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Stadt und Kur wollen unterbinden, dass Kunden, die in der Tiefgarage ihr Ticket bezahlen, von Bettlern aufs Wechselgeld angesprochen werden

Organisierte Banden

Am Ticketautomaten angebettelt – Neue Masche um an Geld zu kommen

In der Louisenstraße sitzen sie oft und halten die Hand auf. Meist gehören sie organisierten Banden an und bekommen von den „Einnahmen“ selbst kaum etwas zu sehen. Jetzt scheinen die Banden eine neue Masche zu haben: Sie stehen an Bushaltestellen an den Ticketautomaten oder auch in den Parkhäusern und spekulieren aufs Restgeld.

Bad Homburg - Montagmittag, gegen 12.30 Uhr, am Kurhausvorplatz: Die Menschen stehen oder sitzen auf den Bänken an der Bushaltestelle und warten auf den Bus. Ein junger Mann spricht eine Frau an, ob sie nicht ein bisschen Kleingeld hat. Sie verneint. Er schielt in Richtung Ticketautomat, wo gerade ein Mann ein Ticket zieht. Vielleicht überlässt der ihm ja sein Rückgeld?

Die Sache mit dem Rückgeld vom Ticketautomaten scheint eine neue Masche von Bettlern zu sein. Denn auch in den diversen Tiefgaragen der Stadt, beziehungsweise jener, die die Kur- und Kongreß-GmbH für sie betreibt, tummeln sich in jüngster Zeit hin und wieder Gestalten, die Menschen, die ihr Parkticket lösen möchten, darum anbetteln. Dieser Zeitung sind ein Fall aus der Rathaus- und einer aus der Kurhausgarage bekannt.

Zwar sollen sich die Bettler – es handelte sich jeweils um junge Männer – höflich verhalten haben, aber ein mulmiges Gefühl gibt es einem schon, wenn man sich vorstellt, dass man abends in einer Tiefgarage von einem Wildfremden angesprochen wird.

Die Kur ist auf Häufungen von aggressivem Betteln vorbereitet

Kurdirektor Holger Reuter erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass es sich bislang „definitiv nicht um ein großflächiges Problem handelt“, denn bislang sei der Kur, die die Parkhäuser bekanntlich für die Stadt betreibt, erst ein Vorfall bekannt, der sich in der Schlossgarage zugetragen habe. Allerdings: „Wenn es sich häufen sollte, sind wir vorbereitet.“ Die Sicherheitsleitstelle im Bahnhof überwache die Parkhäuser per Video, tagsüber patrouilliere außerdem ein privater Streifendienst. Denn: Landes- und Ordnungspolizei dürfen in den Parkhäusern nicht unterwegs sein, denn das Hausrecht liegt bei der Kur- und Kongreß-GmbH.

Die Polizei hat aber nach Angaben ihrer Pressestelle bislang ohnehin keine Hinweise auf Bettler in Tiefgaragen, macht aber deutlich, dass Zeugen, die solche Vorfälle beobachten oder davon betroffen sind, sich unbedingt bei der Polizei oder der Ordnungspolizei melden sollten. Nur so könne man tätig werden und die Identität der Bettler überprüfen. Laut den Stadtregeln der Stadt Bad Homburg ist das sogenannte aggressive Betteln in der Kurstadt nämlich nicht erlaubt.

Zwei Platzverweise für aggressive Bettler auf der Schlossgarage im Bad Homburg

Stadtsprecher Marc Kolbe erklärt: „Beim aggressiven Betteln geht es darum, dass Menschen bedrängt oder direkt angesprochen werden, ihnen vielleicht sogar nachgegangen wird. Es geht nicht um jene Bettler, die ruhig auf dem Gehweg sitzen, mit ihrer Schale vor sich.“

Tatsächlich sind der Stadt auch jüngst zwei Fälle aggressiven Bettelns am oben auf der Schlossgarage aufgestellten Ticketautomaten untergekommen. Weil der Automat eben im öffentlichen Raum steht, konnten die Ordnungshüter der Bettelei gleich ein Ende setzen und zwei Platzverweise erteilen, sagt Kolbe.

Dass sich die Bettler auch in die Garagen zurückzögen und dort an den Automaten stünden, betrachte die Stadt sehr genau. „Es scheint eine neue Masche zu sein“, sagt Kolbe und fügt hinzu: „Und dass es gerade auf ältere Menschen oder auch Frauen bedrohlich wirken kann, von Fremden in einer Tiefgarage angesprochen zu werden, daran besteht kein Zweifel.“

Kolbe weiter: Wir werden die Situation deswegen gemeinsam mit der Kur gut beobachten, das muss schnell unterbunden werden.“ Zumal auch klar sei: „Natürlich gibt es viele Menschen, die auf Mildtätigkeit angewiesen sind. Aber leider gibt es vermutlich genauso viele, die einer organisierten Bande angehören und am Ende des Tages von dem von hilfsbereiten Menschen erbettelten Geld selbst wahrscheinlich gar nichts sehen.“

Aggressives Betteln in Bad Homburg melden

Wer Hinweise zu aggressiver Bettelei liefern kann – dabei handelt es sich um jene, bei der Menschen direkt angesprochen und um Geld gebeten werden – kann sich an die Polizei wenden. Die Beamten sind unter (0 61 72) 12 00 zu erreichen. Hilfe gibt’s auch beim Ordnungsamt. Die Zentrale im Rathaus (0 61 72) 10 00 verbindet.

Von Sabine Münstermann

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