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Der aktuelle Bebauungsplan erlaubt keine baulichen Veränderungen auf dem Golfplatz an den Röderwiesen. Deshalb soll nun ein neuer erstellt werden. Doch den dafür notwendigen Aufstellungsbeschluss hat der Magistrat gestern nicht verabschiedet. Foto: sto

Brisantes Thema um 4,4 Hektar Stadtwald

Bad Homburg: Golf Club pocht auf Erweiterung - Magistrat verschiebt Entscheidung über neuen Bebauungsplan

Der Magistrat sollte gestern den Weg frei machen für die Erstellung eines Bebauungsplans. Das ist Alltagsgeschäft – wenn es darin aber um die mögliche Erweiterung des Golfplatzes geht, wird die Sache brisant. Schließlich sollen 4,4 Hektar Stadtwald dem Club zur Verfügung gestellt werden.

Bad Homburg - 900 zahlende Mitglieder hat der Royal Homburger Golf Club (HGC), die Jugendsparte boomt. Doch gerade für sie fehlt es dem Verein an Bahnen und Übungsflächen. „Wir können uns hier am Standort an den Röderwiesen nicht mehr verändern. Das gibt der aktuelle B-Plan nicht her. So hat es das Regierungspräsidium (RP) uns klipp und klar mitgeteilt“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Dr. Robert Gaertner. Dabei sei Veränderung notwendig, um sich gegen die Konkurrenzdruck anderer Vereine in der Region zu behaupten.

Bauantrag von Golf Club in Bad Homburg bereits abgelehnt

Nachdem vor zwei Jahren das RP erneut einen Bauantrag des HGC abgelehnt hatte, trat der Verein an die Stadt heran, mit der Bitte, einen neuen B-Plan zu erstellen. Gestern hat die Stadt einen entsprechenden Aufstellungsbeschluss in den Magistrat eingebracht – was für reichlich Unruhe sorgt. Denn er sieht vor, dass 4,4 Hektar Stadtwald dem HGC zur Verfügung gestellt werden können. Das entspricht einer Fläche, die größer ist als sechs Fußballfelder. Für ihn sei die Waldfrage allerdings ein sekundärer Aspekt, sagt Gaertner. „Uns ist es viel wichtiger, wieder Handlungsspielraum auf unserem eigenen Gelände zu bekommen.“ Konkrete Pläne, eine weitere Bahn zu bauen, den Platz auf einen 72-Par-Kurs zu erweitern und somit für internationale Turniere spielberechtigt zu sein, gebe es derzeit nicht. Es sei auch fraglich, ob man das überhaupt wolle. Nach Rücksprache mit der Stadt habe man sich aber entschieden, diese Option zu erhalten. „Und selbst wenn es zum Ausbau kommt, werden sicherlich nicht 4,4 Hektar Fläche gerodet, sondern deutlich weniger“, sagt der Club-Vorsitzende. Ebenfalls selbstverständlich sei es, dass für jeden gefällten Baum Ersatz gepflanzt werde. Was Gaertner nicht sagt: Es dürfte schwer sein, mangels Flächen eine solche Ausgleichsmaßnahme im Stadtgebiet zu bewerkstelligen.

Zum Thema:  Royal Homburger GC: "Wir sind eine Talentschmiede"

Im politischen Raum ist man ohnehin misstrauisch, ob denn die theoretisch angedachte Erweiterung tatsächlich so theoretisch ist, wie behauptet. Schließlich gibt es die Idee für einen 72-Par-Kurs schon seit Jahrzehnten. Mit dem Aufstellungsbeschluss wäre ein möglicherweise unumkehrbarer Schritt in diese Richtung gemacht. FDP-Fraktionschef Wolfgang Hof spricht deshalb von „einem Wahnsinn“ und kündigt größtmöglichen Widerstand an. Auch bei der BLB ist man alles andere als begeistert: In Zeiten von Trockenheit und Klimawandel sei ein Abholzen nicht zu akzeptieren. Gleiches gilt für die Grünen: „Das ist mit Sicherheit keine Grünen-Politik, im Stadtwald Bäume zu fällen“, sagt Fraktionschefin Daniela Kraft. Auch bei der SPD, immerhin Mitglied der Koalition, ist man skeptisch, zumal man von der ganzen Thematik erst am Freitag erfahren habe. In den Koalitionsrunden sei darüber mit keinem Wort geredet worden, heißt es aus der SPD-Fraktion. Dabei hätte doch jedem klar sein müssen, dass dies ein sensibles Thema ist.

OB Hetjes nicht in Sitzung anwesend - Magistrat verschiebt Entscheidung

Zu viele offene Fragen für die Magistratsmitglieder, weswegen der Aufstellungsbeschluss erst einmal geschoben wurde. Was auch daran lag, dass der zuständige Dezernent, OB Alexander Hetjes (CDU), in der gestrigen Sitzung nicht anwesend war. Zwei Mitglieder des Magistrats hätten, wie zu hören war, den ganzen Aufstellungsbeschluss am liebsten gleich in die Tonne befördert – auch um der Stadt weitere Planungsausgaben in Höhe von geschätzt 250 000 Euro zu ersparen. So hoch dürften die Kosten für einen neuen B-Plan sein. Nach Informationen der TZ soll nun zunächst der Revierförster über Beschaffenheit und Zustand des Waldes befragt werden – auch das wurde bislang offenbar noch nicht gemacht. So herrscht angeblich auch keine Klarheit darüber, ob Teile des fraglichen Waldgebiets unter Schutz stehen. Selbst wenn es in absehbarer Zeit doch noch zum Aufstellungsbeschuss kommt, ist keineswegs klar, ob tatsächlich ein neuer B-Plan verabschiedet werden kann. Schließlich müssen dazu auch das Regierungspräsidium in Darmstadt und der Regionale Planungsverband Stellungnahmen abgeben. Und ob diese Gremien möglichen Baumfällarbeiten in einem größeren Umfang im Rhein-Main-Gebiet zustimmen, ist ungewiss. „Andererseits: Wir hätten auch nie gedacht, dass irgendwann mal Pferdekoppeln im Kirdorfer Feld genehmigt werden“, sagt Daniela Kraft.

Kommentar: Blauäugig

Mit dem Schieben der Entscheidung für einen neuen Golfplatz-B-Plan hat der Magistrat den Notausgang für Helden genommen und den handelnden Akteuren Zeit verschafft. Die ist bitter nötig, um zu überlegen, wie es jetzt weitergehen soll. Denn mit der eingebrachten Verwaltungsvorlage, hat sich OB und Planungsdezernent Alexander Hetjes (CDU) keinen Gefallen getan. Im Gegenteil: So wie es sich jetzt darstellt, war es ein reichlich blauäugiges Unterfangen. Das Thema Bad Homburg und Golfplatz ist seit 30 Jahren in der Stadt virulent und hat in der Vergangenheit immer wieder für Zündstoff gesorgt. Von daher musste man kein Hellseher sein, um zu wissen, dass eine Woge der Entrüstung losbrechen wird, wenn bekannt wird, dass die Stadt 4,4 Hektar Waldfläche für – optional oder nicht – eine Erweiterung des Platzes zur Verfügung stellt. Wenn man das machen will, dann muss die Politik vorab mit ins Boot geholt und das Verfahren transparent gestaltet werden. Dass man mit dem zuständigen Förster vorab nicht gesprochen hat und der Planungsdezernent bei der Magistratssitzung nicht anwesend war, passt ins Bild handwerklicher Fehler. Der Royal Homburger Golf Club boomt und macht eine gute Jugendarbeit. Daher ist es auch legitim, dass er die Möglichkeit erhalten will, seinen Kurs mittelfristig zu erweitern, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Allerdings, das muss auch dem Club klar sein, kann es keinen Blankoscheck auf die Erfüllung dieser Wünsche geben. Das haben jüngst die Volkshochschule, die dringend einen höheren städtischen Zuschuss benötigt, und die Feuerwehr Kirdorf, deren notwendige Sanierung des Gerätehauses seit Jahren verschoben wird, erfahren dürfen.

von Alexander Wächtershäuser

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