Die acht Stadtteil- und Familienzentren - hier im Foto das Stadtteilzentrum Kirdorf - sollen ein neues, einheitliches Konzept erhalten. Und auch einen Träger.
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Die acht Stadtteil- und Familienzentren - hier im Foto das Stadtteilzentrum Kirdorf - sollen ein neues, einheitliches Konzept erhalten. Und auch einen Träger.

Mehr Hilfe für Familien

Bad Homburg: Neues Konzept für die Stadtteilzentren

  • Sabine Münstermann
    vonSabine Münstermann
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Stadt will einheitliche Standards und einen übergeordneten Träger. Nicht nur junge Familien brauchen die bewährte Unterstützung.

Bad Homburg -"Familienstrukturen verändern sich und werden vielfältiger. Zugezogene Familien suchen Informationen, Anlaufstellen und Kontakte. Die Lebensverhältnisse von Familien werden instabiler. Berufstätige Eltern brauchen eine gute Betreuung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht. Es entstehen Betreuungslücken zwischen dem Übergang Kindergarten und Grundschule und weiterführender Schule. Der Anteil der Seniorinnen und Senioren, die geistig und körperlich fit nach Möglichkeiten suchen, um aktiv zu bleiben (. . .), war noch nie so groß wie heute. Es steigt aber auch der Anteil alleinstehender Seniorinnen und Senioren, die vereinsamen." Das stand schon 2016 in einer Dokumentation über die Stadtteil- und Familienzentren - denn genau dort finden alle Bürger eine Anlaufstelle in ihrem jeweiligen Stadtteil. Acht Stadtteil- und Familienzentren haben sich inzwischen etabliert. Zentren, die die Stadt finanziell unterstützt - mit 100 000 Euro pro Jahr und Zentrum. Und das wird immer wieder diskutiert. Wofür wird so viel Geld gebraucht? Schließlich ging es doch bei den Zentren darum, mit Hilfe des Fachbereichs Jugend und Soziales und in Kooperation mit anderen Institutionen und Ehrenamtlern im Stadtteil ein bedarfsgerechtes Miteinander im Stadtteil zu entwickeln.

Tatsächlich hat die Sache bisher auch ganz gut funktioniert, wenn man an die vielen Angebote in den Zentren denkt: Hausaufgabenhilfe, Seniorencafé, Kurse wie "Mama lernt Deutsch", das "Internationale Frauenzimmer", ein Treffpunkt für in Bad Homburg lebende Frauen aus aller Herren Länder, der "Baby-Begrüßungsdienst", und, und, und. Allerdings, und das ist der Grund, warum Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) die Zentren unter die Lupe genommen hat, "fehlen einheitliche Standards und ein Rahmenkonzept."

Übernahme von Mitarbeitern ungeklärt

Jedes Zentrum leiste tolle Arbeit, aber jedes mache es anders. "Jedes Zentrum führt ein Eigenleben." Und das soll sich jetzt ändern. Lewalter-Schoor und ihre Fachbereichsleitung Jugend und Soziales haben nämlich ein neues Konzept erarbeitet. Vorstellen will sie es auf der nächsten Sitzung des Jugend- und Sozialausschusses am 29. September. Bis dahin allerdings "tingeln wir bereits in den Stadtteil- und Familienzentren und erklären, worum es uns geht", erklärt Lewalter-Schoor auf Anfrage. Am morgigen Dienstag ist das Thema auch im Sozialausschuss.

Im Kern geht es vor allem um eine Trägerschaft, und zwar eine, die in einer Hand liegt. Der Hand einer "professionellen Institution", sagt Lewalter-Schoor. Ob man die Trägerschaft ausschreiben werde oder nicht, steht noch nicht fest. Interessenten gebe es jedenfalls bereits. Ob ein Träger dann auch Mitarbeiter, die bisher für und in den Stadtteilzentren arbeiteten - als Angestellte von Vereinen etwa, aber finanziert von der Stadt - übernehme, ist noch dahingestellt. "Wir werden das natürlich versuchen, aber garantieren können wir das nicht. Wir werden aber für alle eine Lösung finden", sagt Lewalter-Schoor.

Mit dieser Neukonzeptionierung geht Lewalter-Schoor einen neuen Weg. Bislang nämlich - und das sagt auch die Dokumentation aus dem Jahr 2016, als Dieter Kraft (Grüne) noch Jugend- und Sozialdezernent war, waren die Zentren als eigenständige Zusammenschlüsse von verschiedenen Kooperationspartnern konzipiert. Sie waren eben gerade nicht an einen Träger gebunden. "Daraus ergeben sich die explizit gewollten Vorteile, dass sich die Stadtteil- und Familienzentren selbstständig verwalten, Organisationsstruktur der Stadtteil- und Familienzentren und mit ihrer Konzeption an den Begebenheiten vor Ort ansetzen können", heißt es in dem Papier aus 2016.

Lewalter-Schoor sagt: "Das Problem ist auch, dass auch für die bei den Vereinen angestellten Mitarbeiter immer mehr Arbeit für die Zentren anfiel, weil sie viele Angebote selbst übernahmen." Zur Erklärung: Die Stadtteil- und Familienzentren haben sogenannte Koordinatoren. Die wiederum sind bei Vereinen wie etwa dem JuKS (siehe Box) angestellt, der dafür wiederum Geld von der Stadt bekommt, um diese Mitarbeiter zu bezahlen. Sie fungieren als Kontaktstelle auch zur Verwaltung, als Lotsen auf der Suche nach Angeboten. In vielen der Stadtteil- und Familienzentren bieten diese Koordinatoren aber auch eigene Kurse an, sind mithin zum Gesicht der Stadtteil- und Familienzentren geworden.

Dass sie die Gesichter der Zentren seien, sei gut, dass sie eigene Angebote machten, das sei hingegen nicht die Idee gewesen, betont Lewalter-Schoor. Sie stellt sich eher vor, dass Bürger mit Ideen zu den Koordinatoren kommen sollen, etwa um ein Internetcafé für ihren Stadtteil zu errichten. Mit den Koordinatoren sollten sie dann erörtern, was es dafür brauche, vielleicht noch einen Dienstplan mit ihm erstellen - "und dann, wenn die Sache läuft, wäre der Mitarbeiter auch wieder aus der Sache raus gewesen und hätte sich ums nächste Vorhaben in einem anderen Stadtteil kümmern können".

Aber genau das habe so nicht funktioniert, sondern, um beim Beispiel zu bleiben, die Koordinatoren hätten das Internetcafé selbst geleitet. Und das gehe eben nicht. Deswegen sei eine Neu-Konzeptionierung für die Stadtteil- und Familienzentren vonnöten. Denn dass die Arbeit, die dort geleistet wird, "immens wichtig" sei, das, sagt die Sozialdezernentin "ist unbestritten".

von Sabine Münstermann

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