Tierliebe

In ihrer Freizeit rettet Sophie Hunde

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Seit einem Jahr ist Sophie Joline Wennemuth Studentin der accadis-Hochschule in Bad Homburg – als Gewinnerin eines Stipendiums, das die Frankfurter Neue Presse mit ihren Regionalausgaben, zu denen auch die Taunus Zeitung gehört, in Zusammenarbeit mit accadis vergeben hat. Derzeit ist sie in den Semesterferien. Aber irgendwo am Strand faulenzen, das ist ihre Sache nicht. Stattdessen arbeitet sie ehrenamtlich – auf einem „Hundehof“ in Portugal.

Ein Jahr lang hat Sophie Joline Wennemuth gepaukt, geackert, gelernt. Kein Wunder: Die 20 Jahre alte Eschbornerin ist schließlich Studentin, und zwar an der accadis-Hochschule in Bad Homburg, an der sie gerade ihren Bachelor-Studiengang „Business Communication Management“ absolviert. Faulenzen ist da nicht drin. Vor allem auch deswegen nicht, weil Wennemuth im vergangenen Jahr in den Genuss des mit 25 000 Euro dotierten Stipendiums der Frankfurter Neuen Presse und ihrer Regionalausgaben, zu denen auch die Taunus Zeitung gehört, gekommen ist, das die FNP gemeinsam mit der Bad Homburger accadis-Hochschule vergeben hat. Wennemuth hatte sich gegen zehn weitere Mitbewerber durchgesetzt. Und, na klar, für eine Stipendiatin gehört immer noch ein Quäntchen mehr an Pensum dazu.

Wennemuth hat das für ihr Studium verinnerlicht, aber tatsächlich ist die junge Frau auch abseits der Hochschule jemand, der immer ein bisschen mehr tut, als eigentlich gefordert wäre. Bestes Beispiel sind ihre derzeitigen Semesterferien. Während andere Studenten in den Ferien – völlig verständlich natürlich – sich vielleicht eher ausruhen und faul am Strand liegen, nutzt Wennemuth ihre Studienpause dazu, anderen zu helfen – und zwar Hunden. In Portugal. Und das kam so:

„Wir haben daheim in der Familie auch einen Hund, und der stammt aus Portugal, und zwar genau von dieser ,Quinta‘ – das ist die portugiesische Bezeichnung für Hof –, auf der ich derzeit ehrenamtlich tätig bin. Der Hund wurde damals von Sinti und Roma gerettet und ist dank des Aufpäppelns der Helfer auf der Quinta heute ein super Hund“, sagt Wennemuth. Schon vergangenes Jahr habe sie dem Hof daher etwas zurückgeben wollen und sei im Sommer einen Monat ehrenamtlich dort tätig gewesen. „Das war solch eine tolle Erfahrung, dass ich das in diesem Jahr wiederhole, und auch gleich noch meine Freundin zur Unterstützung mitgenommen habe.“

Dass sie das wieder vier Wochen ehrenamtlich tue – das neue Semester startet am 15. Oktober –, sei für sie selbstverständlich, denn: „Im Endeffekt mache ich das doch auch für mich, weil das für mich eine

Herzensangelegenheit

ist. Und solche Projekte bauen ja auf Menschen, die mit ganzem Herzen bei der Sache sind und nicht aufs Geld schauen.“ Wennemuth weiter: „Ich kann außerdem hier an Ort und Stelle sehen, was ich durch meine Arbeit bewirken kann – und das ist in finanziellem Gegenwert ohnehin nicht aufzuwiegen.“

83 Hunde leben in der Quinta, die von ihrer Besitzerin, der Hundeliebhaberin Gisela, „in ein wahres Hundeparadies“ umgewandelt worden sei. Dort lebten Tiere aus örtlichen Tierheimen und solche, die in ihren Familien misshandelt wurden. „Sie werden aufgepäppelt, sozialisiert, dürfen spielen – und bekommen dann hoffentlich neue liebende Besitzer“, sagt die accadis-Studentin.

Die Aufgabe sei durchaus anspruchsvoll – und auch anstrengend. „Denn wenn so viele Hunde zusammenkommen, dann gibt es natürlich auch viel Dreck – und der will täglich beseitigt sein.“ Viel wichtiger noch als das sei aber der „Sozialisierungsaspekt“. Viele der Vierbeiner hätten bisher negative Erfahrungen mit Menschen gemacht, da bedürfe es nun viel Geduld und Liebe, um Angst und Misstrauen zu bekämpfen. „Schon das Führen an der Leine oder nur sich mal streicheln zu lassen, ist für diese Tiere schwierig“, weiß Wennemuth. „Wenn’s dann aber klappt, ist das ein unglaublich gutes Gefühl und jeden Schweißtropfen wert, den uns die Herbstsonne in den Nacken treibt.“

Und eine Erfahrung, die ihr durchaus auch beim Studium und im späteren Leben zugutekommt, ist die Sache auch, betont Wennemuth: „Ich spreche kein Portugiesisch und verständige mich hier mit Händen und Füßen mit den Mitstreitern– den Hunden ist es natürlich egal, welche Sprache man spricht –, das macht einen schon mal kreativer in seinen Lösungsansätzen. Aber auch, dass ich hier recht eigenständig arbeite, mich zugleich aber mit anderen absprechen und gemeinsames Vorgehen organisieren, geduldig sein und in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren muss, sind Attribute, die ich später sicher immer wieder gebrauchen kann.“

Und die kleinen Erfolge, die sie während ihres vierwöchigen Ehrenamtes erzielen konnte, aus denen schöpfe sie sicher noch lange Kraft, sagt Wennemuth und erklärt: „Da war zum Beispiel Eric, ein Dobermann-Mischling, der jetzt endlich entspannt an der Leine läuft, nachdem er anfangs jedes Mal schreckliche Angst hatte, oder Mel, eine kleine Podenco Hündin, die sich endlich entspannt kuscheln lässt, was lange nicht der Fall war.“ Am schönsten sei es jedoch gewesen, wenn sie miterleben konnte, wenn einer der Schützlinge wieder ein neues Zuhause fand. Wennemuth: „Aber zugegeben, so mancher Abschied fiel mir ganz schön schwer, denn die kleinen Racker wachsen einem richtig ans Herz.“

Mehr über die Hundefarm an der Algarve gibt es unter der Adresse .

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