Terminorganisation

Homburgerin entwickelt eine App für „Pendelkinder“

  • Sabine Münstermann
    vonSabine Münstermann
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Den Alltag mit Kindern gescheit zu organisieren, ist für Familien oft eine Herausforderung: Wer geht zum Elternabend welches Kindes? Wer organisiert den Hol- und Bringservice zur Pyjama-Party? Wer besorgt die Schulsachen? Für getrennt lebende Elternteile ist die Sache noch komplizierter, denn sie können nicht mal eben abends auf dem Sofa Termine besprechen. Eine App soll ihnen jetzt helfen. Entwickeln will sie eine Bad Homburgerin.

Dass sie einmal alleinerziehend sein würde, hätte sich Verena Meye auch nicht vorgestellt. „Natürlich nicht“, sagt sie und erklärt: „Ich war mit meiner Jugendliebe zusammen, wir wünschten uns ein Kind – aber dann ging die Beziehung schon während der Schwangerschaft in die Brüche.“ Knapp sieben Jahre ist das jetzt her, und seither zieht Meye die gemeinsame Tochter Sahra (6) alleine groß. „Aber natürlich soll der Vater meiner Tochter Kontakt zu seinem Kind haben und Teil haben an seinem Leben“, sagt sie. Allein – das Ganze gescheit zu organisieren, sei nicht ganz so leicht.

Das Leben erleichtern

„Zusammenlebende Paare setzen sich abends gemeinsam auf die Couch und besprechen, was ansteht: Elternabend, Kennenlernnachmittage, Sportveranstaltungen, die Organisation der Geburtstagsfeier fürs Kind, das Geschenke-Besorgen für andere Kinder, bei denen das eigene eingeladen ist, die Einkaufsliste fürs neue Schuljahr, Arzt- und Friseurtermine – die Liste ist ja endlos“, sagt die 36 Jahre alte Bad Homburgerin. Für getrennt Lebende sei diese Terminplanung ungleich schwerer. „Sie müssen viel telefonieren, SMSen, mailen, whatsappen – und unterwegs geht dann doch immer irgendeine Information verloren“, weiß Meye aus eigener Erfahrung. Wie könnte man das nur in den Griff bekommen, und den getrennt Lebenden die gemeinsame Organisation erleichtern, habe sie sich gefragt. Vor allem: „Wie kann man das auf eine sachliche Weise anstellen, ohne dass es um Schuldfragen geht, wenn einer mal einen Termin verbaselt hat?“, fragte sich Meye.

Zu der Zeit arbeitete die gelernte Grafikerin im Familienbetrieb bei Feinkost Lautenschläger in der Bad Homburger Innenstadt. „Ich wollte aber schon immer etwas Eigenes machen, und das Bedürfnis, aus meinen eigenen Erfahrungen heraus etwas für andere tun zu können, nahm schon damals einen großen Platz in meinem Leben ein“, sagt sie. Das Aha-Erlebnis sei gekommen, als sie den Tipp bekommen habe, den Ex-Partner wie einen Geschäftspartner zu behandeln. „Da machte es Klick, denn ich habe da verstanden, dass es um gleiche Ziele geht, aber eben nicht um Emotionen. Ich dachte mir, damit lässt sich etwas anfangen.“

Herausgekommen ist die Idee zu einer ganz besonderen App mit dem Namen „Pendelkinder“. Über die sollen die Kalender der getrennt lebenden Eltern aufeinander abgestimmt werden können. „Es geht aber nicht nur um die reine Terminplanung und -abstimmung, sondern auch darum, entsprechende Kontaktdaten und Verlaufsprotokolle darin unterzubringen – „damit niemand hinterher sagen kann, er habe gar nicht die Adresse des Ausflugs oder des Kindergeburtstages gehabt oder sich ohnehin nicht dazu bereiterklärt, diesen oder jenen Fahrdienst zu übernehmen“, erklärt Meye und fügt hinzu: „Das Protokoll belegt alles und nimmt auf diese Weise Emotionalität heraus. Alles bleibt nüchtern, das Stresslevel damit gering.“ Auch, weil Meye auf bildliche Kommunikation mit Emojis und Co. verzichtet. „Es ist wichtig, klar zu formulieren und nicht einfach nur ein Bildchen zu schicken.“

Geld per Crowdfunding

Auch die direkte Kommunikation soll über die App „Pendelkinder“ erleichtert werden. „Ich möchte einen eigenen Messenger-Dienst darüber anschließen, so dass man nicht erst über Whatsapp oder andere Dienste dieser Art gehen muss“, sagt Meye.

„Es ist mein Ziel, Trennungen und die bestehende Kommunikation mit dem Expartner ein wenig erträglicher zu machen, so dass die Kinder keine Defizite erfahren müssen“, sagt Meye auch auf der Homepage der Crowdfunding-Plattform „Startnext“ (siehe Text unten). Dort hat sich die Bad Homburgerin nämlich angemeldet, um Geld für die Entwicklung der App zu sammeln. 25 000 Euro sind das Ziel, 2665 hat sie schon zusammen.

Wer das Vorhaben mitfinanzieren möchte, klickt auf für weitere Infos.

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