Die honiggelben Kokons der Seidenraupen sind in einem Kasten zu bewundern. Die geschlüpften Falter sind tot
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Die honiggelben Kokons der Seidenraupen sind in einem Kasten zu bewundern. Die geschlüpften Falter sind tot

Seidenraupenzucht im Bad Homburger Schloss

Honiggelbe Eier erzählen von einem früheren Brauch

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Bad Homburger Schlossgärtnerei zeigt im Schaugewächshaus die Kokons von Seidenraupen

Bad Homburg -Der Kasten in einem der Schaugewächshäuser der Schlossgärtnerei ist unspektakulär. Unter einem Plexiglasdeckel liegen honiggelbe, flauschige Eier, dazwischen und ein paar Tannennadeln. Es sind die Puppen von Seidenraupen sowie ein paar geschlüpfte - offenbar tote - Falter. Die ganz kleinen schwarzen Sprenkel sind Eier, die die Falter mittlerweile schon produziert haben. "Wir überlegen, eine zweite Generation Seidenraupen schlüpfen zu lassen", berichtet Peter Vornholt, Gartenmeister des Schlossparks.

Das Schloss hat die Seidenraupenzucht wiederbelebt. Jedoch nicht um Seide zu erhalten, sondern um auf eine Tradition hinzuweisen, die hier um 18. Jahrhundert betrieben wurde. Denn wer weiß schon, wie die nützlichen Insekten aussehen?

Die Larven produzieren endlose Seidenfäden, mit denen sie sich verpuppen. Um die Fäden nutzen zu können, werden die Kokons in kochendes Wasser geworfen, damit die Puppen nicht schlüpfen. Das passiert heute in der Schlossgärtnerei natürlich nicht.

Bevor die gelben Eier entstanden, waren in der Schau-Kiste Raupen und viel Laub zusammengekommen. Seidenraupen fressen unablässig, und zwar ausschließlich die Blätter von Maulbeerbäumen. Solche Bäume haben die Schlossgärtner in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen im Park neu gepflanzt.

Mit den Seidenraupen hat Vornholt voriges Jahr schon einmal einen Versuch gestartet. 60 Raupen fraßen sich in Vornholts Büro geruch- und geräuschvoll zu dicken Kokons, so wie jetzt, wurden aber von nicht näher definierten Tieren gefressen. Mit Hilfe von Fachkollegen besorgte sich Vornholt neue Raupeneier und begann, inspiriert von der Historie, von Neuem.

Wie die Schlossgärtner auf einem Infoblatt neben dem Schaukasten schreiben, gab es zwischen 1703 und 1776 verschiedene Versuche von Seidenzüchtern, mit dem Landgrafen ins Geschäft zu kommen. Knackpunkt war der Anbau der essenziellen Maulbeerbäume. Diese standen im Laufe der Zeit unter anderem am Platzenberg, an der Stadtmauer im heutigen Schlosspark sowie am heutigen Hindenburgring.

In den Annalen des Schlosses ist überliefert, dass in dieser Zeit Seide nach Frankfurt geliefert wurde, aber auch, wie schwierig die Zucht ist. Das kann der Gartenmeister sicherlich bestätigen.

Das Schaugewächshaus neben der Orangerie hat täglich bis 16 Uhr geöffnet. anke hillebrecht

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