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Küster Jako Pereica (rechts) leuchtet auf Wasserlaufspuren an der Holzschalung des Daches über dem Kirchenschiff. Volker Weber, Baufachmann im Kirchenvorstand, Pfarrerin Astrid Bender und KV-Vorsitzende Petra Kühl (von links) haben jede Menge Planungsarbeit hinter sich.

Kosten: 1,2 Millionen Euro

Erlöserkirche in Bad Homburg ist von März an geschlossen: Im Sommer kommt das neue Dach

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Vor drei Jahren fielen bei einer Dachraumbegehung im Innern der Erlöserkirche Wasserlaufspuren an der Schalung auf. Die Protestanten erfuhren, dass das Schieferdach neu gedeckt werden muss. Jetzt steht der Zeitplan. Der kommende Sommer wird viel abfordern – von der Gemeinde und den Besuchern.

Bad Homburg - Die Welt wurde nicht an einem Tag erschaffen, doch die Erlöserkirche in immerhin fünf Jahren. Den Rohbau erschuf die Firma Philipp Holzmann aus Frankfurt, und das Gebäude steht auch 110 Jahre nach seiner Einweihung noch in unveränderter Pracht. Doch in diesem Jahr steht dem Gotteshaus die wohl größte Baumaßnahme seiner Geschichte bevor. Das Schieferdach des Kirchenschiffes, zuletzt erneuert in den 1960er Jahren, ist undicht und muss neu gedeckt werden. Die Kupferdächer der vier Türme sind nicht betroffen.

Regen ist durch den Schiefer gedrungen. Die Holzschalung darunter weist viele Nassstellen auf.

Ans Licht kamen die Schäden vor drei Jahren bei einer Begehung. Verdächtige Flecken in der Holzschalung ließen auf Undichtigkeiten schließen. Ein Jahr lang ließ die Gemeinde untersuchen, was zu tun ist. „Nun sind alle Gutachten da“, erzählt Volker Weber, der sich im Kirchenvorstand (KV) ehrenamtlich um Bauthemen kümmert. Zum Glück habe die Baubiologin keinen Pilzbefall festgestellt. Jedoch müssen nach den Dacharbeiten auch noch die Bleiverglasungen aller Fenster ausgetauscht und die Elektrik in der Oberkirche erneuert werden.

Osterfeier noch in der Kirche

Im November wurden die Maßnahmen ausgeschrieben und die Angebote kurz vor Weihnachten gemeinsam mit dem Architekten verglichen. Nächste Woche werden die Aufträge versendet. In der Fastnachtswoche Anfang März wird das Kirchengelände zur Baustelle. Ein Gerüst wird gestellt; der Eingang überdacht. „Ostern feien wir noch in unserer Kirche“, sagt Pfarrerin Astrid Bender. Auf Vorplatz und Parkplätzen werden dann schon Baucontainer stehen. Nach den Feiertagen – Ende April – wird das Gebäude für gut drei Monate gesperrt sein. In dieser Zeit wird eine Firma, die auch schon in St. Marien und im Frankfurter Dom tätig war, die Schieferdeckung Stück für Stück entfernen und erneuern.

Nachbarschaftshilfe

Zwar wird man unter der Mosaikkuppel davon nichts mitbekommen. Menschen dürfen sich jedoch aus Sicherheitsgründen nicht in und rund um die Kirche aufhalten. „Mehrere Tonnen Schiefer werden entfernt“, erläutert die KV-Vorsitzende Petra Kühl – da könne es zu Abbrüchen und statischen Unwägbarkeiten kommen.

Nicht nur Besucher werden enttäuscht sein, das Wahrzeichen gegenüber dem Schloss im Sommer verschlossen vorzufinden. Auch für die Gemeinde wird es eine schwierige Zeit. Die Schlosskirche wird Ausweichort für Konzerte. Gottesdienste werden in der Unterkirche stattfinden; für besondere Anlässe wie die diesjährige Konfirmation hat die St. Marienkirche Nachbarschaftshilfe angeboten. „Darüber sind wir sehr froh“, sagen Weber, Bender und Kühl unisono. „Ein neuerliches Zeichen herzlicher ökumenischer Verbundenheit“, so Weber. Als vor einigen Jahren die Marienkirche saniert wurde, erhielten die Katholiken Asyl in der Erlöserkirche.

Besonderer Schiefer

Ende August, hofft Weber, sollte das Kirchenschiff wieder benutzbar sein. Die Lesung mit Christian Berkel beim Poesie-Festival am 14. September steht unter Vorbehalt. „Der Baufortschritt hängt natürlich vom Wetter ab“, räumt er ein – bei Wind, Nässe oder großer Hitze kann auf einem Schieferdach nicht gearbeitet werden. Eine weitere Unwägbarkeit für den Baufortschritt ist der Baustoff: „Der Denkmalschutz fordert deutschen Schiefer“, erläutert Kühl. Er werde in großer Tiefe im Westerwald abgebaut und weise die geforderten Unregelmäßigkeiten auf. „Altdeutsche Deckung“ nennt sich das. 1500 Quadratmeter Schiefer werden gebraucht.

Benefizkonzert

Ein Grund für die Leckage im Dach ist nach Ansicht der Experten auch die Sparsamkeit, mit der in den 1960er Jahren gedeckt wurde. „Damals betrug die Überlappung der Schieferplatten nur drei Zentimeter“, erklärt Weber. Die neuen Schieferplatten werden dichter angeordnet sein.

Bei der jüngsten Deckung in den 1960ern wurden die Schieferplatten nur 3 Zentimeter übereinandergelegt.

Die gesamte Maßnahme wird mindestens 1,2 Millionen Euro kosten. 80 Prozent trägt die Landeskirche, doch es sind noch immer 240 000 Euro, die an der Gemeinde hängenbleiben. Allein mit 150 000 Euro schlägt das Gerüst zu Buche. „Unsere Rücklagen reichen nicht“, erklärt Petra Kühl. Die Stadt habe bereits signalisiert, helfen zu wollen, aber noch keinen Betrag in Aussicht gestellt. Kleinere Beträge bekam die Gemeinde von einer kirchennahen Stiftung sowie Nachkommen der kaiserlichen Familie – die Erlöserkirche war 1903 bis 1908 auf Initiative von Kaiser Wilhelm II. gebaut worden.

Am 31. März (17 Uhr) findet in der Kirche ein Benefizkonzert mit dem Titel „Unter einem Dach“ statt. Bach- und Kammerchor unter Leitung von Susanne Rohn sowie der Gospelchor „PraiSing“ unter Leitung von Heidi Steiner singen zugunsten der Renovierung. Eintritt: 18, ermäßigt 15 Euro.

Dach-Devotionalien

Um weiteres Geld zu generieren, wollen sich die Aktiven der Gemeinde eine Reihe von Aktionen ausdenken, die Homburger und Menschen, die sich mit der Kirche verbunden fühlen, zum Spenden zu motivieren. „Wir holen ja eine Menge Schiefer herunter“, sinniert Petra Kühl. Daraus könnte man originelle Devotionalien basteln. Am Gerüst soll zudem ein Transparent befestigt werden mit einem QR-Code, unter dem Interessierte sehen, wie das Defizit schrumpft.

Allerdings steht das nächste Vorhaben schon an: Die Bachorgel muss renoviert, die Sauer-Orgel gereinigt werden. „Dies wird uns insgesamt rund 100 000 Euro kosten“, so Kühl. Was hier gemacht werden muss, lesen Sie in einer unserer nächsten Ausgaben.

Spenden werden benötigt

Die Erlöserkirchengemeinde hat bei der Taunus Sparkasse ein Spendenkonto eingerichtet. Es hat die IBAN DE59 5125 0000 0001 0885 80, Stichwort „Dachsanierung Erlöserkirche“.

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