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Philipp Aniol betreibt in Ober-Erlenbach eine Post-Agentur. Immer wieder kommt es vor, dass er Überweisungen für seine Kunden vornehmen muss, die ihm ausgesprochen spanisch vorkommen. Da schaltet er sich ein und versucht, die Kunden zu warnen.

Immer neue Maschen

Philipp Aniol bewahrt Seniorin vor dreisten Betrügern – und das schon zum zweiten Mal

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Mit falschen Versprechungen gaukeln sie den großen Gewinn oder die große Liebe vor – und lassen sich immer neue Maschen einfallen, mit denen sie gutgläubige Menschen blenden. Die Rede ist von Betrügern. Der Ober-Erlenbacher Philipp Aniol hat vor zweieinhalb Jahren schon einmal eine Seniorin davor bewahrt, Opfer eines solchen Betrugs zu werden. Jetzt scheint es, als seien die Gauner wieder auf Beutefang.

Ober-Erlenbach - Überweisungen zu tätigen oder Briefe zu versenden, diese Aufgaben gehören zum täglichen Geschäft von Philipp Aniol, der in Ober-Erlenbach eine Post-Agentur betreibt. Immer wieder kommt es vor, dass er Überweisungen für seine Kunden vornehmen muss, die ihm ausgesprochen spanisch vorkommen. Schon im Jahr 2016 hat er durch seine Hartnäckigkeit verhindert, dass eine Seniorin Geld an Betrüger verlor. Damals wollte eine Kundin Geld in die Türkei überweisen, zur Filiale der dortigen Western Union, eines weltweit agierenden Anbieters von Geldtransfers. „Und eines Instituts, auf das nach Zeitungsberichten auch leider viele Betrüger setzen“, sagte Aniol damals. 

Gutgläubiger Senior will "russischer Dame" Geld schicken

Auch jetzt sei er wieder hellhörig geworden, als ein Rentner vor ihm gestanden habe und „einer russischen Dame“ 400 Euro schicken wollte. Aniol: „Ich habe ihn vermehrt darauf hingewiesen, dass dies vermutlich ein Betrug ist, dass die Adresse, die die Dame angibt, wahrscheinlich gar nicht existiert. Aber er meinte, er würde der Frau doch auch Briefe schreiben, und die seien ja immer angekommen.“

Natürlich sind Aniol die Hände gebunden, denn wenn ein Kunde sein eigenes Geld transferieren möchte, hat Aniol keine Handhabe. In seiner Not wandte er sich deswegen an die Polizei und auch an diese Zeitung.

Das Phänomen ist der Polizei nicht unbekannt, „die Betrüger wechseln nur immer wieder den Modus“, erklärt Polizeisprecher Ingo Paul auf Anfrage dieser Zeitung. Mal gehe es um große Gewinnversprechen, mal um die große Liebe. „Aber natürlich geht es immer darum, gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen“, betont Paul. Eine Häufung solcher versuchten Betrügereien habe das Betrugskommissariat der Polizeidirektion Hochtaunus derzeit allerdings nicht festgestellt. Und auch nicht, dass zwangsläufig bestimmte Kreditinstitute von den Betrügern genutzt würden. „Der Geldtransfer kann heute auch über Guthabenkarten erfolgen, wie man sie an jeder Tankstelle kaufen kann.“ 

Polizei kann Senior vor einem Unglück bewahren

Und natürlich seien die Betrüger gewieft. Der Rentner, der der russischen Dame 400 Euro schicken wollte, war jedenfalls fest davon überzeugt, dass sie „irgendwo in Russland auf einem Flughafen saß und das Geld benötigte, um sich ein Flugticket zu kaufen, um ihn zu besuchen“, sagt Aniol.

Erst der Polizei gelang es, den Rentner von seinem Vorhaben abzubringen. Aniol sagt: „Ich habe mich möglicherweise weit vorgewagt, indem ich mich bei Polizei und Presse gemeldet habe. Aber ich kann solche Leute doch nicht sehenden Auges in ihr Unglück rennen lassen.“

Allein ist er jetzt im Kampf gegen die Betrüger jedenfalls nicht. Polizeisprecher Ingo Paul will sich jetzt nämlich mit dem Bad Homburger „Schutzmann vor Ort“, Michael Krietsch, in Verbindung setzen, damit der gezielt Präventions- und Aufklärungsarbeit leistet.

Eine gute Idee. Denn kaum, dass die Polizei bei Aniol war, um sich um die Sache mit der 400-Euro-Überweisung des Rentners an die russische Betrügerin zu kümmern, stapften zwei Männer in seine Post-Filiale und versuchten, Aniol selbst mit einem Wechselbetrug über den Tisch zu ziehen. „Sie zahlten mit einem 100-Euro-Schein und taten dann so, als hätte ich ihnen nicht das richtige Wechselgeld herausgegeben“, sagt Aniol.

Er sei aber ganz cool geblieben, und habe auf die Videokameras in seinem Geschäft verwiesen. Die zeigten, dass das angeblich nicht von ihm herausgegebene Wechselgeld wie von Zauberhand klein zusammengefaltet auf dem Boden lag. Dort hätte der Betrüger es dann, wenn Aniol ihm nochmals Rückgeld gegeben hätte, ganz schnell wieder eingesammelt und somit doppelt Kasse gemacht.

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