Bad Homburgs Feuerwehrchef Daniel Guischard (l.)und Gonzenheims Wehrführer Dirk Fischer freuen sich über den Anbau für den Gonzenheimer Feuerwehrstützpunkt. Dieser Tage werden die Wehrleute ihn beziehen.
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Bad Homburgs Feuerwehrchef Daniel Guischard (l.)und Gonzenheims Wehrführer Dirk Fischer freuen sich über den Anbau für den Gonzenheimer Feuerwehrstützpunkt. Dieser Tage werden die Wehrleute ihn beziehen.

Feuerwehr für Zukunft gewappnet

Bad Homburg: Modernste Technik auf kleinstem Raum

  • Sabine Münstermann
    vonSabine Münstermann
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Gonzenheimer Feuerwehr kann im Juli in den Anbau, im August ist dann auch das Vereinshaus bezugsfertig. Neuer Caterer

Noch sind alle Räume leer: Die Umkleiden mit den Feuerwehr-roten Spinden, die Fahrzeughalle, in der künftig vier Feuerwehrfahrzeuge stehen werden. Die Jugendräume, in der die Gonzenheimer Wehr ihren Nachwuchs betreut, sind auch noch unmöbliert. In einigen Tagen wird die Sache anders aussehen. Denn nach knapp 20-monatiger Bauzeit dürfen die Kameraden der Gonzenheimer Feuerwehr aus ihrem Ausweichquartier neben dem Vereinshaus zurück an den angestammten Platz ins Vereinshaus, beziehungsweise in den dort eigens gebauten Anbau.

Kaum einer dürfte sich mehr darüber freuen als Wehrführer Dirk Fischer. "Die Sache mit dem Behelfsdomizil hier nebenan war zwar wirklich klasse und hat gut geklappt. Aber jetzt sind wir doch froh, wenn wir unser neues, modernes Gebäude beziehen können."

Vor allem, weil das neue, 130 Quadratmeter große Quartier innerhalb des Vereinshaus-Ensembles, das sich die Feuerwehr seit vielen Jahren mit den Gonzenheimer Vereinen, dem Heimatmuseum und einem Cateringbetrieb teilt, nun eben auch ein eigenständiges ist - ein Anbau macht's möglich. Ein Anbau allerdings, der aufgrund der räumlich begrenzten Lage zwischen Alt Gonzenheim und Am Kitzenhof planerisch durchaus herausfordernd war. Zumal es, denn das war der eigentliche Hintergrund, darum ging, das neue Gebäude auf den neuesten Stand der Sicherheitstechnik zu bringen.

Zur Erinnerung: "Zunächst war lediglich geplant, den Gunzosaal im Vereinshaus und die alte Lüftungsanlage des Saales zu erneuern, um Zuge dessen den Platz für die Freiwillige Feuerwehr zu optimieren und den Brandschutz des Hauses in Teilbereichen zu ertüchtigen", erklärt Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) gestern bei einer Führung durch den Anbau und das sanierte Vereinshaus. Daraus sei jedoch im Zuge der Maßnahmen eine beinahe vollständige Sanierung aller Rohr- und Elektroleitungen, eine vollständige brandschutztechnische Sanierung der Vereinsflächen sowie eben besagter Anbau für die Wehr geworden, der den noch zur Verfügung stehenden Raum zwischen der zweiten Erweiterung und der Wohnbebauung entlang der Straße Alt Gonzenheim ausnutze. Ein Anbau, der ganz wesentlich für die Wehr sei, denn bereits eine Sicherheitsanalyse aus dem Jahr 2008 habe festgestellt, dass das alte Feuerwehrgerätehaus nicht mehr den sicherheitstechnischen Anforderungen an einen modernen Feuerwehrstandort entsprochen hätte, betonte Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Meinhard Matern (CDU).

Stützpunkt für Notfall der Bevölkerung

Der Leiter der Bad Homburger Feuerwehr, Branddirektor Daniel Guischard, ist jedenfalls froh über den neuen Stützpunkt für seine Kameraden in Gonzenheim. Zumal der nicht nur den neuesten Standards entspreche und unter anderem jetzt auch nach Geschlechtern getrennte Umkleiden habe, sondern aufgrund seiner Multifunktionalität auch als Stützpunkt für Bevölkerungsschutz dienen kann. "Durch den räumlichen Zusammenhang des Feuerwehrhauses mit den Räumen des Vereinshauses, unter anderem den Schultheißstuben 1 und 2, die im Notfall eben als Behelfsunterkunft und Notfallstation, zudem mit einer Großküche zur Verpflegung von evakuierten Bürgern nutzbar sind, haben wir jetzt eine leistungsfähige Nothilfeeinrichtung", betont Guischard. Wie in den anderen Bevölkerungs-Stützpunkten auch, sollen in Gonzenheim 50 Feldbetten vorrätig gehalten werden. "Je nach Bedarf können wir aber hier natürlich noch weitere unterbringen", sagte Guischard.

Insofern war es auch für die Feuerwehr nicht ganz unwichtig, dass auch der Gunzosaal saniert wurde, allem voran wurde die Lüftungsanlage erneuert, zudem die Dachflächen des Vereinshauses gedämmt und die Pfosten-Riegelfassade des Gunzosaals ausgetauscht.

"Das war insofern besonders herausfordernd, als der Caterer noch bis Mai 2020 seinen Betrieb aufrechterhalten hat", erinnert sich Pamela Weber-Tumm, die Produktverantwortliche im Rathaus. Apropos: Bislang war die Gastronomie vom Schlemmer-Express gepachtet worden, künftig übernimmt die Pacht der in Bad Homburg in der Homburger Straße ansässige Frühstück & Buffetservice Sitzmann. Im September soll der neue Betrieb seine Arbeit aufnehmen.

Gut, zu wissen, dass auch die Feuerwehrkameraden kulinarisch an Ort und Stelle versorgt werden können, aber für Feuerwehrchef Daniel Guischard ist vor allem wichtig, welche Sicherheits-relevanten Finessen die 3,8 Millionen teure Anbau- und Sanierungsmaßnahme umfasst, nämlich vor allem diese: "Wir haben hier erstmals eine komplette Entkopplung der für den Einsatz genutzten Räume und der Sozialbereiche", sagt Guischard. Jugendwehr, Einsatzverwaltung, Wartungsbereiche, Sanitär und nach Geschlechtern geteilte Umkleiden sind räumlich getrennt und schafften "optimale Voraussetzungen" für die Untergliederung der vielen Bereiche der Feuerwehr. Zur Erinnerung: Im alten Gerätehaus mussten sich die Brandbekämpfer noch in einem abgetrennten Garagenteil umkleiden - und Frauen und Männer sich die Umkleiden auch teilen.

Hygieneschleusen für die Sicherheit

Dem nicht nur Corona-bedingt immer wichtiger werdenden Thema Hygiene tragen die neuen Räumlichkeiten übrigens auch Rechnung, und zwar durch Hygieneschleusen. Demnach gibt's eben einen Weg raus zum Einsatz, und nach Beendigung auch nur einen Weg wieder rein, damit niemand im Nachgang zu einem Einsatz mit der möglicherweise kontaminierten Wäsche in Berührung kommt, denn die kommt gleich in die Reinigung.

Und das sei vor allem deswegen so wichtig, sagt Feuerwehrchef Guischard, weil wissenschaftliche Studien eine erhebliche Gefährdung von Feuerwehrleuten nachgewiesen hätten, weil zum Beispiel bei Bränden oft krebserregende Stoffe entstünden, die in der Kleidung hafteten.

VON Sabine Münstermann

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