Dr. Inken Formann (links), Leiterin des Fachbereichs Gärten bei der Schlösserverwaltung, und Katharina Saul, die das Garten-Thema für die Sonderausstellung ausgearbeitet hat, zeigen den großen Teppich. Darauf ist die Landgräfliche Gartenlandschaft als Miniatur dargestellt.
+
Dr. Inken Formann (links), Leiterin des Fachbereichs Gärten bei der Schlösserverwaltung, und Katharina Saul, die das Garten-Thema für die Sonderausstellung ausgearbeitet hat, zeigen den großen Teppich. Darauf ist die Landgräfliche Gartenlandschaft als Miniatur dargestellt.

Neue Ausstellung im Schloss

Bad Homburg: "Eliza" prägte das Bild der Residenz

  • vonWolfgang Rüdell
    schließen

Eine neue Ausstellung im Landgrafenschloss zeigt Leben und Wirken der Landgräfin Elisabeth, die Ideen und Geld nach Homburg mitbrachte.

Das Geburtstagsgeschenk kommt spät, dafür aber üppig. Eigentlich hätte die Ausstellung über Landgräfin Elisabeth (1770-1840) schon zu ihrem 250. Geburtstag am 22. Mai eröffnet werden sollen. Wegen Corona musste das Vorhaben verschoben werden. Jetzt öffnet die Ausstellung "Princess Eliza - Englische Impulse für Hessen-Homburg" endlich ihre Pforten.

Das Warten hat sich mehr als gelohnt. Die dank zahlreicher Leihgeber üppig ausgestattete Ausstellung lässt das Bild einer Landgräfin lebendig werden, die nicht einfach die Frau an der Seite von Landgraf Friedrich VI. Ludwig war. Als "vielseitig talentierte, künstlerisch aktive, sozial engagierte und stadtplanerisch tätige" Landgräfin würdigte Kirsten Worms, die Direktorin der Hessischen Schlösser und Gärten (SG), bei der Ausstellungspräsentation die Tochter des aus dem Hause Hannover stammenden britischen Königs Georg III. (1738-1820) und seiner Frau Sophie Charlotte zu Mecklenburg-Strelitz (1738-1820).

Den "britisch-deutschen Kulturtransfers" hob Kuratorin Dr. Katharina Bechler, Leiterin des SG-Fachgebiets Museen hervor. Präsentation der Ausstellung. Dieser geschah nicht nur, indem Eliza, wie sie liebevoll genannt wurde, aus England gestalterische Ideen für Landschaftsparks und moderne Möbel mitbrachte, sondern auch finanzielle Mittel, die die Untertanen im britischen Weltreich erwirtschafteten. Damit konnte sie nicht nur für sich und ihren Mann eine üppige Hofhaltung finanzieren, sondern bei der Stadtgestaltung auch entscheidend dazu beitragen, dass sich Homburg von der provinziellen Residenzstadt zum Kurbad von Weltruhm entwickelte.

Bei der Ausstellung geht es aber nicht nur darum, anhand von authentischen Exponaten die Person der wohl bedeutendsten Landgräfin von Hessen-Homburg lebendig werden zu lassen. Die Schlösserverwaltung konnte sich auf ertragreiche regionale, nationale und internationale Kooperationen stützen, insbesondere mit britischen Institutionen wie dem National Trust und der Royal Collection, hob Kirsten Worms hervor. In Großbritannien konnten intensive Recherchen in britischen Archiven angestellt und das Bild der Landgräfin, die vor ihrer Heirat mit dem Hessen-Homburger Landgrafen 1818 schon 48 Lebensjahre im Hof in London gelebt hatte, wo sie sich künstlerisch betätigte und mit Fragen von Architektur und Gartengestaltung beschäftigte.

Ihre architektonischen Ideen nahmen in Homburg Gestalt an im Gotischen Haus. Für ihre gartengestalterischen Ideen stand sie in Verbindung mit dem englischen Botaniker Joseph Banks (1742-1820), der James Cook bei seiner ersten Weltumseglung (1768-1771) begleitete und zahlreiche exotische Pflanzen für die königlichen Gärten Kew Gardens mitbrachte. Von dort ließ Elisabeth 1820 und 1821 auch Tausend Pflanzen nach Homburg kommen, die nach ihren Ideen im Schlosspark Verwendung fanden.

Jetzt sind getrocknete Präparate solcher Pflanzen in der Ausstellung zu sehen. Als auffälligste botanische Erinnerung an das Wirken der Landgräfin kann heute die 200 Jahre alte Libanonzeder am Schlosseingang von der Dorotheenstraße her bewundert werden.

Es war übrigens auch Joseph Banks, der Elizas Mutter ein besonderes Geschenk machte, indem er der aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz die Benennung einer aus dem südlichen Afrika stammenden Blume den Namen widmete: Strelitzie (Strelitzia Reginae).

Den Erkenntnisgewinn der neuen Forschungen über Landgräfin Eliza brachte Bechler auf den Punkt: "Wir wissen jetzt, in welch umfassender Weise die Landgräfin, die ein großes Vermögen einbrachte, sich nützlich zu machen wünschte, wie umtriebig sie war und wie sehr sich ihre botanischen Erkenntnisse die Gartengestaltung vor Ort befruchteten."

VON Wolfgang Rüdell

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare