Saalburg mit Bildband

Im Kastell fand Leben statt

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Erstmals präsentiert das Römerkastell Saalburg einen Auswahlkatalog. Darin werden 84 besondere Fundstücke vorgestellt, die vom Leben zu römischer Zeit zeugen.

„Salvete Hospites!“ Zu Recht stolz präsentieren die Autoren ihr Werk: 208 Seiten mit 102 Abbildungen und dem Titel „Glanz und Alltag – Preziosen aus den Sammlungen des Römerkastells Saalburg“. Gute zwei Jahre Arbeit steckt in dem „Werklein“, wie Museumsleiter Dr. Carsten Amrhein den Auswahlkatalog bescheiden nennt.

Dazu sind er und seine Mitautoren mit offenen Augen durchs Kastell gegangen und haben insbesondere in den Magazinen nach kostbaren Raritäten aus römischer Zeit gesucht. Und sie sind fündig geworden, mehr als das: „Wir hatten die Qual der Wahl“, erläuterte Elke Löhnig bei der Buchpräsentation.

Außer der stellvertretenden Leiterin und ihrem Chef Amrhein ist auch Peter Knierriem durch das Depot der Saalburg gestreift, in dem nach jüngsten Inventurzahlen mehr als 500 000 Fundstücke gelagert werden. Knierriem, ebenfalls Archäologe, war von 1995 bis 1999 in der Saalburg tätig und ist jetzt Schlossleiter der Staatlichen Schlöser, Burgen und Gärten Sachsens.

Sein Steckenpferd ist die Fotografie, und so war es ihm eine Freude, die ausgewählten Objekte für das Buchprojekt seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu fotografieren. Dabei hat er die archäologischen Funde allerdings nicht auf klassische, akademische Weise festgehalten, sondern jede Preziose ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäß künstlerisch in Szene gesetzt: „Ich bin schon gespannt, wie die Fachwelt reagiert“, sagte er lachend.

So strahlt die kleine Venus-Büste vor einem Rosen-Hintergrund; der Pentagon-Dodekaeder (zwölfflächiger würfelartiger Körper mit fünfeckigen Flächen) aus Bronze, von dem die Fachwelt sich bis heute nicht sicher ist, wozu er den Römern diente, „schwebt“ vor einem Weltraum-Hintergrund. Dieses mystische Motiv ziert übrigens auch die Frühjahrsprogramm-Titelseite des NA-Verlags, der das Buch in einer Auflage von 1500 Stück herausgebracht hat. Verlegerin Dr. Annette Nünnerich-Asmus, selbst Archäologin, gerät über die gute Zusammenarbeit und das Ergebnis geradezu ins Schwärmen: „Das war ein Volltreffer! Wir zeigen hier extrem seltene und gut erhaltene Odien aus römischer Zeit. Es sind kostbare Zeugnisse, Spiegelbild des täglichen Lebens im und um das Kastell. Es zeigt: Da fand Leben statt, da gab es Austausch mit dem Vorland, Handel und Wandel.“

Den Titel ziert eine ausgelatschte Frauensandale, die 1885 aus einem Brunnen der Saalburg wieder ans Tageslicht geholt wurde. „Die Fachwelt ist vom guten Zustand unserer Objekte oft überrascht, einige Raritäten mussten wir sogar zurückrestaurieren, weil sie zu früheren Zeiten überrestauriert worden waren“, erklärt Amrhein. Tatsächlich ist der Schuh von einer Römer-Sandale, wie sie heute wieder modern ist, kaum zu unterscheiden, obwohl sie etwa 2000 Jahre alt ist.

Nach einer Einführung über die Geschichte des Saalburg-Museums seit 1853 werden die 84 ausgewählten Kostbarkeiten in 14 Kategorien, denen jeweils eine Einführung vorangestellt ist, präsentiert. Kurze Texte liefern Erklärungen zur ehemaligen Nutzung und weisen auf Besonderheiten hin, die dem Betrachter nicht auf den ersten Blick auffallen dürften. Die Hinweise zu Fundort, Material, Größe, Datierung und weiterführender Literatur sind insbesondere für Experten dienlich. Alle ausgewählten Sammlungsstücke sind jetzt auch in der Ausstellung des Römerkastells zu sehen.

Der Auswahlkatalog ist nach der Bestandsaufnahme von Louis Jacobi im Jahr 1897 die erste Publikation dieser Art und für Saalburg-Besucher ebenso interessant wie für Fachleute. Das Buch ist ab sofort im Handel und im Museumsshop des Römerkastells Saalburg erhältlich.

Der Katalog heißt „Glanz und Alltag“, ist im Nünnerich-Asmus-Verlag Mainz erschienen, ISBN 978-3-945751-21-3, und kostet 19,90 Euro.

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