Feiern vor 50 Jahren

Als Bad Homburg noch den Beat hatte

Während einige junge Leute das Freizeitangebot in Bad Homburg heute für quälend langweilig halten, hatten die Jugendlichen vor 50 Jahren noch die Qual der Wahl. Meint zumindest unser Zeitzeuge Wolfgang Kullmann.

„Mama“ von Heintje war 1968 die Eins in den deutschen Charts, am meisten gespielt und am meisten verkauft. In den zahlreichen Discotheken, die damals in Bad Homburg und Umgebung aus dem Boden schossen, wurde dieser Schlager allerdings nicht gespielt. Dort waren die Beatles (Hey Jude), die Rolling Stones (Jumpin’Jack Flash) oder die deutsche Band Wonderland (Moscow) angesagt.

„Um die Häuser ziehen“ war damals wörtlich zu nehmen, denn von einer Disco zur anderen waren es oft nur wenige Häuserblocks. Es war die Zeit, als die Bands zu teuer und deren Equipment zu aufwendig wurden. Waren sie anfangs noch mit VW-Bussen angereist, so waren die Top-Gruppen schon mit großen Trucks unterwegs. Alles zu aufwendig für die kleinen „Beat-Schuppen“, die nach und nach von Diskotheken abgelöst wurden.

Es gab eine Übergangszeit, in der wochentags Diskothekenbetrieb herrschte und an Wochenenden mindestens einmal im Monat eine Live-Band auftrat. So standen damals in der „Ponderosa“ (im Gotischen Haus), im „Inside“ (am Untertor) oder in der „Marmelade (Ober-Erlenbach) Top-Bands wie die Rattles, Smokie oder die Beatnicks aus Norwegen auf der Bühne. Das Angebot an reinen Diskotheken wuchs, in der Innenstadt gab es ein reichhaltiges Angebot wie das „Old Gustav“ im Schwedenpfad, das „Talk of the Town“ in der unteren Louisenstraße oder „Le Moustache“ in der Kisseleffstraße. Das war ein Vorgeschmack auf die Glanzzeiten der Discotheken in den 1970ern. Damit endete die Ära der klassischen „Beatschuppen“, die man auch in Jeans und T-Shirt betreten konnte, und in denen man ein Bier für 2 Mark bekam.

Die Discos wurden nach und nach elitärer, das Publikum älter. Es gab Dress-Codes und die Getränkepreise wurden zweistellig. Für die Jugendlichen gab es dann schon Ende der 70er ähnliche Probleme wie heute. Das „Gambrinus“ am Bahnhof konnte zumindest teilweise die Angebotslücke für junges Publikum schließen. red

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