Die Ressource Trinkwasser wird immer öfter knapp, dann sind die Trinkwasser-Hochbehälter wie hier an den Buschwiesen halbleer. Deshalb sollen Anreize zum Wassersparen geschaffen werden.
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Die Ressource Trinkwasser wird immer öfter knapp, dann sind die Trinkwasser-Hochbehälter wie hier an den Buschwiesen halbleer. Deshalb sollen Anreize zum Wassersparen geschaffen werden.

Konsequenzen aus Wassermangel gefordert

Bad Homburg: Literpreis an Verbrauch koppeln

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Die Verwaltung der Stadt Bad Homburg soll finanzielle Anreize zum Wassersparen prüfen. Die Idee ist, dass Vielverbraucher ab einer besteimmten Menge einen höheren Tarif zahlen soll. So einfach, wie es sich anhört, ist das aber nicht.

Bad Homburg -Dass zu jeder Tages- und Nachtzeit Wasser aus dem Hahn kommt, das dazu noch bedenkenlos getrunken werden kann und Geschirr, Wäsche und Boden in jedem Fall sauberer macht als vorher, ist unbestritten eine der größten zivilisatorischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Mittlerweile reift aber die Erkenntnis, dass (Trink-)Wasser auch in unseren Breiten keine unendlich verfügbare Ressource ist. Gelbe und rote Wasserampeln, sogar Trinkwasser-Notstände sind kein abstraktes Szenario, sondern auch im Taunus Realität.

Die Politik hat bislang noch kein probates Mittel gefunden, wie sie dem entgegensteuern kann, ohne weitere Leitungen zu bauen, um Wasser aus der Ferne heranzuschaffen. Kontrollen beziehungsweise Sanktionen gegen Wasserverschwender sind schwierig. Und manch ein kommunaler Mitarbeiter oder Politiker resigniert, wenn er sieht, dass der Wasserverbrauch in den Nachtstunden ansteigt, weil heimlich Pools im Ort befüllt oder der Rasen bewässert wird.

In Bad Homburg wird jetzt ein neuer Ansatz geprüft. Analog zur alten Weisheit "Steuerung geht am besten über das Geld", hat die Stadtverordnetenversammlung auf Initiative der SPD den Magistrat beauftragt, zusammen mit den Stadtwerken die Möglichkeit verbrauchsabhängiger Wassergebühren zu prüfen. Der Antrag ging ohne Diskussion und bei nur einer Gegenstimme durch.

Die Idee stellte Elke Barth (SPD) vor: Wer mehr verbraucht, soll auch mehr zahlen. Nicht mehr linear, sondern in Form etwa von gestaffelten Gebühren. Heißt: Der durchschnittliche Grundverbrauch pro Bewohner soll zum bisherigen Wasserpreis pro Kubikmeter angeboten werden, für einen Mehrverbrauch wäre ein höherer Kubikmeter-Preis fällig. So entstehe ein finanzieller Anreiz zum Wassersparen. "Wir werden das Problem nicht lösen, indem wir beim Zähneputzen das Wasser abdrehen", betonte sie. Dass sich neue Ideen etablieren können, machte sie an der Spartaste bei der Toilettenspülung fest. "Die ist mittlerweile Standard."

Das Problem: Das Kommunalrecht sieht bei Gebühren eine Gleichbehandlung vor und Gebühren müssen kostendeckend kalkuliert werden. Deswegen hatten sich andere Kommunen jüngst dagegen entschieden, ein solches Modell einzuführen.

Doch es geht in der Praxis auch anders - wenn auch bislang in die andere Richtung. Der "Verband kommunaler Unternehmen" sieht in einer Broschüre zur Gestaltung von Wasserentgelten ausdrücklich die Möglichkeiten von "degressiven Mengenentgelten" bei der Vertragsgestaltung mit Großabnehmern vor. Sprich: Wer viel verbraucht, zahlt einen geringeren Preis pro Kubikmeter. Dieser Logik folgend müssten im Umkehrschluss auch "progressive Mengenentgelte" möglich sein.

Das könnte dann so aussehen, dass für ein bestimmtes Kontingent (pro Bewohner oder Haushalt) ein Preis X pro Liter gilt. Wer mehr Wasser aus dem Hahn zieht, zahlt für den Mehrverbrauch einen höheren Preis pro Liter. Dies könne man, so überlegt Barth, damit rechtfertigen, dass ein höherer Verbrauch auch höhere Kosten verursache, etwa dadurch, dass mehr Wasser aus der Fremde beschafft werden muss. Wichtig sei in jedem Fall, dass die neuen Gebühren gerecht und spezielle Belange, etwa von (Klein-)Gewerbe und Einrichtungen berücksichtigt sind.

Der Prüfantrag geht auch auf zwei weitere Punkte ein. So soll sich die Stadt verpflichten, ein Konzept für die öffentliche Hand sowie für Privathaushalte zur Wassereinsparung zu entwickeln. Außerdem soll überlegt werden, wie der Trinkwasserbedarf zum Beispiel durch eine Förderung zum Bau von Zisternen oder Zweikanal-Systemen reduziert werden kann. von Harald konopatzki

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