Selbst kleine Eingriffe in den Straßenraum zulasten des Kraftverkehrs lösten Diskussionen aus, wie hier die Wegnahme von Parkplätzen in der Kisseleffstraße 2005. Dabei gab&#39s etwas weiter ein neues Parkhaus. Foto: JR
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Selbst kleine Eingriffe in den Straßenraum zulasten des Kraftverkehrs lösten Diskussionen aus, wie hier die Wegnahme von Parkplätzen in der Kisseleffstraße 2005. Dabei gab's etwas weiter ein neues Parkhaus.

Geht nicht, gibt's nicht

Mehr Mut bei der Verkehrswende: Homburger ADFC-Chef wirbt für bessere Rad-Infrastruktur

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Der Bad Homburger ADFC-Chef wirbt für eine bessere Rad-Infrastruktur. Nach und nach werden in der Stadt zwar Projekte umgesetzt. Es gebe jedoch noch viel nachzuholen.

  • Bad Homburg hinkt beim Thema Verkehrswende etwas hinterher
  • Einige Veränderungen für eine bessere Rad-Infrastruktur hat es bereits gegeben
  • Nach dem Homburger ADFC-Chef könnte jedoch weit mehr getan werden

Bad Homburg - "In Bad Homburg dauert es eben manchmal etwas länger mit der Umsetzung solcher Ideen." Die genaue Zuordnung des Zitats dürfte schwerfallen, selbst mit dem Hinweis "Radverkehr". Also noch ein Tipp: Er fiel bei der Öffnung der ersten Einbahnstraße gegen die Fahrtrichtung für Radfahrer. 

Gesagt hatte es ein gewisser Stadtrat Michael Korwisi (damals Grüne) am 9. August 2005. Man hatte sich in der Friedrich-Rolle-Straße getroffen, Stadtrat Egon Backhus (FHW) zog symbolisch auf einem Schild mit der Aufschrift "Fahrrad frei" den roten Klebestreifen ab. An diesem Morgen schlug Korwisi vor, die Einbahnstraßen Zug um Zug zu überprüfen, um das Radwegenetz dichter werden zu lassen und das Radfahren attraktiver zu machen. "Jedes Auto, das stehen gelassen wird, tut unserer Champagner-Luft gut." Ein ebenso zeitloses Zitat.

Bad Homburg: ADFC-Chef wirbt für bessere Rad-Infrastruktur - Großer Wurf noch nicht dabei

15 Jahre und diverse politische Konstellationen später sind noch immer nicht alle Einbahnstraßen darauf geprüft, ob sie sich für Radler öffnen lassen. Aber: Die Stadt hat ein Radverkehrskonzept, setzt es um und hat mittlerweile sogar eine Vollzeit-Radverkehrsbeauftragte.

Homburgs ADFC-Vorsitzender Ralf Gandenberger ist zwiegespalten, wenn es um die städtischen Maßnahmen für Radfahrer geht. Der große Wurf ist seiner Meinung nach noch nicht dabei. Und das, obwohl europaweit die Mobilität neu gedacht werde - die Corona-Krise beschleunige diese Entwicklung.

In der Tat: London, Paris, Madrid, Belgien - es gibt viele Beispiele, wo der Verkehrsraum anders geordnet wird - weg vom Auto, hin zum Rad. "Hier passiert zwar einiges, aber nur da, wo es nicht wehtut. Wichtig wäre, dass Infrastruktur und die Sicherheit stimmen", mahnt Gandenberger.

In der Waisenhausstraße ist Fahrradfahren wieder erlaubt. 

Bad Homburg: Projekte für bessere Rad-Infrastruktur - Schutzstreifen und mehr Platz für Radfahrer

Die neuen Fahrradbügel seien da ein guter Schritt, dass die Stadt neue Schutzstreifen anlegen will, hingegen nicht. "Die lehnen wir als ADFC ab, weil sie ein falsches Signal setzen. Autos fahren oft direkt an der Linie, doch mittlerweile gilt beim Überholen ein Mindestabstand von 1,5 Meter - und wenn ein solches Überholen nicht möglich ist, müssen die Autofahrer eben hinter dem Radfahrer bleiben." Vor allem bei Lastenrädern oder Fahrradanhängern reiche der vermeintlich schützende Streifen bei weitem nicht aus, kritisiert der ADFC-Chef.

Das Verhältnis zur Stadt bezeichnet Gandenberger dennoch als sehr gut. "Wir werden einbezogen, auch wenn es an die Weiterentwicklung des Radkonzepts geht." Das werde leider nicht immer konsequent umgesetzt. "Ein Beispiel ist die Kaiser-Friedrich-Promenade zwischen Friedrichstraße und Augusta-Allee. Dort sollten die Parkplätze am Straßenrand ursprünglich wegfallen, um den Radfahrern, die gegen die Einbahnstraße fahren, mehr Platz zu geben. So ist es in dem Abschnitt vergleichsweise eng."

Bad Homburg: Bessere Rad-Infrastruktur - Veränderungen an den Straßen sorgen für Unmut 

Andere Projekte dauern vergleichsweise lange. "In der Kisseleffstraße sollte das Radfahren gegen die Einbahnstraße ermöglicht werden, getan hat sich noch nichts." In der Tat hatte sich der Fachausschuss bereits im Oktober dafür ausgesprochen.

In der Vergangenheit hatten unmotorisierte Verkehrsteilnehmer ihren Platz oft genug am Katzentisch der Flächenverteilung: Wenn fürs Auto neue Strecken gebaut wurden, durfte der Rest die alten Wege in Beschlag nehmen. Die alte Straße von der Saalburg nach Obernhain ist ein Beispiel, die Peterhofer Straße, die als Homburger Straße von Ober-Eschbach nach Ober-Erlenbach führte, ein anderes. 

Fallen Straßen oder Parkplätze ersatzlos weg, ist der Unmut oft groß. Bei der Fußgängerzone waren es in den 1970er Jahren die Händler, die um ihrer Existenz fürchteten, beim Wegfall von Parkplätzen sind es häufig Anwohner und Pendler, die ihren Unmut äußern. Allerdings funktioniert's: Nur noch ein paar Farbreste erinnern beispielsweise in der Kisseleffstraße daran, dass hier bis 2005 ganz legal halb auf der Straße geparkt werden durfte. Auch gegenüber dem Kurhausgarten sind abgestellte Autos aus dem Stadtbild verschwunden.

Heute kaum vorstellbar: Blechlawinen in der oberen Louisenstraße, Parkplätze rechts und links. Für Fußgänger stand nur ein vergleichsweise schmaler Bürgersteig zur Verfügung. Das war 1976. Allen Unkenrufen des Einzelhandels zum Trotz hat die Innenstadt die Einrichtung einer Fußgängerzone überlebt.

Bad Homburg: Viele Ideen, wenig Einsatz - Förderprogramme bisher nicht abgerufen

Insofern sind Gedankenspiele erlaubt: Den Hessenring auf eine Auto-Fahrspur zu reduzieren steht bereits zur Diskussion. Gandenberger kann sich auch vorstellen, dass bei einem Kurhaus-Um- oder Neubau ein Fahrrad-Parkhaus eingeplant wird. Aber warum so lange warten? "Man könnte auch so eine Parkplatz-Reihe für Fahrrad-Stellplätze umnutzen." Entsprechende Ideen habe es auch schon in der Politik gegeben.

Früher präsentierte sich auch der der Hessenring als von Grün gesäumte Landstraße.

Platz für Lastenräder oder gar eine städtische Vermietung solcher Transporthilfen wären ebenfalls sinnvolle Verbesserungen. "Für solche Projekte gibt es Förderprogramme des Landes - aber die Stadt hat bislang noch keinen Euro davon abgerufen", so Gandenberger.

Von Harald Konopatzki

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