Seit 1971 endet die U2 hier in Gonzenheim. Künftig soll die Trasse unter der Frankfurter Landstraße in einem Tunnel weitergehen.
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Seit 1971 endet die U2 hier in Gonzenheim. Künftig soll die Trasse unter der Frankfurter Landstraße in einem Tunnel weitergehen.

Homburger Großprojekt nimmt Fahrt auf

Bad Homburg: Startschuss für Verlängerung der U 2

Die Grundsatzvereinbarung zwischen Bad Homburg und Frankfurt steht, jetzt müssen nur noch die politischen Gremien der beiden Städte zustimmen. Der Baubeginn für den Lückenschluss zum Homburger Bahnhof ist für 2023 geplant.

70,3 Prozent der Bad Homburger stimmten am 28. Oktober 2018 für die von der Stadt geplante Fortführung der U-Bahn-Trasse von Gonzenheim zum Homburger Bahnhof. Seither war es still geworden um das Mega-Projekt, das ein Meilenstein der Stadtentwicklung werden soll und auch den Bau eines Tunnels in der Frankfurter Landstraße mit sich bringen wird. In zahlreichen Sitzungen wurden im Hintergrund Zuständigkeiten und die Aufteilung der Kosten besprochen.

Doch am gestrigen Montag ist eine Art Startschuss erfolgt: Im Frankfurter Römer haben der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Homburgs OB Alexander Hetjes (CDU) eine Grundsatzvereinbarung vorgestellt. Noch vor den Sommerferien sollen die Gremien der beiden Nachbarstädte diese beschließen. Dann steht auch der definitive Baubeschluss.

Das Papier regelt die weitere Zusammenarbeit der beiden Städte im Projekt. Dabei ist festgelegt, dass Bad Homburg alleiniger Vorhaben- und Kostenträger ist. Schon bald soll dafür die Projektgesellschaft "Stadtbahngesellschaft Bad Homburg mbH" gegründet werden. Frankfurt wird ihre Verkehrsgesellschaft VGF den Betrieb der verlängerten Bahnlinie vornehmen lassen; der Kurstadt sollen dadurch keine weiteren Kosten entstehen.

56 Millionen Baukosten, 90 Prozent Zuschüsse

"Der Lückenschluss wird gebraucht, das weiß jeder, der täglich pendelt", sagte Hetjes. Bad Homburg mit seinen über 35 000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen sei nicht nur Auspendel-, sondern auch Einpendel-Stadt. Homburger Unternehmen und der Handel hatten den Ausbau gefordert. Zudem werde der Bahnhof künftig ein Knotenpunkt sein, wenn dort Regionaltangente West, verlängerte S-Bahn nach Usingen sowie die Regionalbahn nach Friedberg (RB 16) halten.

Bis Herbst soll eine aktualisierte Kosten-Nutzen-Untersuchung vorliegen, so dass Mitte 2021 ein Förderantrag beim Land Hessen gestellt werden kann. Es wird mit Netto-Herstellungskosten von 56,1 Millionen Euro kalkuliert, doch beide Städte rechnen fest mit Zuschüssen von Bund und Land in Höhe von 90 Prozent. Zusagen seien schon gemacht worden, sagte Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). "Dadurch, dass wir schon Baurecht haben, heben wir uns von anderen Projekten ab", ergänzte Hetjes. Baurecht besteht seit dem Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Darmstadt am 25. Januar 2016.

Erste Bahn könnte 2028 zum Bahnhof fahren

Mit dem Bau der 1,6 Kilometer langen Verlängerungstrasse soll 2023 begonnen werden. 2028 könnte die erste U 2 zum Bahnhof fahren. Rund 350 Meter sollen in einem eingleisige Tunnel unter der Frankfurter Landstraße verlaufen. Die Station Gonzenheim soll dann unter der Erde liegen.

Auch für Frankfurt sei das Projekt ein besonderes, sagte OB Feldmann - schon aufgrund seiner Historie. Als er selbst ein Bonameser Bub war, gab es das Nordwestzentrum noch nicht. "Meine Eltern fuhren nicht auf die Zeil, sondern mit der Linie 25 nach Bad Homburg zum Einkaufen", erzählte er augenzwinkernd. "Anschließend spazierte man durch den Kurpark und es gab ein Stück Kuchen im Café Kofler."

Somit sei er persönlich durchaus emotional bei dem Projekt; es sei "mehr sei als ein Lückenschluss, ein Schulterschluss". Es sei symbolhaft für die Region, deren Gemarkungsgrenzen "weicher" werden sollen. "Wir sind stolz auf unsere Bad Homburger Nachbarn: Der Bürgerentscheid war ein klares Ja für die Wiederanbindung." Frankfurt wolle alte Verbindungen wieder aufnehmen und eine "belebte Nachbarschaft".

Und warum hat es so lange gedauert bis zu dieser Grundsatzvereinbarung? "Viele komplizierte Details waren zu klären", erläuterte Oesterling. Das habe auch mit dem komplexen EU-Recht zu tun und damit, dass Bad Homburg keinen eigenen Schienenbetrieb habe.

Doch alle Gespräche zwischen den Städten und mit den Verkehrsgesellschaften seien konstruktiv verlaufen, und jetzt stehe alles auf Grün.

von anke hillebrecht

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