Hier geht für Busse und Autos nichts mehr: Die Kreuzung Promenade/Schwedenpfad ist wegen Bauarbeiten bis 8. August voll gesperrt. Nur Fußgänger kommen da jetzt noch durch.
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Hier geht für Busse und Autos nichts mehr: Die Kreuzung Promenade/Schwedenpfad ist wegen Bauarbeiten bis 8. August voll gesperrt. Nur Fußgänger kommen da jetzt noch durch.

Großbaustelle in der Innenstadt

Bad Homburg: Endstation Schwedenpfad

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Die Kreuzung Schwedenpfad/Kaiser-Friedrich-Promenade ist seit gestern voll gesperrt. Wegen der Baustelle müssen Busse und Autos andere Routen fahren - und auch ein Gastwirt leidet unter den Arbeiten.

Bad Homburg - Der rote Gelenkbus steckt in der Falle. Der Fahrer wollte offenbar, wie sonst auch, von der Kaiser-Friedrich-Promenade nach rechts in den Schwedenpfad einbiegen, um zum Kurhaus zu gelangen. Aber an der Straßensperre kommen jetzt nur noch Fußgänger vorbei. Der Bus muss nun mindestens bis zum Finanzamt rückwärts rollen, denn die Durchfahrt am Schwedenpfad ist seit gestern früh wegen Straßenbauarbeiten komplett gesperrt. Zwei Wochen soll das dauern.

Auf der Fahrbahn vor dem frisch geteerten Bürgersteig am Kurpark-Rand klafft schon ein tiefes nahezu quadratisches Loch. Darin stehen zwei Arbeiter und schaufeln. „Hier ist der Knotenpunkt einer Hochdruck-Gasleitung“, erklärt Vorarbeiter und Baumaschinenführer David Coscia von der Firma Schuchmann-Rohrleitungsbau. „Die beiden Gasschieber werden erneuert“, fügt er hinzu und deutet auf zwei freigelegte metallene Zapfen, deren Spitzen in kräftigem Pink markiert sind. Der Werkstudent und angehende Bauingenieur Toni Parente ergänzt: „Bei einem Leck wird hier das Gas abgedreht.“

Aufgerissene Bürgersteige und neue Ampeln

Auf dem Busparkplatz neben dem Kurpark weiter unten im Schwedenpfad fliegen unterdessen die Funken. Arbeiter schweißen an einem Rohr. Direkt davor ist wieder ein Loch in der Fahrbahn, diesmal ein rechteckiges. In der Tiefe verläuft eine dicke graue Leitung. „Das ist die Gasleitung“, sagt einer der Männer und wendet sich ab. Die Pkw-Parkplätze nebenan sind mit Paletten belegt, auf denen dicke graue Pflastersteine und Bordsteine aus Beton warten.

Auch kurz vor Kreuzung der Promenade mit der Ludwigstraße ist die Fahrbahn aufgegraben - rund zwei Meter tief. „Hier wird ein Senkkasten für das Regenwasser erneuert“, berichtet ein Mitarbeiter des städtischen Betriebshofs. Das Wasser könne entweder in den nächsten Bach oder in den Abwasserkanal geleitet werden.

Vor dem italienischen Restaurant „Villa Fantastica“ hackt inzwischen ein Mann den Bürgersteig auf. Neben ihm schaufelt ein orangefarbener Bagger gelöste Pflastersteine auf die Ladefläche eines Lkw. „Wir erneuern die Ampelanlage und bauen die Bürgersteige im Kreuzungsbereich barrierefrei aus“, sagt Vorarbeiter Alper Eser von der Straßen- und Tiefbau-Firma W. Schütz aus Weilburg. Wie ein Bündel schwarzer Schlangen sehen die Stromleitungen aus, die aus dem geöffneten kleinen Versorgungs-Schacht im Bürgersteig herausschauen. „Heute ist Demontage“, sagt ein Arbeiter von der Firma AVT/Stoye aus Hanau, der gerade versucht, die Leitungs-Schlangen zu bändigen. „Zum Schluss, wenn alles fertig ist, montieren wir die Masten und die neue Ampel geht in Betrieb.“

Mit möglichst viel Rücksichtnahme

Das soll aber noch bis 8. August dauern. Giuseppe Schiliro, Chef des italienischen Restaurants „Villa Fantastica“ ist darüber sehr unglücklich. „Zuerst durften wir, Pandemie-bedingt, wochenlang keine Gäste mehr bewirten. Und jetzt, wo das Wetter schön ist, habe ich eine Baustelle direkt vor meiner Terrasse“, klagt er. Viele Kunden machten auf dem Absatz kehrt, weil sie keine Lust hätten, im Baulärm zu Mittag zu essen. In der Tat sitzen um kurz nach 12 Uhr nur fünf Personen auf der um die Uhrzeit sonst gut besuchten Terrasse. Ins Restaurant-Innere wollten die meisten aus Angst vor dem Covid-19-Virus nicht, weiß Schiliro.

„Ende Juni habe ich sechs Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückgeholt, Mitte Juli kam dann das Schreiben der Stadt, dass die Baustelle eingerichtet werden muss.“ Insgesamt habe er zehn Mitarbeiter, mit denen zusammen er jetzt möglichst viele Gäste bewirten wollte. „Durch die Baustelle habe ich jetzt bei den Einnahmen Einbußen in Höhe von fast 70 Prozent. Das geht an die Substanz.“ Er habe bei der Stadt dringend darum gebeten, dass wenigstens laute, staubende Arbeiten auf die Zeiten vor 12 und nach 14.30 Uhr verlegt würden.

Keine Hoffnung auf einen Shuttlebus in Bad Homburg

Ein ganz anderes Problem mit der Baustelle hat eine ältere Dame, die zum Einkaufen in der Louisenstraße war. Weil am Kurhaus während der Straßensperrung keine Busse mehr vorfahren können, müsse sie nun bis zur Ersatzhaltestelle am Hessenring 97 laufen und das sei weit, beschwert sie sich. Ob nicht die Stadt wenigstens einen kleinen Shuttle-Bus vom Kurhaus zum Hessenring fahren lassen könne?

Auf die Themen angesprochen berichtete der Pressesprecher der Stadt, Andreas Möring: „Wir haben mit dem Gastwirt gesprochen und versuchen, so weit es geht, Rücksicht zu nehmen.“ Das Bauunternehmen werde versuchen, Arbeiten wie das Schneiden von Rohren und Bordsteinen vor oder nach der Mittagszeit zu erledigen. Immer sei das jedoch leider nicht möglich. Hinzu komme: „Das Steuergerät für die Ampel steht unglücklicherweise direkt neben dem Grundstück der Restaurant-Terrasse.“ Der aufgebrochene Gehsteig direkt vor dem Restaurant-Eingang (dort werde derzeit noch nach Rohren gesucht) werde aber sobald wie möglich abgedeckt.

Jetzt noch schnell einen Shuttle-Bus einzurichten, sei leider aus technischen Gründen nicht möglich, so Möring weiter. Eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung habe die Sache gleich geprüft. „Aber wir sagen danke für die Idee. Vielleicht lässt sie sich bei einer späteren Baustelle verwirklichen.“

Von Christiane Paiement-Gensrich

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