Die Kaiser-Friedrich-Promenade ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen in der Bad Homburger Innenstadt.
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Die Kaiser-Friedrich-Promenade ist eine der wichtigsten Verkehrsachsen in der Bad Homburger Innenstadt.

Bäderstatus in Gefahr

So kämpft Bad Homburg um seine Champagnerluft

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Darf Bad Homburg seinen Bäderstatus behalten? Die lange erwarteten Ergebnisse einer Untersuchung des Forschungszentrums Jülich zur Luftqualität machen dies von Maßnahmen abhängig, die den Stadtplanern Kopfzerbrechen bereiten werden.

Diese Woche konnten die Autofahrer in der Kurstadt eine Ahnung davon bekommen, was es bedeutet, wenn das gut frequentierte Mittelstück der Kaiser-Friedrich-Promenade gesperrt ist. Weil dort der Straßenbelag erneuert wurde, musste der Verkehr auf die Parallelrouten ausweichen – was zu Stau führte, sicher aber nicht zu besserer Luft. Die dauerhafte Sperrung der Promenade ist aber die zentrale Empfehlung, die die Experten des Forschungszentrums Jülich der Kurstadt geben, will sie ihren Status als Heilbad behalten. 2019 werden erneut Messungen vorgenommen, ob die Homburger Champagnerluft tatsächlich noch heilend ist.

Vor zehn Jahren, bei der jüngsten Überprüfung, hatte die Kurstadt das Prädikat gerade noch so bekommen. Damit die Grenzwerte bei der nächsten Messung nicht überschritten werden, hatte die Stadt vor vier Jahren im größten Forschungszentrum der Republik eine umfassende Untersuchung in Auftrag gegeben. Mittels Langzeitmessungen 2014 und 2015 am Rande des Kurparks wurden die Klimatologie der Luftverunreinigungen ermittelt und Verursacher identifiziert.

Neue Busse bringen viel

Seit einigen Tagen liegt der Stadt die mehr als 100-seitige Studie mit den Ergebnissen und Empfehlungen vor. Darin wird nachgewiesen, dass der Straßenverkehr „der bei Weitem dominierende Verursacher der beobachteten Konzentrationsüberschreitungen von Stickoxid (NO2) – 21,6 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter als Jahresmittel für 2014 (Grenzwert: 20 µg/m³) am Messort Kurpark ist“.

Viel Feinstaub komme bei Südwestwind auch von jenseits der Stadtgrenzen, räumt Dr. Dieter Klemp, einer der Autoren der Studie, im Gespräch mit der TZ ein. „Etwa die Hälfte der Emissionen erzeugt die Stadt aber selbst.“ Und nur die könne die Stadt ja bekämpfen. Die Forscher empfehlen, sich bei den lokalen Stickoxid-Reduktionsmaßnahmen auf den Straßenverkehr zu konzentrieren.

Größter Verursacher waren die stinkenden alten Stadtbusse, die zurzeit der Messungen noch durch Bad Homburg schnauften; sie hatten laut Studie einen Anteil von 27 Prozent am NO2-Wert. Die seit 1. Januar eingesetzten Busse verfügen über eine Euro-6-Abgasnorm, was eine Entlastung um 14 Prozent zur Folge habe. Doch laut Berechnungen müsste die NO2-Konzentration um 17 Prozent verringert werden. Zur Erreichung der restlichen 3 Prozent schlagen die Forscher eine Sperrung der Promenade zwischen Kisseleffstraße und Seedammweg vor. Eine Idee, die den Forschern mit Blick auf den Stadtplan kam.

Flankierende Maßnahmen

Da die Emissionen bei den Messperioden im Winter, als geheizt wurde, aber zuweilen nach oben ausschlugen, werden folgende „flankierende Maßnahmen“ angeraten:

Die Stadtverordneten beschlossen vorige Woche, dass der Magistrat bis nach der Sommerpause konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Empfehlungen erarbeiten soll. Ein Arbeitskreis soll diese ausarbeiten; ein erstes Treffen ist Ende April angesetzt.

Die BLB ist einer der wenigen Gegner des Beschlusses: „Bevor wir beschließen, die Promenade zu sperren, brauchen wir einen guten Verkehrsplaner“, so Armin Johnert, der die Staus bei den jetzigen Bauarbeiten beobachtet hat. Für ihn wäre eine Sperrung „kompletter Irrsinn“.

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