Der Schutzstreifen auf der Heuchelheimer Straße soll das Radfahren sicherer machen. Aber macht er das auch?
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Der Schutzstreifen auf der Heuchelheimer Straße soll das Radfahren sicherer machen. Aber macht er das auch?

Kontroverse um Radfahrer-Streifen

Bad Homburg: Roter Teppich oder rotes Tuch?

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Beim neuen Schutzstreifen auf der Heuchelheimer Straße in Bad Homburg gehen die Meinungen auseinander. Die Stadt wollte das Radfahren sicherer machen - der ADFC ist aber alles andere als begeistert.

Bad Homburg -Die Stadt ist kreativ, wenn es darum geht, Kraft- und Radverkehr durch Bad Homburg zu führen. Neuester Ausdruck dieser Kreativität ist der rote Schutzstreifen, der nun die Heuchelheimer Straße ziert und sich im Kreuzungsbereich zum Hindenburgring verzweigt. Ein Arm führt an den Rechtsabbieger-Spuren entlang, der andere schneidet die Fahrbahn und soll die Radler sicher zur Ampel für die Linksabbieger leiten.

Kaum ist der Belag trocken, gibt es die ersten Reaktionen. Die Stadt sieht das Kunstwerk als gelungen an. "Die Markierungen dienen der Sicherheit der Radfahrenden, da sie den Radverkehr im Blickfeld der Kraftfahrzeugfahrenden führen", erklärt die Radbeauftragte der Stadt, Nina Lassnig. Die Schutzstreifen seien rot eingefärbt, um die Signalwirkung zu verstärken. Grundsätzlich erhöhten Schutzstreifen die Akzeptanz der Fahrbahnnutzung durch den Radverkehr, heißt es in einer Mitteilung, in der auch auf die Einhaltung des gesetzlichen Mindestabstandes beim Überholen von Radlern (innerorts mindestens 1,5 Meter) hingewiesen wird..

ADFC rät von Benutzung ab

Als "gefährlich für Radfahrende" bezeichnet hingegen der ADFC Bad Homburg die neue Markierung. Man habe die Stadt schon vor den Arbeiten gebeten, "von einer derartigen Planung dringend abzusehen, da sie die Situation für Radler eher verschlechtert", so der Verkehrspolitische Sprecher des ADFC Bad Homburg/Friedrichsdorf, Ralf Gandenberger. In der Heuchelheimer Straße seien die markierten Streifen viel zu schmal. "Und auf dem links abbiegenden Streifen müssen die Radfahrer die zwei Fahrspuren der häufig mit mehr als 50 Kilometer pro Stunde fahrenden Fahrzeuge kreuzen. Außerdem wird der Radstreifen durch an der Ampel haltende rechts abbiegende Fahrzeuge häufig blockiert und daher nicht nutzbar sein", zählt Gandenberger auf und bilanziert: "Es ist sehr schade, dass die Stadt nun auch die Maßnahmen des Radverkehrskonzepts umsetzt, die Verschlimmbesserungen sind und Radfahrende eher gefährden als schützen. Wir raten Eltern dringend davon ab, ihre Kinder auf diesem Radstreifen fahren zu lassen.". Auch Senioren und unsichere Radler sollten weiterhin den Fußgängerüberweg nutzen, um den Hindenburgring zu überqueren.

Radler haben Vorrang vor Abbiegern

Der ADFC befürchtet, dass diese Kreuzung zu einem neuen Unfallschwerpunkt wird, auch weil rechts abbiegende Radler in extrem spitzem Winkel auf den vorhandenen Radweg im Hindenburgring auffahren müssen, was gerade bei Nässe oder Schnee zu Stürzen führen dürfte. Der ADFC bedauert auch, dass die Maßnahme nicht mit den Vorschlägen des Ortsbeirats Berliner Siedlung/Gartenfeld zur Verkehrsführung kombiniert wurde. Dieser habe bereits auf die schwierige Situation für Radler, die aus der Tannenwaldallee kommen, aufmerksam gemacht.

Fakt ist, dass die Vorrang-Situation an der Kreuzung kompliziert ist. Die Radverkehrsbeauftragte erklärte auf Nachfrage: "Der rechtsabbiegende KFZ-Verkehr muss dem Radverkehr auf dem Schutzstreifen Vorfahrt gewähren." Auch müsse der Schutzstreifen für querende Radfahrer freigehalten werden. Für Mofas oder Motorräder ist er nicht vorgesehen. hko

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