Das Gebäude der Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg.
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In den Hochtaunus-Kliniken ist die Zahl der Intensiv-Patienten, die dort wegen der Corona-Pandemie behandelt werden müssen, wieder gestiegen.

Hochtaunus-Kliniken

Krankenhauschefin schlägt Alarm: Intensivstation wegen Corona fast voll

  • Matthias Kliem
    vonMatthias Kliem
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In den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg müssen wieder mehr schwere Corona-Fälle behandelt werden. Es hat sogar Verlegungen in andere Bundesländer gegeben.

Hochtaunus – Die Zahlen sprechen eine trügerische Sprache. In den vergangenen Tagen war die Sieben-Tage-Inzidenz im Hochtaunus deutlich niedriger als in den Tagen vor Ostern und lag am Mittwoch und Donnerstag sogar unter 100. Wer daraus allerdings eine Besserung der aktuellen Corona-Situation ablesen will, sollte nicht zu voreilig sein. Die Feiertage haben die Statistik durcheinandergewirbelt, und deshalb zeigen auch die Inzidenz-Werte ein stark verzerrtes Bild der derzeitigen Corona-Wirklichkeit. Über eine andere Zahl herrscht nämlich kein Zweifel: In den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg sind fast alle Betten auf der Intensivstation belegt, fast die Hälfte davon mit Corona-Patienten.

"Wir haben eine extrem angespannte Situation. Unsere Intensivstation ist am Anschlag", findet Klinik-Chefin Dr. Julia Hefty deutliche Worte. In Bad Homburg war Mitte der Woche kein Intensivbett mehr frei – und auch im übrigen Rhein-Main-Gebiet sieht es nicht viel besser aus. Über das Oster-Wochenende hat sich die Lage in vielen Krankenhäusern des Ballungsraums verschärft. Die Konsequenz: Corona-Patienten mussten an Kliniken in anderen Regionen weitergeleitet werden. Auch von den Hochtaunus-Kliniken mussten schon Menschen mit einer Covid-19-Infektion an Krankenhäuser in anderen Bundesländern, sprich nach Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, verlegt werden.

Mitarbeiter fühlen sich an erste Corona-Welle im Hochtaunus erinnert

Vieles erinnert die Klinik-Mitarbeiter derzeit an die erste Welle. Während die Lage auf den übrigen Stationen des Krankenhauses weitgehend normal ist, gerät die Intensiv-Abteilung zunehmend unter Druck. Doch es gibt einen gravierenden Unterschied zum Frühjahr 2020: "Wir haben es fast ausschließlich mit der britischen Corona-Variante zu tun", berichtet Hefty. Das führe dazu, dass sich der Zustand von Corona-Patienten oft rapide verschlechtert und sie innerhalb kurzer Zeit auf Intensiv verlegt werden müssen.

Und noch etwas ist anders: "Die Corona-Patienten sind in den seltensten Fällen über 70. Der Schwerpunkt liegt mittlerweile in der Altersgruppe zwischen 40 und 65 Jahre", so die Klinik-Chefin. Im Gegensatz zur bisherigen Situation, als vor allem betagte und vorerkrankte Menschen wegen einer Corona-Erkrankung stationär aufgenommen werden mussten, treffe es jetzt auch unter 50-Jährige ohne Vorerkrankungen.

Krankenhausmitarbeiter im Hochtaunus stark belastet

Für das Krankenhaus-Personal ist die Entwicklung doppelt schwierig, wie Hefty betont. Zum einen arbeite die Intensiv-Abteilung inzwischen seit rund einem Jahr ohnehin schon am Limit. Zum anderen seien die zunehmenden Fälle, in denen jüngere Menschen mit schweren Corona-Verläufen zu kämpfen haben und mitunter auch sterben, eine zusätzliche psychische Belastung für die Mitarbeiter. In der Frage, was in einer solchen Situation zu tun sei, muss Hefty nicht lange überlegen: "Wir brauchen einen anständigen Lockdown", sagt die Klinik-Chefin.

Die Personal-Situation ist in den Hochtaunus-Kliniken wie in den meisten Krankenhäusern der Republik schon lange angespannt. Pflegekräfte sind schwer zu bekommen, Fachkräfte für die Intensivmedizin allemal. Da hilft es, dass die Beschäftigten inzwischen weitgehend geimpft sind und inzwischen ausreichend Schnelltests zur Verfügung stehen. Ausfälle wegen Corona gibt es aber auch, wenn Kitas geschlossen werden oder für Schulklassen eine Quarantäne verhängt wird und Klinik-Beschäftigte sich um ihre Kinder kümmern müssen.

OPs in den Hochtaunus-Kliniken werden wegen Corona verschoben

Wie bereits im vergangenen Jahr werden bei Engpässen auf der Intensivstation auch Mitarbeiter von anderen Stationen hinzugezogen. Schon jetzt werden an den Hochtaunus-Kliniken Operationen verschoben, die nicht zwingend sofort erfolgen müssen. Das betrifft dann beispielsweise das Einsetzen einer Gelenkprothese. OPs von Krebspatienten oder andere wichtige Eingriffe werden laut Hefty aber trotz der insgesamt angespannten Situation weiterhin durchgeführt. (Matthias Kliem)

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