Mieterin der ersten Stunde

Vor 40 Jahren wurde Ingrid Zehender zur Geschäftsfrau

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Angefangen hatte alles ganz klein – und mit einer Schreibmaschine im Kofferraum ihres R4. Inzwischen stattet Ingrid Zehender seit vier Jahrzehnten nicht nur die Homburger Damenwelt mit edler Garderobe aus. Zum Jubiläum gratulierten Kundinnen, Lieferanten und sogar ihr einstiger „Vermieter“, Kurdirektor i.R. Peter Bruckmaier.

Wenn Ingrid Zehender über die vergangenen 40 Jahre nachdenkt, werden viele Erinnerungen wach. Angefangen hatte es ganz klein, auf neun Quadratmetern in der Louisenstraße 101. Am 24. August 1978 übernahm die gelernte Textilkauffrau dort das Mini-Modegeschäft, in dem sie zuvor angestellt war, und stellte das Sortiment auf exklusive Damenmode um: „Da bin ich am Wochenende mit meinem R4 nach Paris gefahren und habe beispielsweise 50 Blusen eingekauft. Ich hatte eine alte Schreibmaschine dabei, mit der ich die Zollpapiere getippt habe; in der Nacht zum Montag wurden die Blusen dann aufgebügelt und ab dem Morgen hier verkauft.“

Die französischen Marken, die es bis dato in der Kurstadt nicht gab, fanden schnell Käuferinnen. „Vadim-Hosen waren ganz was Tolles, auch Daniel Hechter war zu dieser Zeit ganz exklusiv“, erinnert sich die quirlige wie elegante 73-Jährige noch gut. „Das Geschäft ist ganz langsam und, wie ich denke, auch gesund gewachsen.“ Auf jeden Fall waren die neun Quadratmeter bald deutlich zu klein, und so wagte Ingrid Zehender 1984 den Umzug ins neu erbaute Kurhaus, wo sie rund 100 Quadratmeter anmietete, 2003 auch das Nachbargeschäft übernahm und seitdem auf 200 Quadratmetern als inhabergeführtes Multi-Label-Geschäft Designermode und Schuhe verkauft. Es sind fast ausschließlich Marken, die man in der Region nur bei ihr findet.

Fest an ihrer Seite steht seit der Eröffnung im Kurhaus Frank Weber, mit dem Ingrid Zehender auch seit 1995 verheiratet ist. Immer auf der Suche nach etwas Besonderem besucht das Paar bis heute die Messen in Mailand, Paris, München und Düsseldorf, ist mit den meisten Lieferanten ebenso über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden wie mit den vielen Stammkundinnen.

„Manche kommen schon in der dritten Generation zu mir“, freut sich Ingrid Zehender, die größten Wert darauf legt, die Kundinnen typgerecht zu beraten. „Die Frauen müssen sich wohlfühlen, wir beraten ganz ehrlich und verkaufen nicht mit dem Holzhammer. Ein schicker Schuh, der drückt, den braucht kein Mensch. Diese Wahrhaftigkeit spüren und honorieren die Menschen sehr“, erklärt Frank Weber, der unter anderem dafür sorgt, dass das Schaufenster mindestens alle 14 Tage neu dekoriert wird und von seiner Frau dafür gelobt wird, was für ein ausgeprägtes Farbgefühl er hat: „Wir sind ein tolles Team“, sind sich die beiden einig und meinen damit auch die sechs Mitarbeiter, die sie im Hauptgeschäft und in der Outlet-Dependance neben dem Maritim-Hotel unterstützen.

Dass ihr Sortiment im sehr gehobenen Preissegment angesiedelt ist, begründen die beiden mit der Qualität, der Nachhaltigkeit und den nachprüfbar fairen Produktionsbedingungen: „Ich verkaufe hier einen Cashmere-Pullover, den ich selbst seit 20 Jahren habe, schon x-Mal in der Waschmaschine hatte und der noch so aussieht wie dieser im Regal.“ Ob ein Kleid zwischen 300 und 500 Euro tatsächlich noch zur „konsumigen Preisklasse“ gehört, ist indes relativ.

Ans Aufhören denkt die letzte verbliebene Mieterin der ersten Stunde des Kurhauses übrigens noch lange nicht: „Ich komme wirklich jeden Tag gerne hier her. Der Kontakt mit den Kunden hält mich jung. Und ich habe einfach Freude daran, meine Kunden glücklich zu machen.“

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