster Stelle", sagt Spiller. "Wir schauen jetzt mal, wie es läuft und ob das praktikabel ist. Unter der Woche ist meist nicht viel los, aber am Wochenende kann es passieren, dass die Leute warten müssen, bevor sie ins Museum können."

Das Warten lohnt sich allemal. Schließlich ist Alvis eine absolute Traditionsmarke. 1919 als "T. G. John and Co. Ltd." in Coventry gegründet, produzierte das Unternehmen seit 1921 unter dem Namen "Alvis Car and Engineering Company Ltd.". Bis 1967 entstanden in den Fertigungshallen, die während des Krieges von den Bombenangriffen der Deutschen Luftwaffe zerstört wurden, vor allem Automobile der Oberklasse, aber auch Rennwagen, Flugzeugmotoren und sogar Panzerwagen.

Beginnend mit dem ersten Modell "10/30", einem Vierzylinder mit Alukolben, sollte Alvis jahrzehntelang für Qualitätsware und herausragende Leistungsfähigkeit stehen. Zwei Jahre nach der Verschmelzung mit Rover endete die Automobilproduktion von Alvis. Der neue Eigentümer, die British Motor Corporation (BMC), hatte mit Jaguar und Daimler schon zwei Oberklasseautohersteller im Portfolio und beschloss die sofortige Einstellung der Produktion.

Das Team um Ausstellungsleiter Manfred Fleischmann hat ganze Arbeit geleistet. Auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentieren sie rund 20 Autos der Baujahre 1928 bis 1967. Bombastische Kühlerhauben, Riesenleuchten, glänzende Felgen, edle Innenausstattung - die Exponate nehmen einen mit auf eine Reise in die englische Upperclass des vergangenen Jahrhunderts.

Saisonauftakt ersatzlos gestrichen

Dazwischen stehen Getriebe, Schaukästen mit Konstruktionsplänen und Modellen, eine Litfaßsäule wird von diversen Alvis-Werbeplakaten geziert. Begleitet wird das Anschauungsmaterial von Informationen in Hülle und Fülle. Stellwände beleuchten Gründer, bedeutende Ingenieure, Tüftler und andere wichtige Personen der Alvis-Geschichte. Chronologisch informieren Wandtafeln über die faszinierende Historie des ehemaligen britischen Automobilherstellers.

Onno Onneken ist jedenfalls begeistert. "Man merkt, dass viel Herzblut drinsteckt", sagt der Homburger. "Ich bin Stammgast und komme zu jeder Ausstellung", erklärt der Oldtimer-Fan. Er findet: "Schön, dass es nun weitergeht. Das freut mich für alle hier. Die Familie, den Verein und die Mitarbeiter."

Wer selbst mal vorbeischauen will: Die Ausstellung ist bis Februar im nächsten Jahr von Mittwoch bis Sonntag zwischen 12 und 16.30 Uhr geöffnet (geschlossen an Feiertagen). Der Eintritt ist unentgeltlich. Nähere Informationen unter www.central-garage.de.

Übrigens: Die Saisoneröffnung der "Central Garage", an der zahlreiche Oldtimer-Fans mit ihren Wagen vorfahren, wird nicht nachgeholt. Sie ist "ersatzlos" gestrichen. Der Saisonabschluss im Herbst steht ebenfalls in den Sternen. Dressel geht davon aus, dass auch diese Veranstaltung leider nicht wird stattfinden können. "Das Risiko ist zu groß."

VON florian neuroth

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