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Seit vergangenem Herbst gibt’s bei Philipp Aniol Mietfächer, in denen Flohmarktwaren angeboten werden, die aber auch Dienstleister und Gewerbetreibende als Ausstellungsfläche nutzen.
Seit vergangenem Herbst gibt’s bei Philipp Aniol Mietfächer, in denen Flohmarktwaren angeboten werden, die aber auch Dienstleister und Gewerbetreibende als Ausstellungsfläche nutzen. © hko

Postladen feiert Zehnjähriges und hat sich in dieser Zeit schon oft neu erfunden

Ober-Erlenbach -Es ist nicht leicht, die Nahversorgung in den Stadtteilen und kleinen Ortschaften aufrechtzuerhalten. Oft braucht es jede Menge Eigeninitiative und Kreativität. Ein Beispiel ist das Ehepaar Aniol, das Ende Oktober 2013 erstmals Kunden in ihrem Laden in der Homburger Straße empfing.

Im Oktober 2012 hatte der bisherige Postanbieter in der Spessartstraße überraschend geschlossen, im Januar 2013 war eine „Not-Post“ eingerichtet worden, um wenigstens an ein paar Stunden in der Woche Postdienstleistungen anbieten zu können.

„Als Philipp die Post übernommen hatte, hatten wir wirklich Angst, dass die Erlenbacher ihn als Zugezogenen nicht akzeptieren würden“, sagt seine Frau Julia rückblickend. „Es gab noch keinen Wohnraum Oberhof, an den Hühnerstein war nicht zu denken, und die Erlenbacher bildeten eine sehr enge Gemeinschaft.“ Die Angst war unbegründet; „nach Aussage der Kunden ist die Post mittlerweile zu einer richtigen Institution in Ober-Erlenbach geworden.“

Auch sonst hat sich viel verändert, den Strukturwandel spüren die Aniols deutlich. Sie kompensieren den Trend zur Automation mit persönlicher Beratung und Service. Das Klischee der Schalterbeamten aus Bundespost-Zeiten, man denke nur an die alte Hauptpost am Bahnhof, sucht man hier vergebens. Und: Philipp Aniol kümmert sich. Er besorgt Dinge, die der „normale Rentner“ nicht im Einzelhandel bekommt, er telefoniert mit Ämtern, wenn es mal zu Kommunikationsproblemen kommt, er schaut nochmals kritisch über die Bewerbungsunterlagen.

Aniol ist zur Anlaufstelle geworden

Und er hat auch schon einige Menschen bewahrt, auf Betrüger hereinzufallen. „Als die Postbank noch in der Filiale war, hatten wir oft Kontakt mit der Polizei, weil es wegen unseres Angebots, Geld über Western Union zu versenden, einige Fälle gab, in denen wir misstrauisch wurden und geraten haben, lieber die Polizei einzuschalten“, erzählt Philipp Aniol. Nicht nur die Erlenbacher gehören zu seinen Kunden, auch aus den umliegenden Ortschaften kommen die Menschen.

Trotzdem: Nur mit Briefmarken und Paketannahme lässt sich heute kein Laden wirtschaftlich betreiben. Mit dem Wegfall der Postbank-Provision vor zwei Jahren sah es zwischenzeitlich düster aus. Allerdings war das auch eine Phase, in der sich deutlich zeigte, wie sehr der Ort hinter „seiner Post“ steht: Es gab Unterschriftensammlungen und eine Solidaritätsdemo.

Im Laufe der Zeit hat sich der Postshop immer wieder neu erfunden und Angebote eingeführt, die zusätzliche Kunden und damit auch zusätzliche Einnahmen bedeuteten. Heute können dort nicht nur defekte Kaffeemaschinen abgegeben werden, auch mit einer Reinigung und einem Schlüsseldienst und Schuster kooperiert man.

Tintenpatronen und Toner gibt’s auch, selbst für ausgefallene Modelle. Und natürlich - seit Jahren fest im Sortiment - Folienballons. Im Inneren des Ladens dominieren mittlerweile weiße Regale: Nachdem Philip Aniol vor etwas mehr als einem Jahr die ersten „Mietfächer“ eingeführt und im großen Schaufenster getestet hatte, füllen diese mittlerweile den Verkaufsraum gut aus; alle Fenster sind belegt. Entstanden ist eine Art Gewerbegebiet in Miniaturformat, in dem lokale Kunsthandwerker und Dienstleister auf 33 mal 33 mal 33 Zentimetern ihr Angebot präsentieren und die Ober-Erlenbacher dauerhaft Flohmarktware anbieten. Die Fächer können monatsweise gemietet werden und leisten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Wichtel fürs Zuhause und Karten fürs Theater

Jetzt, im Herbst, gibt es die nächste Aktion, auf die Philipp Aniol besonders stolz ist: Der „Dein-Wichtel“ (https://www.dein-wichtel.de) ist der Hauptbestandteil der „Adventsbox“, die man bei ihm kaufen kann. Ein kleiner Wichtel, der zu jedem persönlich am ersten Dezember einzieht und die Kinder bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag mit jeder Menge Spaß und Schabernack begleitet. Was seine Frau der gemeinsamen Tochter jedes Jahr daheim an Magie bereitet, wollte auch er allen Erlenbachern zur Verfügung stellen.

Und noch eine weitere Dienstleistung ist recht neu im Sortiment. Über das Ticketportal „Reservix“ lassen sich auch problemlos Karten für Veranstaltungen erwerben - auch für die der Bad Homburger Bühnen, der Bad Homburg Open und Veranstaltungen des Karnevalvereins.

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