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Bürgermeister Meinhard Matern (rechts) und Feuerwehrchef Daniel Guischard testen in einem Mehrzweckeinsatzfahrzeug der Feuerwehr die neuen elektronischen Sirenen (vorne rechts).

Feuerwehr und Stadt

Bad Homburg testet neues Warnsystem

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Für den Katastrophenfall gerüstet sein: An 21 Standorten in Bad Homburg sollen hochmoderne elektronische Sirenen installiert werden. Am kommenden Samstag wird getestet, ob die Signaltöne und vorgefertigten Durchsagen im Fall der Fälle auch von der Bevölkerung verstanden werden.

„Achtung, Achtung, hier spricht die Feuerwehr“ – wenn Sie am Samstagmittag um Punkt 12 Uhr diese Ansage, kombiniert mit einem ins Mark gehenden Signalton, hören, sind Sie nicht nur mittendrin in einer Übung für das neue Warnsystem, sondern auch Zeuge eines Comebacks: Nach 27 Jahren sind Signaltöne wieder ein probates Mittel, die Bevölkerung über Gefahrenmomente zu informieren.

Zunächst werden vier der neuen elektronischen Sirenen getestet. Die Anlagen stehen an der Feuerwache in der Dietigheimer Straße, auf der Louisenstraße nähe Karstadt, an der Feuerwache Ober-Eschbach und der Erlenbach-Halle. Zusätzlich werden am alten Rathaus in Ober-Eschbach sowie am Gotischen Haus mobile mechanische Sirenen getestet. In einer ersten Runde gibt es eine Lautsprecherdurchsage, die auf die Übung hinweist, es folgt ein auf- und abschwellender Signalton, bevor dann wieder auf die Übung verwiesen wird. Die Feuerwehr erhofft sich unter anderem Erkenntnisse darüber, ob Überlagerungen des Schalls dazu führen, dass die Sprachnachrichten nicht mehr zu verstehen sind. Zudem sollen die Reaktionen der Bevölkerung beobachtet und dokumentiert werden.

„Wir fangen bei Null an“, erklärt Branddirektor Daniel Guischard. Zuletzt waren zu Beginn der 1990er Sirenen im Stadtgebiet ertönt, damals noch als Warnsignal vor kriegerischen Handlungen wie beispielsweise Luftangriffen. Doch damit war nach Ende des Kalten Krieges Schluss.

Für Guischard ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Bürger – vor die, die nicht mehr die alten Sirenenübungen kennen – über die Bedeutung der Signaltöne Bescheid wissen. Daher setzt man jetzt auf ein modular aufgebautes Konzept. Nach erfolgreichem Test am Samstag sollen an insgesamt 21 Standorten Sirenenanlagen installiert werden. Hinzu kommen die Mehrzweckeinsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehren, die ebenfalls in der Lage sind, per Kugelkopflautsprecher Informationen abzusetzen. Katwarn, Twitter und die Homepage der Stadt sollen zusätzlich über Gefahrenlagen informieren. Unter anderem sollen unter www.bad- homburg.de künftig die verschiedenen Sprachdurchsagen für die unterschiedlichen Szenarien, die eigens von einem Radiomoderator aufgenommen wurden, abhörbar sein und erklärt werden – und das in mehreren Sprachen. Zudem wird über eine App sowie die Schaltung eines zentralen Sicherheits- und Informationstelefons nachgedacht. An Schulen und in Kindergärten soll darüber hinaus gezielt Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Tests der Sirenen sollen künftig zwei Mal im Jahr stattfinden – „nicht zuletzt, um die Bevölkerung wieder an die Warnsignale zu gewöhnen“.

Als mögliche Einsatzszenarien für das Warnsystem nennt Guischard „hochdynamische Unwetterlagen, flächendeckende Stromausfälle, Freisetzung von Gasen“, und er erinnert an den Trinkwassernotstand im Sommer. Seinerzeit hatten Homburger Einsatzkräfte die Bürger in Königstein und Glashütten über die Konsequenzen des Notstands informiert.

Die Information der Bürger soll möglichst unterschwellig stattfinden, eine Panik vermieden werden. Guischard: „Wir wollen schließlich die Reaktionen kontrollieren.“ Daher seien gesicherte und schnelle Infos für die Bürger im Katastrophenfall auch so eminent wichtig. „Mangelnde Information verursacht Unsicherheit, deswegen schieben wir diese auch per Durchsage direkt nach“, so Guischard. Er weiß: Es gibt nur ein kleines Zeitfenster, um relevante Hinweise zu verbreiten. Danach würden sich rasend schnell Desinformation und „Fake News“ breitmachen.

Der Branddirektor rechnet mit Kosten von insgesamt rund 235 000 Euro. Von den künftigen Sirenen-Standorten, die notwendig sind, um das gesamte Stadtgebiet abzudecken, sind die meisten schon festgelegt.

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