Die abgesperrten Bänke sind umstritten, werden aber jetzt zumindest weiter verschönert.
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Die abgesperrten Bänke sind umstritten, werden aber jetzt zumindest weiter verschönert.

Aktion in der City

Bad Homburg: Die Spanplatte wird zum Kunstobjekt

Schüler der Gesamtschule am Gluckenstein wollen die kritisierten Sitzbank-Absperrungen in der Bad Homburger Innenstadt verschönern. Die Stadt will tatkräftige Hilfe leisten.

Dass die zum Sitzen mit Platten gesperrten öffentlichen Bänke in der Innenstadt für solche Schlagzeilen sorgen würden, hatten sich die Stadtväter wohl nicht gedacht. Wollten sie doch vermutlich nur dafür sorgen, dass auch beim Sitzen die Abstandsregeln eingehalten werden. Und weil das mit Flatterband wohl nicht funktionierte - kann man ja leicht zur Seite schieben und sich trotzdem hinsetzen - wurde das THW damit beauftragt, die Bänke mit Spanplatten gegen Überbelegung zu sichern. Allein: Die Kritik folgte auf dem Fuße, sogar die Hessenschau nahm die Angelegenheit in ihrem satirischen Wochenrückblick aufs Korn. Der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Peter Braun umwickelte die Platten hernach mit hübschen Schleifchen, damit sie zumindest etwas kunstvoller aussehen.

Kunst ist denn auch das Stichwort für das nächste Vorhaben, denn sowohl der Veranstalter und Moderator Enrico Josche, als auch Antje Klaus, Kunstlehrerin an der Gesamtschule am Gluckenstein (GaG), hatten die Idee, die hölzerne Absperrung künstlerisch zu gestalten. Also trugen sie ihre Idee der Stadt vor - und dort war man begeistert. "Wir wären ja ,schön blöd', wenn wir so ein tolles Angebot nicht annehmen würden", so Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU). Er kündigt an, dass die Stadt das Projekt nicht nur ideell, sondern auch finanziell unterstützen werde.

Am Wochenende, spätestens Anfang der kommenden Woche soll das Kunstprojekt starten. "Die Spanplatten auf den Sitzbänken in der Innenstadt sind zwar zweckdienlich, über ihren dekorativen Mehrwert aber lässt sich streiten. Die Holzplatten bieten uns jedoch auch eine Möglichkeit, dem Stadtbild neue Finesse hinzuzufügen", sagt Josche. Er möchte die Platten als Leinwände wahrnehmen, auf denen etwa Impressionen der alljährlichen Stadtfeste gezeigt werden könnten, die in diesem Jahr ausfallen müssen. Daher fordert Josche die Mitbürger auf, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und sich mit einem Entwurf oder einer Idee unter der E-Mail-Adresse spanplatten@mainslam.com zu melden. Dann schaue man, welche Ideen umgesetzt werden könnten.

Antje Klaus will das Projekt mit ihren Schülern umsetzen. Die Kunstklassen bekommen die Aufgabe, eine Skizze ihrer Idee bei den Kunstlehrern einzureichen. Wichtig ist der Pädagogin, dass die Aktion unter Berücksichtigung der gültigen (Corona-)Verhaltensregeln abläuft. So sollen beispielsweise immer nur zwei Schüler gemeinsam und mit Masken ausgerüstet unterwegs sein. Auch bei der Abholung von Farbe, Pinsel, Zeitung und Kreppband (zum Abdecken der Bänke), die die Schule zur Verfügung stellt, wird darauf geachtet, dass sich die Schüler möglichst nicht begegnen. "Die Abholung der Materialien findet vor der Schule statt, damit die Schüler gar nicht erst das Schulgebäude betreten müssen", erklärt Klaus. Kunstlehrer besuchen die Schüler bei der Arbeit und unterstützen die freiwilligen "Stadtverschönerer". Als mögliche Motive schweben Antje Klaus die Leitziele für Bad Homburg 2030, Motive aus Bad Homburg wie der Weiße Turm und das Laternenfest, sowie Aufrufe zur Solidarität in Corona-Zeiten vor.

Mit dem Anbringen der Spanplatten hatte es Homburg, wie gesagt, in den satirischen Wochenrückblick "Schön blöd" des HR gebracht, mit dem sich nun anschließenden Kunstprojekt, so hofft Hetjes nicht ganz ernst gemeint, "sollte es Bad Homburg in Sendungen wie ,Aspekte' oder 'Titel, Thesen, Temperamente' schaffen". red

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