Ein 1,50 Meter langer Besenstil stellt sicher, dass sich die Tänzer nicht zu nahe kommen. Die beiden Tanzlehrer Natascha und Rüstem Karabey präsentieren auf diese Weise einen Cha-Cha-Cha.
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Ein 1,50 Meter langer Besenstil stellt sicher, dass sich die Tänzer nicht zu nahe kommen. Die beiden Tanzlehrer Natascha und Rüstem Karabey präsentieren auf diese Weise einen Cha-Cha-Cha.

Tanzen trotz Corona

In Bad Homburg erfunden: Cha-Cha-Cha mit Stock und Abstand

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Natascha und Rüstem Karabey zeigen, wie Paartanz in Corona-Zeiten geht

Bad Homburg -Der Corona-Cha-Cha-Cha ist der Hit auf Facebook: Über 215 000 Mal wurde das knapp eine Minute lange Filmchen innerhalb von zwölf Tagen geteilt. Was da zu sehen ist: Der Bad Homburger Tanzschul-Chef Rüstem Karabey (71) zeigt, zusammen mit seiner Tochter Natascha (39), wie Paartanz mit 1,50 Meter Corona-Sicherheitsabstand geht. Dabei führt er die Dame nicht mit der Hand, sondern mit Hilfe eines Besenstiels, der ihm als verlängerter Arm dient. Für die Weltmeisterin im Standardtanz ist es trotzdem ein Leichtes, die richtigen Cha-Cha-Cha-Figuren zu präsentieren.

Wie es zu der originellen Szene kam: "Um in den Kursen abschätzen zu können, wieviel 1,50 Meter ist, hat meine Frau mehrere Besenstiele auf diese Länge zuschneiden lassen", erzählt Rüstem Karabey. Am 13. Mai sei seine Tochter mit ihrem Lebensgefährten und Tanzpartner Domen Krapez vorbeigekommen, habe die Stöcke gesehen und gefragt, was sie zu bedeuten hätten. "Dann haben wir einen Cha-Cha-Cha aufgelegt und ausprobiert, wie man damit tanzen kann." Das wiederum fand Krapez so witzig, dass er Vater und Tochter gefilmt hat. Dann hat er die Sequenz auf Facebook geteilt, und jetzt informiert er seinen Schwiegervater in spe regelmäßig über die Zahl der Zuschauer. Auf Youtube ist das Filmchen auch zu sehen. "Tanzsportfreunde auf der ganzen Welt, vor allem aus Japan, amüsieren sich über den Corona-Cha-Cha-Cha und probieren ihn sogar aus", erzählt Karabey.

Respekt und Verantwortung

Die Regeln in seiner Tanzschule unterdessen sind, zum Schutz vor der Covid-19-Pandemie, streng. Seit dem 18. Mai ist die Einrichtung unter zahlreichen Auflagen wieder geöffnet. "Das gesamte Team hat an einem zertifizierten Hygieneseminar teilgenommen", berichtet Karabey. Und dass die Lüftungsanlage des Tanzschul-Gebäudes auf 100 Prozent Frischluft eingestellt sei. "Innerhalb einer Stunde wird die Luft im gesamten Komplex 16-fach ausgetauscht." Zudem könne man in den Tanzsälen die Fenster öffnen.

Nur der Unterricht für Erwachsene sowie Hip-Hop und Solo-Tanzkurse (wie der "Ladies Latin Club") dürfen derzeit stattfinden. Ohne Abstand zusammen zu tanzen ist lediglich Paaren erlaubt, die im selben Haushalt leben. Auch die Tanzlehrer dürfen, wegen der Distanzregeln, nicht miteinander tanzen - außer vielleicht mit dem 1,50-Meter-Abstandsstock. Vor Corona haben sie in den Kursen oft als Paar die Damen- und die Herrenschritte vorgeführt.

Wer jetzt zur Tanzschule kommt, der wird am Eingang von einem Angestellten empfangen. Er achtet darauf, dass jeder Besucher seine Hände desinfiziert und eine Maske trägt. Dann wird der Gast gebeten, Name und Adresse anzugeben - falls eine Infektionskette zurückverfolgt werden muss.

In allen Räumen, außer in den Tanzsälen, gilt Maskenpflicht. Der Umkleidebereich ist geschlossen. Straßenschuhe werden erst im Saal gegen Tanzschuhe gewechselt. Zudem wird darum gebeten, aus hygienischen Gründen weder kurze Röcke noch kurze Hosen zu tragen. Und die Gäste sollen frühestens fünf Minuten vor Kursbeginn eintreffen und die Tanzschule nach dem Unterricht zügig verlassen.

Was dem Tanzschul-Chef besonders wichtig ist: "Wir müssen ein Stück Normalität zurückgewinnen." Es gelte, eine Balance zu finden zwischen denen, die sehr ängstlich und denen, die allzu sorglos seien. Die Tanzschule könne da, mit einem gesunden Maß an Moderation, als Katalysator fungieren. "Die Sorglosen müssen verstehen, dass sie Rücksicht auf andere nehmen müssen. Den Ängstlichen muss ein Stück weit die Angst genommen werden, denn Angst ist kein guter Wegbereiter", betont Karabey. Und: "Ich möchte die Leute aufmuntern und ermutigen. Wir sind alle erwachsen genug, um eine gewisse Eigenverantwortlichkeit zu leben." Ein einander helfendes und respektvolles Miteinander gehörten dazu. Herzlichkeit und Mitmenschlichkeit stärkten auch das Immunsystem.

Er fährt fort: "Tanzschule heißt nicht nur, Schritte zu vermitteln, sondern auch Höflichkeit und Umgangsformen." Und: "Tanzen ist für mich Ausdruck von Lebensfreude." Aber: Wer sich krank fühle, der müsse leider zu Hause bleiben.

Lange Tradition

Seit dem 1. April 1980 besteht die Tanzschule Karabey in Bad Homburg. Damals übernahmen Rüstem Karabey und seine Frau Renate eine seit 1950 hier ansässige Tanzschule in der Ferdinandstraße. Vom 3. Oktober 1978 an hatten die beiden zunächst in Oberursel eine Tanzschule betrieben. Seit 1988 ist die Tanzschule Karabey im Bad Homburger Mühlweg 9 zu finden. Insgesamt 600 Erwachsene, Jugendliche und Kinder lernen normalerweise in 46 Kursen pro Woche Standard, Latein und weitere Tänze. Derzeit dürfen nur knapp die Hälfte der Tanzschüler kommen. In der Tanzschule sind insgesamt acht Angestellte beschäftigt.

Von Christiane Paiement-Gensrich

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