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Förster Günter Busch mit seiner Hündin Bea auf einer kahl geschlagenen Fläche im Stadtwald. Hitze und Trockenheit des vergangenen Sommers haben Bäume absterben lassen oder geschwächt. Hinzu kam eine explosionsartige Vermehrung von Schädlingen. Da half dann nur noch die Motorsäge.

Buchen und Fichten müssen gefällt werden

Hitzesommer 2018 setzt dem Bad Homburger Stadtwald zu

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Die Situation im Stadtwald ist paradox. Zwar hat man einen Überschuss von 42 100 Euro eingefahren, doch darüber freuen kann sich Revierförster Günter Busch nicht.

Zu heiß, zu trocken. Der Sommer 2018 hat dem 1275 Hektar großen Stadtwald mächtig zugesetzt. „Bei uns sind flächig Bäume abgestorben“, berichtet Revierförster Günter Busch. Vor allem den Fichten hatten unter dem Dürre-Sommer zu leiden, aber auch Buchen sind in nicht unerheblichem Maße eingegangen. Und selbst wenn Bäume der Trockenheit trotzen konnten, so haben Borkenkäfer, Buchenprachtkäfer und Buchenborkenkäfer vielen von ihnen den Rest gegeben. „Das Klima war ideal für Borkenkäfer, die im vergangenen Jahr bis zu drei Generationen heranziehen konnten“, sagt Busch. Üblich sei nur eine einzige.

Um die Schäden in Grenzen zu halten, wurden nicht nur die bereits abgestorbenen, sondern auch von Schädlingen befallene Bäume gefällt, die dann möglichst schnell aus dem Wald gebracht werden mussten. Alleine rund 10 000 Fichten wurden niedergelegt. Was die Sache nicht einfacher machte: Überall in Europa gab es die gleichen Problem, überall musste deshalb zur Säge gegriffen werden. Forstbetriebe waren ausgebucht gewesen, der Holzpreis kollabierte angesichts der Flut von Fichtenholz, das auf den Markt drängte und brachte nur rund ein Drittel des sonst üblichen Erlöses. Und selbst wenn man – wie die Stadt - einen Käufer für das Holz gefunden hatte, musste es erstmal zum Käufer gebracht werden. „Wir haben das Holz nach China verkauft. Üblicherweise wird es im Wald in Container verladen und nach Hanau gebracht. Dort wird es nach Rotterdam eingeschifft. Aber wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein war da nicht möglich“, schildert der Förster die auftretenden Probleme. Deshalb sei man auf die Bahn ausgewichen, was aber nicht so ganz einfach gewesen sei.

Riesige Polder werden an Wegen im Bad Homburger Stadtwald aufgesetzt und warten dann auf den Abtransport.

Überschuss erwirtschaftet

Dennoch: Alles in allem sei man mit einem blauen Auge davon gekommen. Man habe einen Überschuss erwirtschaftet von 42 100 Euro erwirtschaftet, weil man gezwungen gewesen sei, mehr Holz zu verkaufen als im Wirtschaftsplan vorgesehen. „Das bedeutet aber auch, dass wir in den kommenden Jahren weniger Holz einschlagen können. Was weg ist , ist weg“, so Busch. Schließlich dauere es um die 60 bis 70 Jahre bis die Fichtenbestände nachgewachsen wären.

Ob man noch einmal auf Fichten setzen wird, ist fraglich. Man wolle auf den Klimawandel reagieren und Bäume setzen, die warme und längere Trockenphasen überstehen können. Keine leichte Aufgabe, denn immer wieder werden Förster mit neuen Sachverhalten konfrontiert. Esskastanien, die als hitzerobust gelten, haben plötzlich Pilze, auch der Ahorn kränkelt, hinzu kommen neue Schädlinge wie der Eichenprozessionsspinner, der immer häufiger auftaucht. „Wir doktern hier an den Symptomen des Klimawandels herum“, sagt Busch. In 14 Tagen wer man voraussichtlich mit den Aufräumarbeiten im Wald fertig sein. Vorausgesetzt, es fegt kein Sturm mehr in den Bestand, denn die Bäume seien geschwächt.

Wald wird als Erholungsort gesehen

Was der Stadt in die Hände spielt: Bad Homburg versteht den Wald in erster Linie als ein Erholungs- und nicht als Wirtschaftswald. Das sei ein Standortfaktor, verdeutlicht die zuständige Dezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD). Daran wolle man auch in Zukunft nicht rütteln. „Da verzichten wir lieber auf kurzfristige Einnahmen“, sagt sie. Und auch in anderer Form kommt diese Sicht der Dinge dem Wald zugute. „Wir haben den Bereich an den Buschwiesen mit seinem 240 Jahre alten Eichenbestand aus der Beforstung genommen“, sagt Busch. Dort gebe es viele Pflanzen- und Tierarten, die man aus Gründen der Biodiversität schützen wolle. Aber auch hier gelte: „Noch so einen Sommer können wir wirklich nicht gebrauchen.“

Box: Bewirtschaftung in Eigenregie

Viele Kommunen müssen derzeit neue Wege beim Holzverkauf gehen. Eine Entscheidung des Bundeskartellamtes macht dies notwendig. „Wir sind davon nicht betroffen“, betont Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD), denn schließlich setze man schon seit dem Jahr 2005 auf eine Eigenbeförsterung des Stadtwaldes. Eine Entscheidung, die damals nicht unumstritten gewesen sei, aber die sich bewährt habe. Mittlerweile würden immer mehr Kommunen dem Homburger Beispiel folgen.

Die Vorteil liegen für die Dezernentin auf der Hand. Denn wenn man selbst verantwortlich für den Wald sei, können man viel schneller auf plötzlich auftretende Situationen reagieren. Bei einer gemeinsamen Waldbewirtschaftung über einen Zweckverband müsse man sich dagegen stets mit anderen Kommunen abstimmen. Das sieht auch Förster Günter Busch so: „Der Wald ist ohne Zweifel ein Standortfaktor. Das einem externen Dienstleister zu überlasen, ist nicht empfehlenswert.“ aw

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