Wenig Platz für Fußgänger

Bad Homburg will Unfallzahlen in der Landgrafenstraße verringern

  • schließen

Weil die Landgrafenstraße als Umleitungsstrecke herhalten musste, wurden die Autos auf den Bürgersteig verbannt. Dort stehen sie nach Ende der Bauarbeiten noch immer – zum Leidwesen einiger Anwohner.

Die Kritik scheint berechtigt: Warum, so fragen Anwohner, wird die Fahrbahn einer Tempo-30-Straße verbreitert und im Gegenzug der Platz für Fußgänger stark eingeschränkt – und das, obwohl es dort sogar eine Reha-Klinik gibt? Die Verlegung der Parkflächen in der Landgrafenstraße hat dazu geführt, dass Autos jetzt in voller Breite auf dem Bürgersteig stehen und Passanten mit dem schmalen Durchgang zwischen den Fahrzeugen und der Umzäunung der Grundstücke vorliebnehmen müssen. „Andere Städte bauen Hindernisse, um den Verkehr zu beruhigen – Homburg schafft sie ab“, ärgert sich Hans Fischer über die neuen Markierungen vor seiner Haustür.

Noch vor kurzem waren statt der weißen Streifen gelbe auf der Straße angebracht. Fischer und andere Anwohner gingen daher davon aus, dass es sich bei der Verlegung der Parkflächen um eine vorübergehende Maßnahme handelte. Hintergrund: In den vergangenen Wochen war der Viktoriaweg auf der anderen Seite des Jubiläumsparks saniert und deshalb für den Verkehr gesperrt worden. Die Umleitung führte unter anderem über die Landgrafenstraße. Inzwischen sind die Arbeiten im Viktoriaweg abgeschlossen.

An der Verkehrsführung in der Landgrafenstraße hat sich allerdings nichts geändert – im Gegenteil: Aus der Interimslösung ist durch die neue Markierung eine Lösung auf Dauer entstanden. Wie lange sie währt, ist zurzeit höchst ungewiss. „Die Stadt hat die Markierung vorläufig geändert“, sagt Stadtsprecher Andreas Möring. Die Verwaltung beobachte die Landgrafenstraße zurzeit genau, „um dann zu entscheiden, ob diese Regelung dort geeignet ist“.

Möring bestätigt, dass die neue Regelung zunächst wegen der Baustelle im Viktoriaweg eingeführt worden war. Jetzt allerdings geht es um die Verkehrssicherheit. „Die Landgrafenstraße war vorher ein Unfallschwerpunkt“, gibt der Pressesprecher zu bedenken. Weil die parkenden Autos zur Hälfte auf der Fahrbahn standen, sei es auf der Straße ausgesprochen eng zugegangen. „Das führte zu Unfällen im Gegenverkehr. Es gab glücklicherweise keine Verletzten und blieb bei Blechschäden“, erklärt Möring. Nun werde eine Lösung angestrebt, die die Unfallzahlen verringern soll und „möglichst gut von allein funktioniert“.

Konkret sah die Stadt zwei Möglichkeiten, dem Problem zu begegnen: die Parkplätze auf der Seite der Wohnbebauung zwischen Schwedenpfad und Castillostraße wegfallen zu lassen oder die Regelung aus der Bauphase beizubehalten. Im Rathaus entschied man sich für Variante zwei, und diese werde zurzeit getestet. Das es auf dem Bürgersteig enger werden würde, war den zuständigen Stellen klar. „Die Verwaltung hat die verbleibende Breite des Gehwegs geprüft. Sie beträgt 1,30 Meter. Das reicht üblicherweise aus für einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl“, teilt Möring mit und verweist darauf, dass viele Straßen in Homburg eine vergleichbare Gehweg-Breite aufweisen würden.

Die Anwohner sind da wesentlich skeptischer. Einige Bürger haben sich bereits verärgert im Rathaus gemeldet und darauf hingewiesen, dass die verbliebene Breite des Gehwegs nur im günstigsten Fall ausreiche. Das liegt vor allem daran, dass auf den neuen Parkstreifen auch einige Fahrzeuge abgestellt werden, die besonders breit sind. Und auch Hecken , die in den Gehweg hineinragen, könnten zu weiteren Engpässen führen. Das letzte Wort scheint also noch längst nicht gesprochen.

(mak)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare