HPP Architekten würden die Fassade von 1863 samt zweier Seitenflügel rekonstruieren - mit einem 27 Meter hohen Bühnenturm mittig.
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HPP Architekten würden die Fassade von 1863 samt zweier Seitenflügel rekonstruieren - mit einem 27 Meter hohen Bühnenturm mittig.

Kurhaus in Bad Homburg

Innen Zukunft, außen Vergangenheit?

  • Anke Hillebrecht
    VonAnke Hillebrecht
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Preisentwürfe für ein neues Kurhaus liegen vor - Modelle können besichtigt werden - Das Sanierungsgutachten ist fertig, Stadt braucht aber noch Bedenkzeit

Bad Homburg -Die Kaiserzeit ruft beim historisierenden Entwurf von HPP Architekten. Ihr Vorschlag sieht vor, die Fassade des zweiten Kurhauses (1863-1945), U-förmig zur Louisenstraße hin, komplett zu rekonstruieren. Kurtheater und Kongresssaal bilden eine Einheit; in der Mitte ist relativ unauffällig der 27 Meter hohe Bühnenturm platziert - an der topografisch tiefsten Stelle.

Die zwirbeligen Dachreiter des "guten alten" Kurhauses finden sich indes bei Ferdinand Heide Architekten. Seitlich zur Ludwigstraße hin fallen jedoch hohe Säulen in den Blick - dort platzieren die Frankfurter Planer das Hotel hinter eine moderne Fassade. Ein quadratisches Walmdach ziert unterdessen den Entwurf von gmp International. Alle drei Modelle mit historisierender Fassade hat die Preisgerichtsjury für einen möglichen Kurhaus-Neubau mit einem ersten Platz bedacht. Gleichrangig wurden zwei Entwürfe für eine Zeitgenössische Fassade bewertet.

Wie die Gebäude von hinten, vom Kurhausgarten, aussehen sollen, ihre Grundrisse und Längsschnitte mit der Raumaufteilung sind jetzt an bei einer Ausstellung im Kurhaus zu sehen. Ebenso die Entwürfe einer zeitgenössischen Fassade, für die Heide und gmp International ebenfalls beachtenswerte Vorschläge haben. Generell wird mit viel Glas geplant, und die Traufhöhe soll - obwohl das Maritim mehr Platz möchte - 16 Meter nicht überschreiten. Ein zweites Hochhaus an der Promenade will man nicht.

Dafür wirken die Visualisierungen allesamt breit - außer Hotelzimmern sind ein zukunftsfähiges Kongresszentrum, Gastronomie und Geschäfte unterzubringen; außerdem wurde ein Durchgang von der Louisenstraße zum Kurhausgarten gewünscht. "Das Kurhaus ist gesellschaftliches Zentrum und Umsatzbringer", erklärt Kurdirektor Holger Reuter; es sei das wichtigste Gebäude der Stadt. Doch auch das Umfeld sei wichtig, ergänzt OB Alexander Hetjes (CDU); so entwickle es eine "Sogwirkung", die Menschen in die Stadt ziehe. Daher müsse das Umfeld - etwa die Verkehrsführung - bei der Neuplanung mitbedacht werden.

Doch wie wird der Verkehr in 40 oder 50 Jahren aussehen? So lang soll ein kostspieliger Neubau halten. "Da bleibt uns der Blick in die Glaskugel", sagt Projektleiter Michael Guntersdorf - der Bad Homburger hat auch maßgeblich die neue Frankfurter Altstadt gestaltet. Ebenso unklar ist daher, welche Ansprüche es einmal an die Tiefgarage geben wird. Oder wie der ÖPNV rund ums Kurhaus aussehen wird.

Keiner der Entwürfe sei 1 : 1 umsetzbar, betonte der OB, was aber auch nicht Ziel war. Im Juni bereits hatte die Jury getagt; weil die Problemstellung komplex sei, dauerte es bis jetzt, die Siegerentwürfe zu bestimmen. Nun werden sich die Fachleute in die Vorschläge vertiefen und zusätzliche Anforderungen miteinbeziehen, "bis wir eine realisierbare Ebene erreicht haben". Das sei eine Herkulesaufgabe, so Reuter - er glaubt, Ende 2022 "etwas Spruchreifes" zu haben.

Ob es überhaupt einen Neubau geben wird, bleibt vorerst unklar. Das Sanierungsgutachten sei fertig, so Hetjes; weil es so umfangreich sei - 17 Gewerke wurden beleuchtet -, brauche man für die Entscheidung, ob sich eine Sanierung lohnen würde, jedoch noch Zeit.

Ein Bürgerentscheid biete sich nicht an, da es keine Ja-oder-nein-Frage zu beantworten gelte. Eine Bürgerbeteiligung aber soll es geben, wenn sowohl die beiden finalen Entwürfe mit historischer und moderner Fassade vorlägen sowie klar sei, ob saniert werden kann. "Dann werden wir alle über 16-jährigen Bad Homburger für eine Trendumfrage anschreiben." Was gemacht wird, entscheidet am Ende das Stadtparlament. Von Anke Hillebrecht

Ausstellung der Entwürfe

Die Architektenentwürfe samt kleiner 3D-Modelle sind vom 24. November bis zum 5. Dezember im großen Saal des Kurhauses zu besichtigen: montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr.

Vom Kurhausgarten gesehen, sind alle Entwürfe zeitgenössisch - auch jene von Ferdinand Heide Architekten.
OB Alexander Hetjes, Kurdirektor Holger Reuter und Projektleiter Michael F. Guntersdorf (v. li.) betrachten die Pläne von gmp International.

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