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Initiativen widmen sich urbanem Gärtnern

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Von: Harald Konopatzki

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Das Projekt Naturfamilien hat seinen „Mitmachgarten“ schon im Juli 2019 eingerichtet.
Das Projekt Naturfamilien hat seinen „Mitmachgarten“ schon im Juli 2019 eingerichtet. © Reichwein, Jochen

Verein „Elizas Erben“ erhält Unterstützung aus der Politik. Nabu sucht Mitstreiter im Süden.

Bad Homburg -Gärtnern, ohne dass es dafür einen eigenen Garten hinterm Haus braucht, ist beileibe kein neuer Trend. So entstand die Kleingartenbewegung. Und schon vorher bauten die Menschen aus den engen Dorfkernen auf kleinen Parzellen außerhalb Lebensmittel für den Eigenbedarf an. Manche verschwinden, wie bald die Madesgärten in Kirdorf, wo der belastete Untergrund den Anbau von Lebensmitteln nicht zulässt. Andernorts entstehen neue Initiativen - mit ausdrücklicher Unterstützung der Politik. So hatte das Stadtparlament im Februar 2020 den Magistrat beauftragt, er möge doch prüfen, auf welchen städtischen Flächen sich Bürger gärtnerisch betätigen können oder welche Flächen für weitere Gemeinschaftsgärten zur Verfügung gestellt werden könnten.

Die Stadt steht also etwas in der Pflicht, wenn es um das Thema „Urban Gardening“ geht - und vor diesem Hintergrund stimmte der Klimaschutz- und Umweltausschuss einem Antrag der SPD zu, den neuen Verein „Elizas Erben“ durch „mediale Bewerbung auf den städtischen Plattformen zu unterstützen und bei der Suche nach geeigneten Flächen zu helfen“.

Die Gruppe interessierter Freizeitgärtner, die sich im vergangenen Jahr zusammenfand, ist seit Anfang Juli ein eingetragener Verein mit dem Ziel, in der alten Gärtnerei beim Kurpark einen Gemeinschaftsgarten anzulegen und zu betreiben. Man will gemeinsames Gärtnern und Lernen ermöglichen, die Grundlagen des biointensiven Gemüseanbaus erläutern, Führungen anbieten und Netzwerkarbeit betreiben. Auch in der Satzung stehen als Zielvorgabe, Fortbildungen und Workshops für Erwachsene anzubieten, etwa zum Gemüseanbau, Obstbaum-Pflanzen oder zum vegetarischen Kochen. Nicht zu vergessen: Pädagogische Projekte sollen ebenfalls durchgeführt werden, Kinder so „gärtnerische Erfahrungen“ sammeln können. Als nächste Veranstaltung auf dem Weg zum eigenen Gemeinschaftsgarten steht am Samstag, 24. September, von 16 Uhr an ein Austausch samt Führung mit Schlossgärtner Peter Vornholt auf dem Programm. Für die Veranstaltung, die am Eingang der Orangerie (Schlossgarten-Eingang Löwengasse) beginnt, können sich Interessierte unter info@elizas-erben.de anmelden. Weitere Infos zum Verein gibt’s auf www.elizas-erben.de.

In den Augen des Ausschusses ist das, was Elizas Erben - der Name spielt auf die leidenschaftliche Hobbygärtnerin Landgräfin Elizabeth an - da vorhaben, auf jeden Fall unterstützenswert.

So erhöhe Urban Gardening „schon heute in vielen Städten den sozialen Zusammenhalt und steigert die Lebensqualität“, betonte Beate Denfeld (SPD) in der Antragsbegründung. Die bei diesem Projekt angelegten Gemeinschaftsgärten geben demnach Anregungen für andere Gärten in der Stadt, schaffen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung und leisten wichtige Beiträge für eine nachhaltige Entwicklung in der Stadt.

Elizas Erben wollen auch in Bad Homburg einen Gemeinschaftsgarten anlegen, „in dem Bad Homburger aller Generationen und unterschiedlicher Herkunft gemeinsam ihre Gartenträume verwirklichen können“, so Denfeld. Dieser Gemeinschaftsgarten könne als „Raum für die Erprobung neuer gärtnerischer Ideen dienen, die Ernte von biointensiv gewachsenem Gemüse ermöglichen, Treffpunkt für die Vereinsmitglieder und ein Ort des Lernens für alle interessierten Bürger Bad Homburgs werden“. Dabei schlug Denfeld den Bogen zum Antrag von 2020: „Der Stadtverordnetenbeschluss vom 6. Februar 2020 gab der Verwaltung den Auftrag, solche Projekte innerhalb der Stadt zu fördern. Der Verein bietet hierzu die geeignete Möglichkeit, ohne größeren Ressourcenbedarf durch Eigeninitiativen oder finanzielle Mittel Urban Gardening zu ermöglichen.“

Und der Verein ist beileibe nicht die einzige neue Initiative. Im Bereich Berliner Siedlung wird bereits gegärtnert, seit 2019 etwa im Mitmachgarten der Initiative Naturfamilie und Umwelthelden (naturfamilienundumwelthelden.jimdofree.com), 2021 überließ eine Privatperson einer Initiative ein Grundstück, die Gemeinwesenarbeit der Caritas verwirklicht dort ebenfalls ein Gemeinschaftsgarten-Projekt. Und auch an den Schulen wird das Thema aufgegriffen - Stichwort „Ackerdemie“ an der Gesamtschule am Gluckenstein.

Erst vor wenigen Wochen hat sich zudem der Naturschutzbund Ober-Eschbach an die Öffentlichkeit gewandt, der einen Schau- und Mitmachgarten gestalten will und dazu Flächen in Gonzenheim und Ober-Eschbach von der Stadt pachten könnte. Da dieses Projekt „jedoch nur mit Unterstützung von weiteren Engagierten“ gelingen könne, sucht man derzeit Mitstreiter, die sich bei der Vorsitzenden Heike Bergmeier per E-Mail an nabu-obereschbach-ortsgruppe@t-online.de melden können. Das Projekt, so hatte der Nabu vor einem Treffen Ende August mitgeteilt, stehe noch am Anfang. Man plane zunächst eine insektenfreundliche Blühwiese und eine Fläche mit heimischen Stauden. Später solle ein Urban-Gardening-Projekt mit verschiedenen Gemüsebeetformen vom Heu-Beet bis zum klassischen Hochbeet dazukommen, heißt es von den Initiatoren des Projekts.

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