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Bad Homburg diskutiert ein neues Modell zum kostenlosen Parken. Dafür brauchen Autofahrer aber ein kleines Accessoire.

Kurzzeitparken

Kostenlos parken in Bad Homburg – Ein kleines Accessoire könnte helfen

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Bad Homburg diskutiert ein neues Modell zum kostenlosen Parken. Dafür brauchen Autofahrer aber ein kleines Accessoire.

  • Bad Homburg spricht über eine neue Regelung zum kostenlosen Parken
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Bad Homburg - Die Stadt Cloppenburg in Niedersachsen bietet es an, Kirchheim am Teck auch - die Rede ist vom kostenlosen Kurzzeitparken in der Innenstadt. Und zwar per Sanduhr. Und wenn es nach Stefanie Wassermeier und der SPD im Ortsbeirat Innenstadt geht, dann sollte es dieses Angebot künftig auch in der Bad Homburger Innenstadt geben. Einen entsprechenden Vorschlag hatte Wassermeier am Dienstagabend (14.01.2020) in der Ortsbeiratssitzung eingebracht.

Bad Homburg: Ein paar Minuten kostenlos parken

Wassermeier erklärte tags drauf im Gespräch mit dieser Zeitung: "Man kennt das doch: Man will nur kurz in der Apotheke etwas abholen oder schnell beim Bäcker ein Brot kaufen - und muss dann dafür immer gleich einen Parkschein für mindestens eine halbe Stunde ziehen. Unsere Idee zielt darauf ab, jene, die schnell in ein Geschäft huschen wollen, zu unterstützen, damit sie mal ein paar Minuten auf einem ansonsten kostenpflichtigen Parkplatz stehen können."

Wassermeier, die selbst ein Geschäft in der Haingasse in Bad Homburg hat, hat sich schon lange mit dem Thema beschäftigt und findet, mit der Sanduhr sei eine perfekte Lösung gefunden, denn: Parkscheiben lassen sich nicht auf zehn oder 15 Minuten einstellen" und die Parkautomaten auf eine Art kostenlose 10-Minuten-"Brötchentaste" umzurüsten wäre vermutlich viel zu aufwendig und teuer. In der Tat war die "Brötchentaste" schon vor Jahren in der Stadt diskutiert und wieder verworfen worden.

Kostenlos Parken in Bad Homburg: Maßnahme mit Marketingeffekt

"Die Sanduhr dagegen, die könnte die Stadtverwaltung leicht anschaffen - mit dem Schriftzug der Stadt versehen und dann übers Stadtbüro für ein paar Euro verkaufen. Auf diese Weise hätte die Sache sogar noch einen Marketingeffekt", sagt Wassermeier und weiter: "Aus meiner Sicht hätte die Sache wirklich nur Vorteile - und zwar sowohl für die Kunden als auch für die Geschäftsinhaber. Und für die Stadt wäre die Sache zudem schnell und unbürokratisch zu realisieren."

In Bad Homburg diskutiert man noch - in Cloppenburg ist die Sanduhr laut ntv.de seit Mai vergangenen Jahres im Einsatz. Dort ist das auf 15 Minuten beschränkte kostenlose Kurzzeitparken auf allen öffentlichen und gebührenpflichtigen Parkplätzen im Stadtgebiet möglich - allerdings eben nur für jene, die ihr Auto mit der städtischen Sanduhr bestückt haben. Der Zeitmesser ist dort für drei Euro das Stück im Bürgeramt erhältlich.

Die Sanduhren müssen mit einem Saugnapf senkrecht an der Innenseite des Fahrerfensters angebracht werden. Fallen sie herunter oder werden sie nach dem Ablaufen erneut umgedreht, drohe, so ntv.de, "eine Strafe wie beim Parken ohne Parkschein". Kaputte Sanduhren könnten kostenlos umgetauscht werden.

In Cloppenburg erfreut sich die Alternative zum Parkschein jedenfalls großer Beliebtheit: Insgesamt hat die Stadt laut t-online.de bis Anfang Dezember vergangenen Jahres 5000 der Park-Sanduhren ausgegeben. Auch ein Model für Bad Homburg?

Kostenlos Parken in Bad Homburg: Erfahrungsberichte aus anderen Städten

Ob die Idee in Bad Homburg umgesetzt werden kann, wird sich zeigen. Wassermeiers Prüfantrag kam nämlich gar nicht erst zum Tragen. Stattdessen wurde mehrheitlich vereinbart, den Antrag auf die nächste Sitzung am 11. Februar zu vertagen - unter anderem, um bis dahin Erfahrungsberichte aus anderen Gemeinden zu sammeln, aber auch mit Blick darauf, dass die drei Vertreter der CDU am Dienstag entschuldigt gefehlt hatten.

Ob der Prüfantrag dann durchgeht, steht allerdings noch in den Sternen. Die Ortsbeiratsmitglieder hatten Wassermeiers Vorschlag nämlich vorgestern heiß diskutiert. Auch von Bernd Vorlaeufer-Germer, der nach der Rückgabe des Mandats von Okan Karasu für ihn als Vertreter der Linken im Stadtparlament Bad Homburg nachrückte. Er ist zwar nicht Mitglied des Ortsbeirates, als Stadtverordneter hat er allerdings Rederecht. Und machte davon Gebrauch. "Seiner Meinung nach gehört das Auto komplett aus der Innenstadt verbannt - alle sollten auf ÖPNV umsteigen", zitiert Jörg Grünberg (SPD), der stellvertretende Ortsvorsteher, der die Sitzung anstelle von Ortsvorsteher Thomas Meye (CDU) leitete, am Mittwoch auf Anfrage dieser Zeitung den Linken.

Kostenlos Parken in Bad Homburg: Mehr Autos wegen neuer Regelung?

"Prinzipiell lobten die Ortsbeiratsmitglieder zwar die Originalität der Idee mit der Sanduhr und auch deren zeitliche Fein-Einstellung gegenüber einer Parkscheibe", so Grünberg weiter. Auch die Notwendigkeit eines wie auch immer gearteten Kurzzeitparkens in Bad Homburg sei nicht infrage gestellt worden. "Allerdings gab es dann Befürchtungen, dass, wenn die Stadt kostenlos Kurzzeitparken ermöglicht, deswegen mehr Autos in die Innenstadt führen und dass die Umschlagshäufigkeit auf den Stellplätzen zunehmen könnte", fügt Grünberg hinzu.

Widerstand habe sich vor allem aus den Reihen der BLB geregt. "Von dort kam nicht nur der Hinweis, dass der Autoverkehr prinzipiell eher eingeschränkt gehöre und sich das Parken auf die Parkhäuser konzentrieren solle, sondern auch, dass die Stadt ja im Rahmen des Regiebuchs ein Parkraum-Bewirtschaftungskonzept erarbeiten wolle und man dem mit solchen Einzelmaßnahmen nicht vorgreifen solle", so Grünberg. Stefanie Wassermeier argumentierte indes, das Konzept werde in Bad Homburg sicher ein bisschen auf sich warten lassen. "Bis dahin könnte die Sanduhr als schnelle Zwischenlösung dienen."

Auch ein anderes Argument der BLB entkräftete Wassermeier im Gespräch mit dieser Zeitung: Die BLB hatte sich auch gesorgt, dass man die Sanduhr ja nach Belieben umdrehen könne und das System auf diese Weise austricksen. Wassermeier erklärte: "Wenn man den Namen der Stadt auf die Sanduhr druckt, dann erkennt man ja, wenn der Schriftzug bei zweimaliger Benutzung auf dem Kopf steht."

Sabine Münstermann

Große Probleme beim Parken gibt es in Bad Homburg* auch rund um die Hochtaunus-Kliniken. Und eine Dauer-Lösung lässt weiter auf sich warten.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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