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Die traditionsreiche Engel-Apotheke am Schulberg mit dem darüberliegenden charakteristischen Erker. Die Fassade der rechten Gebäudehälfte ist ramponiert, seitdem im Januar 2017 eine Weihnachtslichterkette unsanft entfernt wurde.

Zu wenige Kunden

Bad Homburgs älteste Apotheke verlässt den Schulberg

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Seit 334 Jahren befindet sich am Schulberg Bad Homburgs älteste Apotheke. Sie wird in die Louisenstraße umziehen – aus zweierlei Gründen. Das denkmalgeschützte Haus, dessen Fassade seit einem Malheur ramponiert ist, soll profitieren.

Es ist ein Gebäude wie aus dem Bilderbuch. Ein Türmchen, reich verziertes Fachwerk und ein mehreckiger Erker, dessen Fuß den an der Ecke gelegenen Eingang zur Apotheke betont. Darüber blickt die goldene Figur eines Engels sinnierend in die Weite – den brauchen Kranke manchmal nebst der Medizin. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts residiert am Schulberg 7–9 Bad Homburgs älteste Apotheke (siehe kleiner Text rechts). Doch mit dieser Tradition soll jetzt Schluss sein. Die altehrwürdige Apotheke soll in die Louisenstraße umziehen.

Das hat finanzielle Gründe. „Am Schulberg ist eine Apotheke nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben“, erklärt Marc Schrott, seit Kurzem Eigentümer des Hauses. Sein Cousin Christoph Burggraf hat Anfang März die Apotheke übernommen. Doch der musste offenbar feststellen, dass das Wahren von Tradition einen zu hohen Preis hätte. Nun soll der Betrieb „mit Personal und Kundenstamm“, wie Schritt sagt, 150 Meter weiter wandern, ins ehemalige Teppichgeschäft Louisenstraße 32, neben der Buchhandlung Hugendubel. Dorthin kommen offenbar mehr Kunden – obwohl sich allein auf der Louisenstraße ein halbes Dutzend Apotheken ballen. Eine Bauvoranfrage hat Schrott bei der Stadt schon gestellt.

Was wohl Michael-Peter Stoll dazu sagen würde? 25 Jahre lang war Stoll Eigentümer der Engel-Apotheke. Im Wissen, dass 15 Pharmazeuten vor ihm unter dem Engel Heilmittel verkauft hatten, beschäftigte er sich viel mit der Historie des Hauses. Im April 2017 verstarb der versierte Kräuterkenner unerwartet. Kurz zuvor hatte er Haus und Geschäft an Dörthe Shtapit verkauft. Sie wiederum veräußerte das Gebäude an Marc Schrott. Schrott gehört auch die Central-Apotheke Steinbach; im dortigen Gewerbegebiet im Gründchen plant er weitere Investitionen.

Wann in Bad Homburg die Engel-Apotheke ausziehen wird, kann Schrott noch nicht sagen. Sobald in den Wohnungen obendrüber niemand mehr wohne, wolle er das Gebäude am Schulberg zunächst einmal einer Bestandsaufnahme unterziehen. Handwerker hätten ihn schon vom schlechten baulichen Zustand des alten Hauses unterrichtet. Dass überhaupt hinter die Fassade geguckt wurde, ist einem Malheur geschuldet: Im Januar 2017 beschädigte eine von der Stadt beauftragte Firma beim Abnehmen der Weihnachtsbeleuchtung die Fassade – der Haken war an einem morschen Balken befestigt. Seitdem ist die Fassade abgeklebt; wegen drohender herunterfallender Teile war der Bürgersteig monatelang abgesperrt. Auf 20 000 Euro schätzte die Vorbesitzerin damals die Reparaturkosten – der Denkmalschutz redet mit. Marc Schrott glaubt, dass sich weitere Schäden hinter der Fassade verbergen, das Gebäude bereits im Krieg Schaden genommen hat. „Wir werden das Gebäude an bestimmten Punkten öffnen“, kündigt er an. Mittels Bohrproben wollen die Fachleute feststellen, welche Balken morsch sind und welche Wände bleiben können. Dann will er sich mit dem Denkmalschutz zusammensetzen und beraten, wie er dazu beitragen kann, das Kulturdenkmal zu erhalten.

Selbstverständlich, so Schrott, werde das Gebäude äußerlich so bleiben, wie es ist. „Ich liebe dieses Haus – deshalb habe ich es gekauft.“ Nur eine Apotheke wird es darin nicht mehr geben. Ins Erdgeschoss soll wieder ein Geschäft, obendrüber Wohnungen, so wie jetzt. Ende dieses Jahres will Schrott mit der Planung beginnen, so dass das Gebäude „Mitte/Ende 2019 wieder schön“ sein werde.

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