Irving Gin

Ein Gin aus Bad Homburg erobert die Welt

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Eben noch in „kurzen Hosen“ an der Destille gestanden und schon den selbstgebrannten Gin an die Schönen und Reichen Amerikas verkostet. Die drei Männer hinter Irving Gin haben einen Lauf.

Fünf Zentiliter Gin, 15 Zentiliter Tonic, Eiswürfel und (nicht ganz unumstritten) eine Limetten-Zeste – so mixt man den optimalen Gin Tonic. Doch welchen Gin schüttet man sich bestenfalls ins Glas? Zwischen Bad Homburg und den New Yorker Hamptons gibt es nicht wenige, die sagen: Es muss Irving Gin sein.

Vor gut einem Jahr haben sich drei junge Männer – darunter der Homburger Malermeister Max Henrichs – nicht weniger vorgenommen, als den besten Gin der Welt zu brennen. Es sollte so eine Art Hobby sein, ein eventuell lukrativer Zeitvertreib. Doch das hochprozentige Nebengewerbe hat von Anfang an überraschend schnell Fahrt aufgenommen. Die erste Marge, rund 500 Flaschen, war bereits am ersten Tag (!) ausverkauft. Vor allem Freunde und Bekannte waren ganz wild auf den neuen Trunk. „Der Erfolg hat uns überrascht“, gibt Henrichs zu, „eigentlich wollten wir unseren Gin ganz gemütlich abverkaufen.“

Aber so hatten die drei Brenner erstmal Lieferschwierigkeiten vom Feinsten am Hals, schließlich kann man nicht mal eben so die Destille anheizen und drauflos brennen. Zunächst mal müssen nämlich die Zutaten 48 Stunden eingelegt werden, und nach Fertigstellung muss das Produkt noch rund vier Wochen lagern. Und auch für das Abfüllen muss man einen Tag einberechnen. „Für eine Charge brauchen wir so um die fünf bis sechs Wochen“, erklärt Henrichs. Übrigens: Auch die zweite Runde, diesmal knapp 1000 Flaschen, ging weg wie die berühmten warmen Semmeln. Mittlerweile hat man sich bereits eine größere Produktionsstätte und größere Lagerräume gesucht. Zudem wurde die Fastenzeit, in der Nachfrage spürbar nachließ, genutzt, um sich einen Vorrat anzulegen.

Der Erfolg stellt die Gin-Produzenten vor ein „Problem“: Sie könnten sich mit ihrer Produktion komplett selbstständig machen, nur noch brennen. Da man aber zu dritt ist – neben Henrichs noch Philipp Eberwein de Bruijn (Kelkheim) und Tim Häntschel (Würzburg) – will man weiter den Spagat zwischen Beruf und Brennerei versuchen. Das hat seinen Preis: Hobbys gehören der Vergangenheit an, geschuftet wird vornehmlich am Abend. Vor allem die Wochenenden sind anstrengend, denn dann bereist man die Republik, um den Irving Gin unters Volk zu bringen. Es werden bundesweit Festivals, Firmenabende und Charity-Veranstaltungen besucht. Dort werden entweder das Gin-Fass oder die Bar aufgebaut, es wird gefachsimpelt und natürlich der gute Irving getrunken.

Mitunter sind die Reiseziele aber auch ein wenig weiter entfernt. Henrichs beispielsweise hat bereits einen Amerika-Abstecher absolviert. Ziel waren die Hamptons (siehe Box) und Kalifornien. Eine Woche besuchte der Kirdorfer Malermeister – seinen Gin im Gepäck – einschlägige Bars und Restaurants. Mit Erfolg: Auch wenn die Einfuhrbestimmungen „sehr kompliziert“ seien und man „krasse Auflagen“ zu erfüllen habe, geht Henrichs davon aus, dass spätestens Ende des Jahres auch die Schönen und Reichen in Amerika Gin aus Bad Homburg genießen werden. Außerdem wurden schon mehrere Paletten nach Kapstadt und Johannisburg verschickt.

Bei der Vermarktung hilft natürlich, dass man kürzlich beim renommierten IWSC Spirituosen Award in London in der Kategorie „Gin Tonic“ einen sensationellen dritten Platz eingeheimst hat. Bei dem Award werden die verschiedenen Gin-Sorten nicht nur blind verkostet, sondern auch chemisch und mikrobiologisch getestet. „Das ist eine Auszeichnung, mit der man sich schmücken kann“, sagt Henrichs nicht ohne Stolz. Das Prädikat kommt natürlich aufs Etikett.

Über den Onlineshop (www.irving-gin.de) kann man bereits Baseball-Caps mit Aufdruck bestellen, nicht mehr lange, dann wird das Devotionalien-Sortiment um Lampen aus leeren Gin-Flaschen erweitert. Und zu Weihnachten soll eine spezielle Geschenk-box konzipiert werden. Demnächst will man übrigens auch noch ein weiteres Produkt aus dem Alkoholbereich auf den Markt bringen. Auch wenn die Gin-Brenner keine Einzelheiten verraten, sei so viel gesagt: Das Produkt soll eine enge Bindung an die Bad Homburger Spirituosen-Tradition haben.

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