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So sieht es aus, wenn Vincent Bujor in seinem Tonstudio in Kalifornien bei der Arbeit ist. Derzeit ist er wegen der Corona-Krise allerdings bei seinen Eltern im Taunus. Foto: Philip Reinking

Das Tonstudio hat er praktisch immer dabei

Bad Homburg/Oberursel: KFG-Schüler macht Musik-Karriere in den USA

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Vincent Bujor, ein ehemaliger KFG-Schüler, ist Musikproduzent in den USA, war mit seiner Musik aktuell sogar für einen Grammy nominiert. Wegen Corona ist er derzeit bei seiner Familie im Taunus.

Eigentlich lebt er in den USA - aber mit Beginn der Corona-Krise schien es ihm geboten, zurück nach Deutschland zu kommen, um bei seiner Familie zu sein, denn die lebt im Taunus. Die Rede ist von Vincent Gérard Bujor, einem ehemaligen Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums. In den Vereinigten Staaten macht er derzeit Karriere als Musiker, Pop-Klavierkünstler, Arrangeur und Komponist. Jüngst war ein Werk, an dem er mitgearbeitet hat, sogar für einen Grammy nominiert.

Von musikalischer Leidenschaft und Erfolgen wie diesen hat er geträumt, als er vor sieben Jahren, anlässlich der damaligen Abiturfeier am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium, das Publikum mit seiner Interpretation von Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 begeisterte. Denn Musik, die spielte im Leben des mittlerweile 24-Jährigen schon immer eine große Rolle. Seit seinem fünften Lebensjahr nahm er Klavierunterricht in Frankfurt am Main, zuerst beim Konzertpianisten Alexander Schawgulidse, 2008 wechselte er ans Dr. Hoch's Konservatorium. Inzwischen, als er in die fünfte Klasse kam, war seine Familie von Frankfurt nach Oberursel Bujor umgezogen, und er besuchte das Bad Homburger Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG).

Hier spielte er unter dem Friedrichsdorfer Konzertpianisten und Musiklehrer Lars Keitel im Orchester und durfte beim Festakt zu seiner eigenen Abiturfeier im Jahr 2013 das Publikum mit besagtem Klavierkonzert Nr. 2 von Rachmaninow erfreuen.

Sieben Jahre sind seither vergangen, und Bujor ist mittlerweile gut im Musikgeschäft dabei. Die Anchor Productions im US-amerikanischen Nashville, Tennessee, hatte ihm vor einigen Jahren einen Vertrag angeboten. Mit denen und ihrem Hauptproduzenten Ed Cash hat Bujor bereits zusammengearbeitet. Er hat gemeinsam mit dem mehrfach für einen Grammy nominierten Produzenten und Songwriter Cash und dem bekannten Sänger Chris Tomlin ein Pop-Album aufgenommen, das vor zwei Jahren herauskam. "Holy Roar" ist es betitelt, war ziemlich erfolgreich - und kam so gut an, dass es zuletzt sogar für einen Grammy nominiert war. "Da hat sich die viele Arbeit ausgezahlt, denn bereits eine Nominierung ist in der Branche so etwas wie ein Ritterschlag, und ich bin ein kleines bisschen stolz darauf", sagt Bujor.

Viel läuft über persönliche Kontakte

Nicht, dass der Erfolg einfach so kam - davor haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt: Bujor studierte von 2013 bis 2015 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, unterrichtet von Professor Eike Wernhard setzte er im Hauptfach Klavier seine künstlerische Laufbahn fort. Dabei heimste er bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben auch viele Preise ein, unter anderem den ersten Preis 2005 und 2008 bei "Jugend musiziert". Dann folgte 2015 das Studium an der Hochschule für Musik in Detmold, weil er neben seiner klassischen Klavierausbildung noch ein weiteres musikalisches Feld abdecken wollte und sich deswegen für den Studiengang Musikübertragung, also Tonmeister, entschied.

Diese multiple Ausbildung hat zuletzt dafür gesorgt, dass man in seiner Wahlheimat Kalifornien - Bujor lebt in San Diego - auf ihn aufmerksam wurde und er immer mehr Aufträge bekam. So arbeitete er unter anderem mit Matt Maher und Dave Barns zusammen.

"Das läuft in der Regel über persönliche Kontakte", erklärt Bujor. "Ich bin zum Beispiel wegen eines Auftrags in einem Studio, ein anderer Künstler bekommt mit, dass ich nicht nur Klavier spiele, sondern auch meine Background-Vocals selbst einspielen kann, dann werden Visitenkarten getauscht, und wenn man Glück hat, bekommt man einen Anruf, weil sich jemand an einen erinnert." Genau so sei er zu seinem jüngsten Projekt gekommen. Er hat den Soundtrack für eine Doku-Serie über mentale Gesundheit gemacht, die demnächst in den USA anläuft.

"Das war nicht nur klasse, weil ich an etwas von inhaltlicher Bedeutung mitarbeiten konnte, sondern natürlich auch eine große Chance für mich, in der Filmindustrie Fuß zu fassen", sagt Bujor und erzählt, wie er an die musikalische Untermalung herangeht. "Viel habe ich im Studium gelernt, also wie man Klangfarben von Instrumenten idealerweise miteinander verknüpfen kann. Ich bin ja nun Audioingenieur."

Es sei ein bisschen wie beim Kochen. Ein guter Koch könne sich vorstellen, wie verschiedene Gewürze zusammen wirkten und welcher Geschmack in welcher Kombination zu erwarten sei. Ähnlich sei das für ihn beim Arrangieren und Komponieren von Musik. Für die musikalischen Untermalung habe er Vorlagen und Schnitte des Films bekommen und versucht, sich in die entsprechende Stimmung zu versetzen.

Wie Text, Bild und Ton zusammenpassen

"Ich habe mir angehört, mit welchem Text die Bilder unterlegt sind und stundenlange Videosequenzen angeschaut." Als er die Melodien im Kopf hatte, ging's dann an die Details. "Ich musste schon ab und an mal darum bitten, ein Video einen Moment länger laufen zu lassen, damit die Takte passen, denn die sind nicht so flexibel wie die Bilder."

Kann er von seiner Musik leben? "Kann ich", sagt er lachend, erinnert sich aber noch gut daran, dass er durchaus ein bisschen Bammel hatte vor der eigenen Courage, einfach so auf einen anderen Kontinent zu ziehen und davon abhängig zu sein, dass er für ein Projekt gebucht wird. "Das ist eben anders, als wenn man einen unbefristeten Job in einer Firma hätte."

Dass er derzeit weit weg von seinem eigenen Tonstudio ist, weil er sich vor Wochen dazu entschied, aufgrund der Corona-Krise bei seiner Familie im Taunus zu bleiben - "ich war in Sorge dass, wenn etwas mit meinen Eltern wäre, ich nicht zu ihnen kommen könnte", tut seiner Arbeit keinen Abbruch. "Ich habe ja mein kleines Tonstudio immer dabei. Mit der entsprechenden Software-Ausrüstung auf dem Laptop kann ich überall arbeiten. Und ein digitales Klavier habe ich in meinem Elternhaus auch noch, das stöpsle ich dann einfach an."

Sabine Münstermann

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