Prozess

Wie eine zerschnittene Plane eine seit Generationen währende Nachbarschaftsfeindschaft nährt

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Es ging nur um ein zerschnittenes Verdeck eines Anhängers. Doch bei Gericht schwang eine in der Landgrafenstraße seit Generationen währende Nachbarschaftsfeindschaft mit.

Bad Homburg - Ein Homburger (39) musste sich wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung vor dem hiesigen Amtsgericht verantworten. Laut Anklage hatte der Mann am 24. Juni vergangenen Jahres, gegen 23.30 Uhr, in der Landgrafenstraße mit einem unbekannten Gegenstand das Verdeck eines dort abgestellten Fahrzeuganhängers zerschnitten und hierbei 500 Euro Schaden verursacht.

Er habe nichts mit der Sache zu tun, sagte der 39-Jährige in der Verhandlung. Allerdings räumte er ein, dass es möglich sei, dass er sich in jener Juninacht in Nähe des Fahrzeuganhängers aufgehalten habe. Denn er sei öfters mit seinem Hund unterwegs.

Jedoch lagen dem Gericht lagen Zeugenaussagen vor, die den 39-Jährigen erheblich belasteten. Eine 62 Jahre alte Frau, die in unmittelbarer Nähe des Tatorts wohnt, will beobachtet haben, wie der Angeklagte das Verdeck aufschnitt. Sie war nun vom Gericht zur Anhörung vorgeladen worden.

Attestierte Angststörungen von Zeugin vor dem Angeklagten

Es war zwar nicht ihr Auto, um das es ging. Allerdings erfolgte ihre Zeugenaussage mit ungewöhnlichen Begleitumständen. Die Zeugin legte der Richterin in der Verhandlung ein Attest vor, worin ihr ärztlich bescheinigt wurde, dass sie beim Anblick des Angeklagten unter Angststörungen leide. Auf ihren Antrag hin schloss das Gericht den 39-Jährigen bei Anhörung dieser Zeugin in der Verhandlung aus. Doch die Anwältin und der Stiefvater des Angeklagten waren bei der Zeugenaussage zugegen.

Wie in der Verhandlung bekannt wurde, gibt es zwischen zwei dort wohnenden Familien schon seit Generationen Spannungen, die auch bereits zu Gerichtsverfahren geführt hatten. Die 62-Jährige trug vor, dass sie zur fraglichen Zeit von ihrem Schlafzimmer aus verdächtige Geräusche vor ihrem Fenster gehört habe. Als sie hinaussah, habe sie den Angeklagten im Licht der Straßenlaterne erkannt. Zuvor habe sie ein Schnittgeräusch wahrgenommen; dieses könne ja nur der 39-Jährige verursacht haben. Also komme nur er als Täter in Frage.

Der Angeklagte blieb dabei: Er habe mit der Tat nichts zu tun. Die Richterin versuchte das Verfahren mit einer Kompromisslösung abzuschließen. Der Angeklagte solle der Besitzerin des Anhängers den Schaden zahlen. „Aber nur, wenn er weitere 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung überweist“, so die Anklagevertreterin. Doch der Kompromissvorschlag wurde vom Angeklagten abgelehnt. Die Vertreterin der Geschädigten sah den Angeklagten als überführt an. Es gebe keinerlei erkennbare Gründe, die Schilderung der neutralen Zeugin anzuzweifeln. Sie forderte eine Geldstrafe von 1800 Euro, gebildet aus 30 Tagessätzen zu je 60 Euro. Diesem folgte auch die Richterin.

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