+
Seit einigen Tagen hat das Homburger Casino nach der Corona-Zwangspause wieder geöffnet. 

Prozess

Bad Homburg: Knapp drei Jahre Haft für Millionen-Unterschlagung

  • schließen

Beim Urteil im Casino-Prozess testiert das Gericht dem Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit.

Bad Homburg – Zwei Jahre und elf Monate Haft wegen Diebstahls und Unterschlagung - mit diesem recht glimpflichen Urteil ist am Mittwoch der Prozess gegen einen früheren Angestellten der Spielbank Bad Homburg zu Ende gegangen.

Das Frankfurter Landgericht hielt sich damit an den Antrag des Verteidigers und ging gleichzeitig von eingeschränkter Schuld- und Steuerungsfähigkeit des 28-Jährigen aus. Eine psychiatrische Expertise besagte, dass es sich bei dem Angeklagten um einen hochgradig Spielsüchtigen handelt. Bei seinen fast täglichen Aufenthalten in der Wiesbadener Spielbank steckte er einen Großteil des unterschlagenen Geldes in die Schlitze einarmiger Banditen, von denen er jeweils mehrere parallel laufen hatte.

Obwohl der junge Mann nach einer unsteten beruflichen Vergangenheit erst kurze Zeit beim Bad Homburger Casino zum "Assistenten der Geschäftsführung" avanciert hatte, genoss er bereits weitreichende Befugnisse im Umgang mit den täglichen Geldeinnahmen in nicht unbeträchtlicher Höhe.

Besonders der Diebstahl der Fremdwährungen in Höhe von rund 250 000 Euro wurde ihm leicht gemacht, weil praktisch niemand die Geldbestände kontrolliert und aufgeschrieben hatte. Damit öffnete sich seit Anfang 2018 der Teufelskreis, der den spielsüchtigen Mann immer tiefer in finanzielle Schwierigkeiten schlittern ließ. Hatte er einmal gewonnen, leitete er daraus den Schluss ab, dass nun eine Glückssträhne eingetreten sei, die es auszunutzen gelte. Doch am Ende stand er wieder mit leeren Händen da und musste sich wieder an den Geldtaschen vergreifen, die eigentlich von Geldboten zur Bank gebracht werden sollten. Am Ende brachte er weit mehr als eineinhalb Millionen Euro unter seine Kontrolle. Abzüglich der nach diversen Gewinnen zurückgezahlten Summen blieb dem Kasino ein Gesamtschaden von mehr als einer Million Euro - der hohe Schaden war einer der wenigen strafverschärfenden Gründe, die das unter Leitung von Richterin Corinna Distler zulasten des Angeklagten annahm.

Reue, Geständnis und fehlende Kontrolle

Ansonsten überwogen die strafmildernden Gesichtspunkte: Das Geständnis, die glaubwürdige Reue, vor allem aber die eingeschränkte Schuld- und Steuerungsfähigkeit und eben die Tatsache, dass es dem Mann beim Griff in die Kasse so leicht gemacht worden sei. "Es fehlte jegliches Kontroll- und Risikomanagement", hieß es im Urteil. Elf Monate saß der Angeklagte nach seiner Festnahme im April vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Erst im März - Corona beschäftigte schon die Justiz - wurde er verschont und auf freien Fuß gesetzt. Gestern hob die Strafkammer den Haftbefehl ganz auf - Flucht- und Verdunklungsgefahr seien nicht gegeben, ebenso sei die bevorstehende Zeit in Haft nicht derart lange, dass sich der Mann aus dem Staube machen könnte. Die Staatsanwaltschaft forderte indes eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten, die aber das Gericht in Anbetracht der vielen für den Angeklagten sprechenden Umstände als zu hoch ansah.

Nun haben alle Beteiligten Möglichkeit, das Urteil auf sich wirken zu lassen. Es ist deshalb noch nicht rechtskräftig. Matthias Gerhart

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare