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Beim Richtfest gesellen sich die ausführenden Zimmerer Maximilian Becker, Sven Haupke, Marcel Termer und Karl-Josef Döpgen (von links), Vertreter der Bauherrschaft, neben die Gauben und zu dem Richtbaum, der am Freitag den Neubau schmückte.

Richtfest gefeiert

Wohnen mit Turmblick in der Bad Homburger Fußgängerzone

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Es gab unerwartete Dinge im Untergrund, und die ganze Baustelle mitten in der Fußgängerzone ist eine Herausforderung. Doch jetzt wurde im Rohbau Richtfest gefeiert. Ein Blick ins Innere überrascht.

Bad Homburg - Seit einem Jahr dreht sich der orangefarbene Kran über der oberen Louisenstraße. Fast hat man sich an die Baustelle gewöhnt. Welche Logistik hinter dem Bauzaun vor sich ging, ahnte kaum ein Passant. Das Altgebäude musste abgerissen, die Erde über die Fußgängerzone abtransportiert werden. Diese wurde kurzfristig gesperrt, als voriges Jahr per Autokran der Baukran aufgebaut wurde. In der Grube fanden die Arbeiter Reste eines alten Verbaus, der kubikzentimeterweise herausgeschlagen wurde. Um die Statik zu sichern, wurde ein eigener Verbau mit langen diagonalen Trägern eingebracht. Der Hochbau konnte starten.

Jetzt wurde im Neubau Louisenstraße 33–35 Richtfest gefeiert. Das Dach ist drauf; gut zu sehen sind die Balken für die späteren Gauben. Doch auch im entkernten Altbau nebenan wird gearbeitet – in der Louisenstraße 37 befand sich früher die Papeterie „Büro Becker“; jetzt wird das Erdgeschoss von der Parfümerie Douglas genutzt. Beide Gebäude gehören der Horst-Becker-Stiftung, in jedem von ihnen entstehen drei Mietwohnungen.

Vermietung in dem neuen Gebäude in der Fußgängerzone startet

Der Neubau auf dem ehemaligen Büro-Becker-Gelände ist fertig. Nun geht es an den Innenausbau, auch im Altbau (links über der Douglas-Filiale). Zur Louisenstraße (unten) hin entstehen in den Häusern sechs große Wohnungen.

Drei Etagen, drei Wohnungen – das klingt geräumig. Und in der Tat: In den künftigen Domizilen zur Louisenstraße hin wird niemand Platzangst bekommen. Sie sind zwischen 145 und 245 Quadratmeter groß. „Es gibt eine Nachfrage für diese Größe in der Innenstadt“, berichtet Stiftungsvorstand Karl-Josef Döpgen. Von älteren Menschen etwa, die nach dem Tod des Ehepartners aus dem Haus im Hardtwald ausziehen, sich aber nicht wesentlich verkleinern wollen. Eine Anfrage habe er schon. „Aber wir starten die Vermietung erst, wenn man schon ein bisschen was sieht“, so Döpgen.

Was man vom Rohbau aus bereits sieht, ist die Aussicht von den Balkonen, die jede Wohnung haben wird. Dabei gilt: Je mehr Stufen im gemeinsamen Treppenhaus zwischen Alt- und Neubau erklommen wurden, desto mehr Türme der Bad Homburger „Skyline“ kommen ins Blickfeld (wobei es auch einen Lift gibt). Auf dem Neubau hätte die Stiftung gern eine Dachterrasse gebaut, doch da hatte die Bauaufsicht etwas dagegen. Sie bestand auch darauf, dass beide Gebäude eine Fassade aus einem Guss bekommen.

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Laut Bauleiter Daniel Jung werden die Domizile Mitte August bezugsfertig sein. Die Stiftung will einen Mietpreis von bis zu 18 Euro pro Quadratmeter aufrufen. Die Mieter werden jedoch von der Eisspeicherheizung profitieren. Sie funktioniert, grob gesagt, umgekehrt wie ein Kühlschrank. Auf dem Dach des Neubaus werden Absorberleitungen verlegt. Das Wasser darin nimmt die Wärme der Sonne auf und wird in einen unterirdischen Tank geleitet, der 360 000 Liter fasst. Dort wird die Wärme in Energie umgewandelt. Die Stromkosten sinken enorm – und umweltfreundlich ist es auch noch.

Im hinteren Teil des Geländes, zur Dorotheenstraße hin, wurde ein weiterer, zweiteiliger Neubau errichtet. In der Louisenstraße 35 a und 35 b sind auf drei Etagen sechs Eigentumswohnungen entstanden, die alle bereits verkauft sind. Die Übergabe ist für Ende April avisiert. Die obere Etage wird komplett von einer Person genutzt werden; sie wird drei Terrassen und zwei Balkone zur Verfügung haben.

Parfümerie "Douglas" vergrößert sich

„Das wird unsere grüne Oase“, erklärt Stiftungsvorstand Döpgen, als er auf den kleinen Platz in der Mitte des Grundstücks tritt. Noch steht hier der Kran, der voraussichtlich Anfang Mai in einer spektakulären Aktion abgebaut wird. Weil die Baustelle so eng ist, musste er im vorigen Sommer einbetoniert werden. „Oben wird er abgeschnitten, das Fundament bleibt im Boden“, erläutert Döpgen. Der Rest des Krans werde in Teilen übers Dach des Neubaus gehievt und über die Louisenstraße abtransportiert. Dazu wird die Fußgängerzone voraussichtlich erneut für einen Sonntag gesperrt.

Die Parfümerie Douglas wird Mitte April von ihrer schmalen Interimsfläche in den Neubau umziehen. Auf 240 Quadratmetern wird ein moderner Laden mit „Schminkinseln“ und sichtbaren, schwarz lackierten Installationen an der Decke entstehen. Fast, erzählt Döpgen, hätte Douglas die Stadt nach 40 Jahren verlassen. „Dann habe ich da mal angerufen.“ Eine weitere Ladenfläche von 60 Quadratmetern ist noch nicht vergeben. Über dem Eingang in das Wohn- und Geschäftshaus wird der Schriftzug „Horst-Becker-Haus“ angebracht. „Der Name soll in Bad Homburg erhalten bleiben.“

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