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Stefan Wojciechowski (links) hat die Sitzgruppe federführend restauriert. Mit Chef-Schlossgärtner Peter Vornholt testet er sie auf der Schlossterrasse.

Gartenarbeiten

Bad Homburger Schlosspark ist frühlingsfein

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Ein Herbarium aus dem 19. Jahrhundert unterstützt die Schlossgärtner bei der Gartendenkmalpflege. Neue Bäume unterstreichen den historischen Charakter des Schlossparks. Auch rund um den Weißen Turm passiert Neues.

Schaut uns an, wir bringen den Frühling!, scheinen die Krokusse rund um „Goethes Ruh“ im Schlosspark zu rufen. In diesen wärmeren Tagen zieht es viele in den Schlosspark. Dort tut sich derzeit einiges.

Die Schlossgärtner sind dabei, den Park mehr und mehr wieder mit historischen Elementen zu gestalten. Im vergangenen Herbst legten sie vor der großen Zeder eine Ulmenallee an, wie sie vor 100 Jahren bestand, als Kaiser Wilhelm II. das Landgrafenschloss als Sommerresidenz nutzte. Jetzt ist sie fertig; die Bäumchen sollen nun wachsen. In den vergangenen Tagen wurden im Obergarten zudem drei Krimlinden gepflanzt – sie setzen die parallel verlaufende Allee fort, die in den 1980er Jahren angelegt wurde.

Weiter geht es ins Boskett – so nennen die Schlossgärtner den Parkteil, der sich von „Goethes Ruh“ bis hinunter zum Schlossteich zieht. Ein Boskett ist ein Lustwäldchen in einem barocken Schlossgarten – und als solcher ist der Obergarten angelegt. Das Boskett mit seinen steilen, verschlungenen Wegen ist der Übergang zum unteren Schlosspark rund um den Teich, der wie ein englischer Landschaftspark romantische Ecken zum Verweilen bietet.

In diesem bepflanzten Abhang will Chefgärtner Peter Vornholt die immergrünen Aspekte noch stärker betonen; die Buchsbäume, Lavendelheidebüsche und Ilex bekommen Gesellschaft von Hemlockstannen und weiteren Mahonien. „Sie sollen im Winter die triste, zumeist laublose Natur ein wenig aufheitern“, erklärt Vornholt. Doch im Moment lassen die erwähnten Krokusse die Hänge lila und weiß erstrahlen.

Bevor die Gärtner mit dem Spaten anrücken, studieren sie im Schlossarchiv die Pflanzlisten ihrer Vorgänger und halten sich streng daran, denn sie betreiben Gartendenkmalpflege. Kürzlich stießen sie auf den Blauglockenbaum – ein solcher stand ehedem ebenfalls im Boskett und wurde dort nun wieder platziert.

Die meisten neuen Bäume wurden aber im unteren Schlosspark gepflanzt. Ans nördliche Teichufer setzten sie einen Schnurrbaum, einen tatarischen Ahorn und eine Pappel – alles bereits große Exemplare. Dass diese exotischen Bäume einst im Schlosspark zu finden waren, entnahm Vornholt dem Herbarium von Pfarrer Adolf Becker aus dem Jahre 1845, das vor einigen Jahren in den Beständen des Senckenberg-Museums auftauchte. Der Geistliche hatte Laub der damals in der Region wachsenden Pflanzen gepresst und in Schönschrift die lateinischen Namen nebst Standort dazu vermerkt. „Acer tataricus 1851“ steht dort in schwungvollen Lettern. Das Bäumchen wurde Ex-Schlossdirektor Karl Weber gewidmet.

Am südlichen Teichufer wurde eine Hängeweide ersetzt, die im vergangenen Herbst umgefallen war. Auf der Wiese der früheren Lederfabrik – dort, wo im Winter die Schafe weideten – haben die Schlossgärtner fünf weitere Birken gesetzt. Auch die „Fantasie“ rund um das ehemalige Teehäuschen haben die Gärtner ein wenig aufgemöbelt. Um den hainartigen Charakter dieses nahe dem Hindenburgring gelegenen Parkteils zu unterstreichen, fanden dort 20 Fichten, 10 Lärchen und eine Stieleiche ihren Standort. Vornholt: „Ziel ist es, die Kronen der Fichten und Lärchen auf einem möglichst hohen Stamm tragen zu lassen, damit der Durchblick unter den Bäumen für den Betrachter, wie in einem Lusthain, immer frei bleibt.“

Derzeit erinnert die „Fantasie“ allerdings wenig an einen Lusthain – der Verkehrslärm ist präsent und das

Teehäuschen wartet

– eingehüllt in Plastikplane – auf seine Sanierung. Landgräfin Caroline von Hessen-Homburg ließ 1772 neben dem Obstgarten auf einem erhöht liegenden Punkt ein kleines Teehaus in der Gestalt eines „chinesischen Pavillons“ anlegen. Von dort kann man über den Teich hinweg die Pracht des ausgeklügelt bepflanzten Burgbergs mit Weißem Turm und Romanischer Halle begutachten. Mit einer Rekonstruktion der verloren gegangenen Teile soll das Teehaus sein ursprüngliches Aussehen zurückerhalten. Die Wiederherstellung hat sich das Kuratorium Bad Homburger Schloss für kommenden Sommer vorgenommen.

Bereits in den nächsten Wochen geht es rund um den Weißen Turm zur Sache: Wie Schloss-Verwaltungsleiter Norbert Lehrer berichtet, bekommt der obere Schlosshof neuen Kies. In den vergangenen Monaten wurden die diversen Skulpturen im Schlosspark gereinigt und restauriert, etwa die von Landgraf Friedrich am Weißen Turm oder das Leopold-Denkmal auf der einstigen Tenniswiese.

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