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Hausbau

Bad Homburg: So schwer ist der Hausbau in Gebieten ohne Bebauungsplan

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Wenn es für ein Wohngebiet einen Bebauungsplan gibt, dann ist die Sache für all jene, die dort ein Haus bauen wollen. Was aber, wenn man ein Haus in einem Gebiet bauen möchte, für das es keinen B-Plan gibt? Dann wird die Sache kompliziert.

Bad Homburg - Das Grundstück im Foellerweg 39 befindet sich seit über 40 Jahren im Familienbesitz. Es gehörte, samt draufstehendem Haus, den Schwiegereltern von Olaf Hönig. Er und seine Familie wohnen, ans Grundstück gegenüber angrenzend, in der postalischen Adresse In der Lach. 2014 bekamen sie In der Lach neue Nachbarn. Die wollten ein Zweifamilienhaus bauen. Bedenken ob der Zweigeschossigkeit – in der Siedlung sind größtenteils eineinhalbgeschossige Häuser – wurden von der Stadtplanung zerstreut. Die Bauvorschriften seien lockerer, der Neubau diene künftig als Referenzobjekt.

Unter dieser Annahme ließen Hönigs Schwiegereltern von einem Widerspruch ab. Das Grundstück übertrugen sie im Juni 2016 an Sohn und Tochter. Hönig und seine Frau kauften später von deren Bruder dessen Grundstückshälfte ab und planten, dort ein Doppelhaus zu errichten. „Natürlich haben wir uns bei der Stadtplanung versichert, ob die Aussage bezüglich des Referenzobjekts für die Bebauung noch gelte“, sagt Hönig. Der Plan war, wie auch In der Lach, ein Zweifamilienhaus mit zwei Vollgeschossen und ausgebautem Dach mit Gauben zu bauen. „Uns wurde gesagt, der Bauantrag wäre reine Formsache“, sagt Hönig.

Aus der Formsache wurde ein monatelanger Schriftwechsel zwischen den Hönigs, der Stadtplanung und dem Bauamt. Immer wieder sei ihnen mündlich signalisiert worden, diese oder jene Variante könnte genehmigungsfähig sein, immer wieder wurden dann aber die diversen schriftlich eingereichten Vorschläge abgelehnt. „Wir haben das Gefühl, verschaukelt zu werden“, sagt Olaf Hönig und vermutet, dass politische Hintergründe dahinter stecken könnten. Nach seinen Angaben hat sich nämlich eine Bürgerinitiative gebildet und ist im Rathaus wegen des Bauvorhabens vorstellig geworden.

Tatsächlich haben 31 Anwohner der kleinen Siedlung einen Brief an die Stadtplanung geschrieben, in dem sie Gründe für ihre Einwände gegen den Bau darlegen. „Von einer Bürgerinitiative kann aber keine Rede sein“, sagt einer der Anwohner, der unterschrieben hat, namentlich aber nicht genannt werden möchte. Er sagt auch: „Uns geht es um den Erhalt des Charakters der Siedlung. Ein Zweifamilienhaus, das ein Vollgeschoss mehr hat als alle umgebenden Häuser, würde dem Wesen dieses Gebiets nicht entsprechen.“ Ein anderer sagt: „Viele haben im Laufe der Jahre beim Bauamt nachgefragt, ob Anbauten möglich sind. Waren sie nicht.“

Verständnis vorhanden

Dieser Zeitung liegt ein Schreiben des Bauamts aus dem Jahr 1999 vor, in dem es, hinsichtlich eines Bauvorhabens im Foellerweg heißt: „. . . wonach durch die geplante Maßnahme das Ortsbild nicht beeinträchtigen werden darf.“ Und: „Um eine Einpassung in die kleinkörnige Siedlungsstruktur zu gewährleisten, ist im Falle eines Neubaus der Hauptbaukörper hinsichtlich seiner Breite, Höhe und Dachneigung den umliegenden Siedlungshäusern anzupassen.“

Gleichwohl haben die Anwohner Verständnis dafür, dass die Hönigs sauer sind und dafür kämpfen, ihr großes Haus bauen zu dürfen. „Es ist natürlich auch unglücklich, wenn städtische Mitarbeiter mündliche Aussagen hinsichtlich der Genehmigungsfähigkeit tätigen, die sich dann in der Praxis als nicht haltbar erweisen. Das würde mich auch ärgern“, sagt ein Anwohner.

Die Sache sei nicht ganz so, erklärt Stadtsprecher Andreas Möring. Es habe zwar Schriftverkehr mit Bezug auf das Referenzobjekt In der Lach gegeben. Allerdings habe es darin weder förmliche, noch justiziable Aussagen gegeben.

Thema im Magistrat

Gleiches gelte auch für diverse Gespräche, die die Familie Hönig mit Mitarbeitern von Stadtplanung und Bauamt geführt hätte. „Das waren sämtlich schlicht Beratungsgespräche.“ Es sei durchaus möglich, dass da mündliche Aussagen getätigt worden seien, ob etwas „vorstellbar“ sei. Aber aus dieser Möglichkeitsform den Schluss zu ziehen, dass das einer Erlaubnis gleich komme, sei „einfach falsch“.

Die Sache ist auch für die Stadt nicht ganz unkompliziert: In dem Gebiet gibt es nämlich keinen gültigen Bebauungsplan. In solchen Fällen wird in der Regel Paragraf 34 des Baugesetzbuches herangezogen. Demnach soll – nachzulesen im Internet auf diversen Seiten, etwa auf atelierw3.de – eine Bebauung so konzipiert werden, dass sie sich „in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist“. Womit die Hönigs wieder am Anfang wären. Denn, wie gesagt, im Foellerwegs stehen zwar kleinere Häuser, aber direkt gegenüber das Zweifamilienhaus.

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