Seit 20 Jahren

Das Institut für Ost-West Medizin vermittelt Vorzüge tibetischen Ansatzes

Seit 25 Jahren können sich Ärzte in Bad Homburg in Tibetischer Medizin (TM) ausbilden lassen. Seit 20 Jahren laufen diese Schulungen am Institut für Ost-West Medizin. Ziel ist, diesen medizinischen Ansatz in das westliche Medizin- und Gesundheitssystem zu integrieren. Dabei geht es um die Wechselwirkungen zwischen Körper, Geist und Seele und ihr Gleichgewicht.

Sonja Maric legt sanft drei Finger unter dem Handgelenk an den Puls der Patientin: „Ihre Leber scheint ihre Schwachstelle zu sein. Haben Sie mit Entzündungen im Körper zu tun?“ Die Patientin ist verblüfft, denn bis jetzt hatte sie davon kein Wort gesagt. Dennoch muss sie zugeben: Alles trifft zu.

Zu Gast im Institut für Ost-West Medizin in Bad Homburg: Idyllisch am Stadtrand gelegen, hat hier nichts mit einer klinisch-reinen medizinischen Einrichtung zu tun. Warme Farben, das dunkle Holz der Möbel und die vielen aus dem fernöstlichen Raum stammenden Figuren und Wandbilder geben Zutritt in eine besondere Philosophie vom Heilen – ohne Hektik und Zeitdruck.

In der Tibetischen Medizin (TM) „ist der Arzt angehalten, seine Patienten wie seine eigenen Kinder zu behandeln und sie in ihrem ganzen Sein zu sehen“, erklärt Sonja Maric, die das Institut leitet, das vor 20 Jahren von ihrer Ende 2014 verstorbenen Mutter, der Allgemeinmedizinerin Dr. Walburg Maric, gegründet wurde. Ziel damals wie heute ist es, über die Schulung von Ärzten und anderen Heilberuflern das Wissen der TM in die westlichen Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit zu integrieren. „Die Tibetische Medizin erweitert die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten und sie eröffnet einen tiefen Einblick in das Verständnis von Krankheit und Gesundheit“, betont Maric.

„Sowa Rigpa“ bedeutet „Das Wissen vom Heilen“. Diese Lehre ist neben der chinesischen und der ayurvedischen Medizin das dritte große asiatische Medizinsystem, wobei sich diese drei Ansätze etwa seit dem 7. Jahrhundert gegenseitig beeinflussen. Der Buddhismus ist eine wichtige Wurzel. Die Basis ist die „Drei-Säfte-Lehre“, bei der es – kurz gesagt – um das Gleichgewicht der körperlichen und mentalen Energien geht, die bei jedem Menschen individuell unterschiedlich angelegt sind. Je nachdem wie, hat der eine es mit Übergewicht zu tun, während der andere eher nervös und unruhig ist.

„Das Herzstück ist jedoch das sogenannte Mind-Body-Konzept“, erklärt Maric. Danach „sind Körper und Geist während des gesamten Lebens untrennbar miteinander verbunden. Alle körperlichen Aspekte haben immer auch einen geistigen und emotionalen Bezug“. Tatsächlich kennt die westliche Medizin einen ähnlichen Ansatz als Psychosomatik. „Der Unterschied ist allerdings, dass die Psychosomatik nur ein Teilbereich der Medizin ist. Im Sowa Rigpa ist sie bereits seit Jahrhunderten die Grundlage für erfolgreiches Heilen“, erklärt die TM-Spezialistin.

Mit Untersuchungsmethoden ohne technisches Gerät, dafür aber mit Puls-, Zungen- und Urin-Diagnostik oder der Analyse der Ohrvenen erkennen die TM-Ärzte sowohl die Grunddisposition eines Menschen als auch Hinweise auf krankhafte Störungen, denen sie in intensiven Arzt-Patient-Gesprächen nachgehen. Dabei wird der Patient nicht aus der Verantwortung entlassen, denn die Lebensführung und der Umgang mit den eignen Emotionen sind wichtige Bausteine. Eine ausgewogene Ernährung hat in der TM dabei eine Schlüsselfunktion.

Daneben gibt es pflanzliche Heilmittel, Massagen, Packungen, oder spezielle Wärmetherapien, um wieder ins Lot zu kommen. Eine besondere Stärke der TM sei die Prävention, so Maric. Von Vorteil sei zudem, dass die Patienten die Therapien problemlos in ihr Leben integrieren könnten. Das sei es unter anderem, was Mediziner sowie Angehörige anderer Heilberufe in den Schulungen am Institut suchen. Das große Plus der TM-Konzepte: „Sie sind zeitlos und universell. Man muss weder Tibeter noch Buddhist sein, um sie anwenden zu können“, so Sonja Maric.

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