Das Kurhaus hat 36 Jahre auf dem Buckel. Ausstattung und Gebäudetechnik sind nicht mehr zeitgemäß. Auch die Tiefgarage hat erhebliche Mängel. Jetzt soll geklärt werden, was sinnvoller ist: eine Kernsanierung oder ein kompletter Neubau.
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Das Kurhaus hat 36 Jahre auf dem Buckel. Ausstattung und Gebäudetechnik sind nicht mehr zeitgemäß. Auch die Tiefgarage hat erhebliche Mängel. Jetzt soll geklärt werden, was sinnvoller ist: eine Kernsanierung oder ein kompletter Neubau.

Vorbereitung auf Großprojekt

Bad Homburg: Keine Denkverbote in Sachen Kurhaus

  • Sabine Münstermann
    vonSabine Münstermann
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Stadt und Kur starten Planungsprozess. Die spannende Frage lautet: Sanierung oder Neubau? Für den 15. September ist eine Bürgerinfo geplant.

Bad Homburg -36 Jahre ist es alt, das Kurhaus, und damit mehr als in die Jahre gekommen. Spätestens, seit die Kur- und Kongreß-GmbH immer wieder viel Geld in die Sanierung der darunter liegenden - übrigens im Stadtgebiet meist frequentierten - Tiefgarage pumpt, ist klar, dass da dringend etwas getan werden muss. Nur: Was? Soll kernsaniert werden? Komplett neu gebaut? Was wäre vorteilhafter? Welche Variante kostet wie viel? Diese und viele weitere Fragen sollen in absehbarer Zeit geklärt werden. Denn die städtische Tochtergesellschaft arbeitet derzeit auf die Grundsatzentscheidung hin, wohin die Reise gehen soll. Gestern erklärten Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) und Kurdirektor Holger Reuter Details zum Ablauf des, wie Reuter es nannte, "wichtigsten Bauprojekt Bad Homburgs in den kommenden 50 Jahren".

Das Kurhaus, in dessen Instandhaltung die Kur 2019 200 000 Euro gepumpt hatte, sei ein multifunktionales Gebäude, beherberge Kongresswesen, Theater, Hotellerie, Bankwesen, Ladenzeilen und Gastronomie, diene Vereinen als Begegnungsstätte - und deswegen sei bereits die Planung dessen, wie das Kurhaus modernisiert werden könnte, mit allen Vorgaben in Sachen Nutzung und Technik, "schon eine immense Herausforderung", sagte Reuter.

Zunächst soll im Herbst eine Untersuchung ausgeschrieben werden, die beziffern soll, wie eine Sanierung - immerhin spreche man von 162 000 Kubikmeter umbauten Raumes - aussehen und was sie kosten würde. Dabei sollen zwei Varianten untersucht werden, nämlich eine mit historisierender Fassade nach vorne und moderner nach hinten, und eine, die "die Kreativität der Planer nicht einschränken, sondern Freiraum für ihre zeitgemäßen Vorstellungen lässt", wie Kurdirektor Reuter sagte. Alleine dieses Sanierungsgutachten werde vermutlich einen sechsstelligen Betrag kosten. Fertiggestellt sein soll es bis Sommer 2021.

Parallel zu Vorschlägen in Sachen Sanierung wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Hetjes: "Wir geben nicht vor, geht nach rechts oder nach links, sondern holen alle Infos über eine Neugestaltung ein, eben auch über einen Neubau." Es dürfe keine Denkverbote geben.

Diese Ergebnisse sollen zu einem noch nicht festgelegten Datum auch öffentlich ausgestellt werden. Eine Fachjury soll am Ende die besten Varianten auswählen, über die dann das Stadtparlament entscheidet. So oder so: Egal, ob Kernsanierung oder kompletter Neubau, es werde über einen längeren Zeitraum mit Einschränkungen für Anwohner und Händler zu rechnen sein, sagte Reuter.

Deswegen sei Transparenz von Anfang an wichtig, betonten Hetjes und Reuter. Deswegen würden zunächst noch in dieser Woche das im Kurhaus angesiedelte Maritim-Hotel und die ebenfalls dort angesiedelte Taunus Sparkasse, die Mieter der Geschäfte in der Kurhaus-Galerie, die Aktionsgemeinschaft und der Ortsbeirat Innenstadt informiert.

Und auch die Bürger. Für sie organisiert die Stadt eine Bürgerinformations-Veranstaltung, am Dienstag, 15. September, im Kurhaus. "Weil wir Corona-bedingt nur eine bestimmte Anzahl Gäste einladen können, werden wir die Veranstaltung im Live-Stream übertragen", so Hetjes.

Und können die Bürger am Ende ihr Votum abgeben, so wie auch beim Entscheid zur Verlängerung der U 2 von Gonzenheim zum Bahnhof? "Ich bin prinzipiell ein Befürworter, dass über Großprojekte, die die Gesamtstadt betreffen, die Bürger über einen Bürgerentscheid mitbestimmen", betonte der OB. Aber beim Kurhaus sei das durch die Eigentümerverhältnisse schwierig zu realisieren. Zur Erinnerung: Eigentümer des Kurhauses sind nicht nur die Kur, sondern auch Maritim und die Taunus Sparkasse. Bereiche wie Dach und Außenhaut und Technische Versorgung sind in Gemeinschaftseigentum. "Was die Sache schon bei Zuordnung der Abrechnung der Betriebskosten komplex macht", sagte der Kurdirektor.

Um die Sache noch komplizierter zu machen, gehört das Grundstück wiederum der Stadt, die es in Erbpacht an die Tochtergesellschaft Kur und an Maritim verpachtet hat. Der Teil des Grundstücks, auf dem die Taunus Sparkasse untergebracht ist, gehört wiederum der Taunus Sparkasse.

Die Bad Homburger CDU wird allerdings in der kommenden Stadtverordnetenversammlung beantragen, den Magistrat prüfen zu lassen, wie ein Bürgerentscheid in Sachen Kurhaus eingebunden werden kann. Hierbei soll insbesondere geprüft werden, "inwiefern die Eigentümerkonstellation des Kurhauses beim Bürgerentscheid berücksichtigt werden muss - und ob dieser zusammen mit der Bundestagswahl 2021 stattfinden kann", erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Oliver Jedynak gestern in einer Pressemitteilung.

Von Sabine Münstermann

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