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So hat alles begonnen: Von Anfang setzte man im Joker auf gepflegte Gastlichkeit und auf ein treues und tolles Team. Damals stand auch noch der mittlerweile verstorbene Mitinhaber Rico Nossek hinter dem Zapfhahn.

Kultkneipe

"Joker" verlässt in Bad Homburg nach 34 Jahren die Arkaden

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Unzählige Bad Homburger haben ihre Kneipen-Sozialisation im „Joker“ erlebt. Jetzt verlässt die Kultkneipe ihren angestammten Platz und zieht auf die Louisenstraße um. Für die Arkaden wird das einschneidende Folgen haben. 

Das Gerücht geistert bereits seit Monaten rund um die Tresen der Kurstadt: Macht der „Joker“ tatsächlich dicht? Was für viele Kneipen-Gänger wie eine Hiobsbotschaft klang, hat sich – zum Glück – nur zum Teil bestätigt. Wahr ist, dass der „Joker“ Ende März an seinem jetzigen Standort die Zapfhähne schließt – allerdings „nur“, um an neuer Stelle neu zu eröffnen. Doch dazu später mehr. 

Die Kneipe, die vom ersten Tag an (11. April 1984) zum festen Inventar der Louisen-Arkaden gehörte, ist für viele Bad Homburger eine Institution. Sie haben hier ihre Bier-Sozialisation durchlebt. Während man im Rest der Republik beim Begriff „Joker“ an Rommé oder den Intimfeind von Batman denkt, denkt man in der Kurstadt sofort an gepflegte Gastlichkeit. Denn das war von Anfang an das Credo von Bernd Weber und seinem bereits verstorbenen Kompagnon Rico Nossek. „Wir wollten eine Kneipe sein, in der man ein gutes Bier bekommt, Karten spielen oder würfeln und auch mal ein wenig lauter sein kann“, erzählt Bernd Weber.

Zum Gastronom wurde er vor 34 Jahren eher um zwei Ecken. Bis 1984 das erste Bier im „Joker“ gezapft wurde, war Weber, der bereits einen Großteil seiner Jugend in Bad Homburg verbracht hatte, etliche Jahre in der Immobilienbranche in Spanien und London unterwegs. In Spanien traf er dann zufällig auf einen Homburger, der ihm erzählte, dass in der Heimat ein Gastronom für eine neue Kneipe gesucht werde. Weber bewarb sich und wurde genommen.

Das Mobiliar inklusive des legendären Tresens stammte aus einem Lokal auf der Frankfurter Freßgass. Die stilprägende „Stein-Tapete“ war Webers Idee, „spanische Einflüsse“, erzählt er. Dass die Kneipe von Anfang an brummte, lag nicht nur an der bereits beschriebenen Philosophie, sondern auch an den fairen Preisen und vor allem am Personal, von denen einige seit einer gefühlten Ewigkeit im „Joker“ arbeiten – Sabine seit 32, Anna seit 28 und Lilly seit 20 Jahren. Im Laufe der Zeit wurde auch das gastronomische Angebot ausgebaut. In der 15 Quadratmeter großen Küche werden nun seit einigen Jahren die besten Rumpsteaks der Kurstadt gebraten.

Selbst „Queen“ kam

Ein weiteres Erfolgsrezept: „Möglichst wenig Veränderungen“, sagt Weber. Auch wenn man um die eine oder andere Neuerung nicht herumkam – Stichwort Nichtraucherschutz. Weber: Doch auch daran haben sich die Leute gewöhnt.“ Mittlerweile zählen schon die Söhne der Gäste der ersten Stunde zum Stamm. Legendär waren unter anderem Heiligabend und Faschingsdienstag im „Joker“, da war die Hütte gerammelt voll.

Das muss sich wohl bei dem einen oder anderen Promi rumgesprochen haben, denn auch von denen konnte Weber in den vergangenen 30 Jahren etliche in seiner Kneipe begrüßen. In den 1980er Jahren fuhren zu fortgeschrittener Stunde schon mal drei große Limousinen vor. Heraus stiegen die Musiker von „Queen“. Weber: „Allerdings ohne Freddie Mercury.“ Zu verdanken war das Stammgästen, die beruflich enge Kontakte in die Musikszene hatten: dem Konzertmanager Fritz Rau und seinem Mitarbeiter Mike Scheller. „Mit den Jungs von ,Smokey‘ haben wir hier auch bis in die frühen Morgenstunden gefeiert“, erinnert sich Weber. Nur einem war es im „Joker“ zu voll: Meat Loaf. „Der hat kurz reingeschaut, aber es war ihm wohl zu viel los. Der ist lieber in die Homburger Spielhallen gegangen.“ Bobby Kimball, der Sänger von „Toto“, Axel Schulz und – erst kürzlich – Frank Zander komplettierten die Promi-Besuche.

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Mit einem Star verbinden Weber und seine Tochter Yanna eine besondere Geschichte: Otto Waalkes. Den Komiker hatten die beiden über Bekannte auf Ibiza kennengelernt – was dazu führte, dass die damals achtjährige Yanna einen Gastauftritt in „Otto, der Katastrophenfilm erhielt. Und in den darauffolgenden Jahren schaute der Blödelbarde immer, wenn er in Frankfurt zu tun hatte, im „Joker“ vorbei.

Die Tochter übernimmt

Generationswechsel: Wirt Bernd Weber und seine Tochter Yanna.

Apropos Yanna. Sie wird die Tradition der Kultkneipe nicht weit entfernt vom jetzigen Standort fortführen. Denn die Geschichte des „Jokers“ in den Louisen-Arkaden endet am 31. März kommenden Jahres (siehe auch Box). Dort, wo Otto und Co. – und vor allem unzählige Bad Homburger – momentan noch ihr Pils genießen, werden künftig die Mitarbeiter vom Müller-Markt ihre Pause abhalten. Allerdings haben die Webers gemeinsam mit ihrem aktuellen Vermieter, der Jupiter GmbH, einen neuen Standort für den „Joker“ aufgetan: ein Ladenlokal in der Louisenstraße 96. Bislang ist dort noch das HiFi-Fachgeschäft Bang & Olufsen beheimatet, doch Inhaber Ernst Schmid zieht mit dem Geschäft ins Stammhaus nach Frankfurt (Große Friedberger Straße 23–27) und macht so Platz für den „neuen Joker“, der noch im ersten Halbjahr dort eröffnen soll.

Nicht nur der Name soll der alte bleiben, sondern auch das Konzept der gepflegten Gastlichkeit. „Der Stil soll erhalten bleiben“, verspricht Yanna, die nun das Erbe ihres Vaters antritt. Unterstrichen wird das schon damit, dass der kultige Stammtisch und einige weitere Accessoires mit umziehen. Wenn irgendmöglich, soll das Personal mit umziehen. Und auch der Fußball soll weiter durch die Kneipe rollen.

Zum Konzept soll auch künftig ein großer Tresen gehören – so wie man es am jetzigen Standort in den Arkaden gewohnt ist. Besonders freut sich die angehende Gastronomin, die diese Woche den Pachtvertrag unterschrieben hat, auf den Biergarten im Hinterhof.

Zunächst muss allerdings erst mal ein Bauantrag gestellt werden, schließlich kann man nicht mal ebenso aus einem HiFi-Geschäft eine Kneipe machen. Wände müssen gezogen, Toiletten und Küche eingerichtet werden. Die Fenster zur Louisenstraße sollen komplett zu öffnen sein, auch das kennt man vom jetzigen Standort.

Es sind große Fußstapfen, die ihr Vater („Er soll das Aushängeschild bleiben“) hinterlässt, doch die junge Mutter ist zuversichtlich, dass der „Joker“ auch am neuen Standort funktionieren wird: „Ob Anzug oder Casual, wir wollen weiterhin eine Kneipe für alle Bad Homburger bleiben“, sagt Yanna. Und gerne darf auch wieder der eine oder andere Promi vorbeischauen.

Müller-Markt vergrößert sich

Wenn der „Joker“ die Louisen-Arkaden verlässt, wird es in der Einkaufsmeile zu einschneidenden Veränderungen kommen – auf die sich Jupiter-Geschäftsführer Ivo Schramm allerdings sehr freut. Im Wesentlichen wird sich der Müller-Markt vergrößern. Und das beschränkt sich nicht auf die bisherigen Räumlichkeiten der Kultkneipe, sondern betrifft auch noch einen ganzen Gang der Arkaden.

Besagter Gang (die erste Arkade, wenn man aus Richtung Rathaus kommt) wird ebenso wie die gegenüberliegenden Ladenlokale dem Ankermieter zugeschlagen. Das Kinderbekleidungsgeschäft „Me & Mom“ und das Sushi-Restaurant „Kim Phat“ ziehen innerhalb der Arkaden um, zwei weitere Geschäfte hatten mit Blick auf den Umbau ohnehin nur kurzfristige Mietverträge. „Der gedankliche Prozess läuft bereits seit zwei Jahren“, so Schramm. Mit den notwendigen Arbeiten soll bereits im Frühjahr 2019 begonnen werden.

Dass der „Joker“ weiter Mieter der Jupiter GmbH bleibt, freut Schramm: „Wir hatten in den vergangenen drei Jahrzehnten nie Probleme mit Herrn Weber, ganz im Gegenteil. Eine Kneipe wie den ,Joker‘ braucht man in Bad Homburg.“ Dementsprechend habe man mit der neuen Generation auch einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen.

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