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Hier schlagen später die Champions auf, doch er hat den Rasen gesät: Gartenbaumeister Christian Engelmann auf dem künftigen "Centre Court" beim TC im Homburger Kurpark.

Warten auf das große Wimbledon-Event

Bad Homburg: Es grünt so grün beim Tennisclub

Die Rasenplätze für Wimbledon im Bad Homburger Kurpark haben ein Jahr Zwangspause - doch das tut ihnen gut

Bad Homburg -Die Voraussetzungen waren nicht die besten im Frühjahr, doch der Wimbledon-Rasen auf den Tennisplätzen im Kurpark sprießt. "Das Wetter war sehr schwierig", sagt Greenkeeper Christian Engelmann. Als seine Firma, die alle für das Wimbledon-Turnier benötigten Courts auf dem europäischen Kontinent baut, im Winter die drei Rasenplätze anlegte, sei es eine wahre Schlammschlacht gewesen. "Und jetzt brauchen wir Licht und Wärme."

Die Tatsache, dass das Spitzentennis-Turnier in diesem Jahr wegen Corona ausfällt und daher auch das Vorturnier in Bad Homburg nicht stattfindet, komme dem Rasen aber eher zugute, sagt der Gras-Profi. "Wimbledon schreibt vor, einen Platz erst einmal ein Jahr zu pflegen." Das wird nun in Bad Homburg möglich sein, bevor Angelique Kerber und weitere Spielerinnen von Weltrang vom 20. bis 26. Juni 2021 hier aufschlagen.

Pflegen, das heißt, alle drei Rasenplätze im Kurpark - der künftige Centre Court auf dem Gelände des Tennisclubs (TC) und die beiden weiteren Courts vor dem Kaiser-Wilhelms-Bad - werden alle zwei bis drei Tage von der Firma Engelmann gemäht. Dies wird, obwohl in diesem Jahr kein Turnier stattfindet, das ganze Jahr über getan. Das Gras soll stetig 10 Millimeter kurz sein. Hat es draufgeregnet, muss gewartet werden, bis er oben trocken ist.

Gras wird jeden zweiten Tag akribisch gemäht

Vor knapp zwei Wochen hat Engelmann die Grassamen in den Boden eingebracht. Es handelt sich um eine bestimmte Sorte, die immer für Wimbledon-Plätze genommen wird: Perennial Ryegrass oder deutsches Weidelgras. Zuvor war der Boden ausgekoffert und eine 15 Zentimeter dicke Drainage-Schicht aus Kies in genau festgelegter Körnung gelegt worden, durch die das Regenwasser in Rohre ablaufen kann. Anschließend kamen rund 40 Lastwagen-Ladungen Erde, in die der Samen eingebracht wurde.

Für die Kürze der Zeit, die die Gartenbauer hatten, ist das satte Grün ein kleines Wunder. Nicht nur, dass die jetzigen Standorte erst in letzter Minute feststanden; auch war zunächst unklar, ob überall Polyethylen-Folie ausgelegt werden musste oder nur im Wasserschutzgebiet vorm Kaiser-Wilhelms-Bad.

Die meisten heben ihre Tickets für 2021 auf

Doch nun sind die Gartenbauer auf der Zielgeraden. Wo es jetzt noch kahl ist, wird nachgesät und nachgemäht, so dass sich bald alle Lücken schließen sollten. Die großen, kreisrunden braunen Stellen wurden übrigens extra nicht besät; dort kommen die Netzpfosten hin.

Für die meisten Besucher, die schon Karten für das Turnier gekauft hatten, bevor Corona kam, scheint die Verschiebung der Premiere übrigens kein Problem zu sein: "90 Prozent der Ticketkäufer behalten ihre Karten", verkündet Ulrike Weinrich von der veranstaltenden Agentur. Dabei bleiben die Wochentage in der Turnierwoche bestehen. "Wer also jetzt eine Karte für einen Dienstag hat, kommt 2021 ebenfalls an einem Dienstag." Noch bis 15. Mai könnten die Tickets zurückgegeben werden.

Dass dies aber offenbar nur wenige möchten, sei für die Veranstalter "ein Riesen-Ansporn für nächstes Jahr", so Weinrich. Und für die Weltklasse-Spielerinnen sei Bad Homburg ein großes Thema: "Sie fragen danach." Weinrich hofft, dass trotz Corona-Absage vielleicht trotzdem bereits in diesem Jahr eine Art Schaukampf, vielleicht mit Profi-Spielerinnen, im Kurpark stattfinden kann.

Die rund 600 aktiven Spieler des Bad Homburger TC hoffen indessen, dass sie - wenn sie nun bald wieder zum Schläger greifen dürfen (siehe auch Text unten) - bald ihre Ersatzplätze bekommen. Über dem TC-Parkplatz soll eine Tragekonstruktion für zwei Ersatz-Sandplätze entstehen (im Winter mit Überdachung). TC-Vorsitzender Dr. Uwe Eyles wartet noch auf die Baugenehmigung. Zwei weitere Sandplätze bekommen die Spieler auf dem HTG-Gelände im Niederstedter Weg. Während des Turniers wird der TC mit seinen 32 Mannschaften, darunter eine auf Bundesliga-Niveau, nur vier Plätze nutzen können. "Wir müssen schauen, dass unsere Freizeitspieler zum Zug kommen", so Eyles. Sie sollen auch andere Anlagen nutzen dürfen.

von anke hillebrecht

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