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Infrastruktur für Wasserstoff-Bahnen steht

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Die vier von der Tankstelle: Der hessische Umweltminister Tarek Al-Wazir bekommt von Infraserv-Geschäftsführer Dr. Joachim Kreysing (r.) die Tankpistole gereicht; Dr. Jörg Sandvoß, Chef der DB Regio AG (l.), und RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai sehen zu.
Die vier von der Tankstelle: Der hessische Umweltminister Tarek Al-Wazir bekommt von Infraserv-Geschäftsführer Dr. Joachim Kreysing (r.) die Tankpistole gereicht; Dr. Jörg Sandvoß, Chef der DB Regio AG (l.), und RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai sehen zu. © maik reuß

Noch 2022 sollen durch Frankfurt und den Taunus Wasserstoff-Züge der Deutschen Bahn fahren. Doch ob der Zeitplan eingehalten werden kann, ist unklar.

Frankfurt – 2022 will die Deutsche Bahn mit einer Wasserstoff-Zugflotte in Frankfurt an den Start gehen - eine Weltpremiere. Die Tankstelle für die neuen Taunusbahn-Züge ist fast fertig. Einen Wermutstropfen aber gibt es.

Die größte Wasserstoff-Flotte weltweit soll es sein, die im Dezember zum Fahrplanwechsel auf den Taunus-Linien in Betrieb gehen soll: 27 Brennstoffzellen-Züge des französischen Konzerns Alstom. Während der Industriepark-Betreiber Infraserv in Höchst die Infrastruktur zum Betanken der Züge mit Wasserstoff nahezu fertiggestellt hat, zeichnet sich jedoch ab, dass der Zughersteller das avisierte Ziel - die Lieferung der 27 Einheiten vor dem Fahrplanwechsel im Dezember - wegen des durch den Ukraine-Krieg bedingten Rohstoffmangels wohl nicht schaffen wird. RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai sprach gestern bei Besichtigung der Infrastruktur-Anlagen im Industriepark Höchst davon, dass man "sukzessive alle Fahrzeuge ins Netz einführen werde." Sprich: Zum Stichtag 10. Dezember gibt es Lücken.

Auf Nachfrage bestätigte er: "Ja, es werden nicht alle Züge da sein. Es muss mit Ersatz geplant werden." Jedoch werde "ein Großteil" der 27 Einheiten verfügbar sein. Ein Prototyp war am Wochenanfang auf den Gleisanlagen im Industriepark gesichtet worden - ein weißer Triebwagenzug sticht unter all den Kesselwagen deutlich heraus. Trotzdem werden wohl nach dem 10. Dezember vereinzelt noch Dieselzüge auf den Linien RB 11 (Bad Soden -Höchst), RB 12 (Königstein-Höchst), RB 15 (Frankfurt-Bad Homburg-Brandoberndorf) und RB 16 (Friedberg-Friedrichsdorf) unterwegs sein.

Deutsche Bahn: Wasserstoff-Züge tanken alle zwei bis drei Tage

Mit Wasserstoff betankt werden die neuen Coradia iLint, die seit 2018 vom Hersteller im Testbetrieb gefahren werden, im Industriepark Höchst. Seit Oktober 2020 sind im Nordteil des Industrieparks neue Gleise gelegt worden; die Züge werden über die Höchster Farbenstraße zum Betanken an einer der vier Zapfsäulen aufs Industrie-Areal rollen. Die erste davon ist fertig; "die drei anderen werden demnächst folgen", sagt Infraserv-Geschäftsführer Dr. Joachim Kreysing. Betankt werden die Züge mit Wasserstoff, der bei chemischen Produktionen im Industriepark als Nebenprodukt anfällt.

Zusätzlich produziert Infraserv über einen Elektrolyseur weiteren Wasserstoff - der, wenn er mit Öko-Strom hergestellt wird, als "grüner Wasserstoff" gekennzeichnet werden darf, während der, der als Nebenprodukt anfällt, als "grauer Wasserstoff" gilt. Wasserstoff statt Diesel, das soll vor allem der Umwelt zugute kommen. "Rund ein Drittel der Bahnstrecken bundesweit sind nicht elektrifiziert und können auch nicht ohne Weiteres nachgerüstet werden", sagte der hessische Umweltminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Gründe seien geografische Gegebenheiten, etwa zu niedrige Tunnel.

Wasserstoff-Züge der Deutschen Bahn sind in nur 15 Minuten vollgetankt

Der Tankvorgang im Industriepark dauert etwa 15 Minuten; voll betankt schafft der Coradia iLint gut 1000 Kilometer - es reicht eine Betankung alle zwei bis drei Tage. In Höchst sollen, je nach Wochentag, acht bis siebzehn Züge pro Tag betankt werden. Sollte die Zufahrt zum Industriepark wegen einer Störung nicht möglich sein - es gibt nur ein einziges Anbindungsgleis ans DB-Netz -, kann Wasserstoff auch per Container in den Taunus gefahren werden. In den Containern im Industriepark lagert genug Wasserstoff für zwei bis drei Tage; täglich fallen sieben Tonnen aus der Produktion zusätzlich an.

"Der Fahrplanwechsel ist im Dezember, das ist quasi übermorgen", sagte Dr. Jörg Sandvoß, Vorstandsvorsitzender der DB Regio AG, der sich auch darüber freut, dass die Züge bei der DB in Frankfurt-Griesheim gewartet werden; 67 Lokführer würden gerade geschult. Rund 30 Millionen werden allein in die Infrastruktur im Industriepark investiert; die Hälfte übernehmen der Bund und das Land. Das Gesamtvolumen beträgt rund 500 Millionen Euro.

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