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Hier wurde man viele Jahre lang von Herren mit Weste auf Italienisch bedient, doch derzeit stehen die Räume leer: das ehemalige ?Fantastico? an der Ecke Audenstraße/Elisabethenstraße.

Gastronomie

Bad Homburg: Gastro-Szene ist mächtig in Bewegung

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Manche waren lange da, andere nur kurz: Rund um die Einkaufsmeile haben einige Lokale geschlossen, andere machen neu auf. Die Händlergemeinschaft sieht dies mit wohlwollendem Blick.

Abends zum Italiener? Klar, ins „Fantastico“, und danach noch auf einen Cocktail ins nahe „Peppers“. Aber diese Zeiten sind vorbei. Die Gastro-Szene in der Homburger Innenstadt ist derzeit in Bewegung wie lange nicht mehr. Ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Fantastico: Traurig wacht Michaelangelos David über das leere Lokal, Glaskisten stehen auf dem Boden, draußen die Stühle aufeinander. Nach vielen Jahren hat das italienische Restaurant an der Ecke Audenstraße/Elisabethenstraße geschlossen. Ein Teil der Mannschaft serviert schon seit einiger Zeit in der „Villa Fantastico“, Kaiser-Friedrich-Promenade/ Ecke Schwedenpfad.

Kaiserliche Küchenmeisterei: Nicht sehr lange wurde auf dem Schulberg ungarisch und böhmisch gekocht. In dem bereits 1680 als Gasthaus erwähnten Gebäude auf dem Schulberg 6, dem einstigen „Zum Einhorn“, gab es bis Anfang Juli Sauerkrautsuppe, böhmische Kartoffelklöße und Marillenknödel. Doch nun hängt bereits ein neues Namensschild am Lokal: „Atelier del Gusto“. Dahinter stecken ebenfalls Gastronomen aus dem früheren „Fantastico“ – darunter der aus Sardinien stammende Koch. „Derzeit räumen wir ein, und Anfang, Mitte nächster Woche machen wir schon auf“, berichtet Maria Miliziano. Das Besondere: Auf dem Schulberg werden sich sardische und sizilianische Küche verbinden. Auch Feiern sind möglich: „Wir haben schon einige Reservierungen für Hochzeiten und zum Schulanfang“, erzählt die Sizilianerin – direkt gegenüber befindet sich das Standesamt.

Kleiner Kolibri: Man muss es wissen. Dort, wo der Schulberg in die Louisenstraße übergeht, weist nur ein kleiner Aufsteller auf die Idylle im Hinterhof hin. Dort kann man auf bunten Stühlen zwischen Blumen veganen Milchkaffee trinken. Der „Kolibri“ ist wieder in Bad Homburg gelandet. Die Macher des Café „Apfelkern & Kolibri“, das erst im oberen Schwedenpfad und von 2015 bis Mai 2018 im ehemaligen Altstadt-Café ansässig war, haben dank der Homburger Märchenerzählerin Michaele Scherenberg im Hinterhof der Louisenstraße 3 ein neues, schnuckliges Domizil gefunden. Drinnen mutet das kleine Café an wie ein Wohnzimmer: Bücherregale, Kronleuchter, Teppich. Die „gute Stube“ hat allerdings nur dienstags bis samstags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Frühstück und Brunch gibt es demnach nicht mehr. „Mit den Öffnungszeiten kommen wir den Nachbarn entgegen“, erklärt Cafébetreiber Gian Pöschko.

Die früheren Räume des 2013 geschlossenen Altstadt-Cafés in der Mußbachstraße stehen nach wie vor leer; dem Vernehmen nach sollen dort Wohnungen entstehen.

Louise 26: Temma hieß der Bio-Supermarkt, der eine Zeitlang im früheren Rewe-Markt in der oberen Louisenstraße zu finden war. Den gibt es nicht mehr; in dem hohen Raum mit modernem Industrie-Charme werden jetzt trendige Haushaltsgegenstände und Schuhe verkauft. Vorne werden nach wie vor Kaffee ausgeschenkt und kleine Speisen serviert – auch draußen.

Peppers: Die Außengastromie auf dem Waisenhaus wurde in den vergangenen Jahren wesentlich durch die Bar mit mexikanischem Einschlag bestimmt. Jetzt ist das Lokal geschlossen, ein neuer Pächter wird gesucht.

Espressobar Ernesto: Auch im Schwedenpfad ist der letzte Espresso gekocht worden. Besitzerin Rita Marucci hatte das Café nach ihrem italienischen Vater benannt, zum Espresso servierte sie Kuchen und leichte selbstgekochte Speisen. Die Räume am Rande der Fußgängerzone stehen ebenfalls leer.

Schloss-Café: Vom Ambiente her sicherlich das schönste Café weit und breit ist der Kaffeeausschank im Foyer des Bad Homburger Landgrafenschlosses. Weder schließt es, noch ist es neu; aber es soll hier Erwähnung finden, weil es gerade sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hat. Es begann damit, dass Besitzerin Julia Gadenz-Vornholt, jetzt Frau des Chef-Schlossgärtners, Waffeln buk, wenn die Gärtner im Foyer Schlossgärtner wie seit eh und je Weihnachtsgestecke verkauften. Waffeln gibt es heute noch immer, aber auch selbst gemachte Kuchen, Brotzeiten und ein „Kaiserfrühstück“. Will man nicht unter der Büste des Landgrafen sitzen, kann man draußen wahlweise mit Blick auf den Weißen Turm oder den Obergarten sitzen, mit der Schlosswand im Rücken oder unter den ausladenen Zweigen der Zeder.

Es sind bewegte Zeiten in de Gastronomie, das sei aber kein Grund zur Sorge, findet Eberhard Schmidt-Gronenberg, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft. „Es ist immer schade, wenn die Lieblingskneipe zumacht“, sagt er. „Aber die Gastronomieszene der Kurstadt ist lebendig und sehr urban.“ Die Louisenstraße habe sich zum Besseren entwickelt. „Und Erneuerungen bieten immer auch Chancen.“

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